America’s Cup: Historische Änderung der Regeln – Foiler-Wettkämpfe alle zwei Jahre

Dramatischer Umbau

Fünf Teams haben sich auf einen revolutionären neuen Rahmen für die übernächsten America’s Cups geeinigt. Ein Syndikat hat die Beschlüsse nicht unterzeichnet.

Bei einer Pressekonferenz in London hat Russell Coutts, der CEO der America’s Cup Organisation, im Namen von fünf aktuellen Syndikat-Vertretern bahnbrechende Veränderungen für die Zeit nach dem 35. America’s Cup bekannt gegeben.

Demnach werden die nächsten Regatten um die Kanne nicht nach vier, sondern zwei Jahren ausgesegelt. 2019 findet also der 36. AC statt und 2021 die Nummer 37. Dabei ist nicht klar, wo die Rennen stattfinden. Die Möglichkeit der Wahl des Ortes und die Vermarktungsrechte liegen nach wie vor beim zukünftigen Sieger.

America's Cup

Gruppenbild ohne einen. © ACEA

Zwischen den Haupt-Events wird weiterhin die America’s Cup World Series (ACWS) stattfinden und aus bis zu 12 Regatten in den zwei Jahren bestehen. Im ersten Jahr sollen noch die alten AC45F Foiler zum Einsatz kommen, dann segeln die Cupper der America’s Cup Class, die ab Mai 2017 in Bermuda auftreten. Sie werden leicht verändert, um den Einsatzbereich auf 4 bis 26 Knoten zu erweitern.

Die Ergebnisse der ACWS fließen noch stärker in die Qualifikation für die America’s Cup Challenger Playoffs ein. Neu ist das Verbot zum Bau von Stellvertreter-Booten wie den AC45S für den aktuellen Cup. Kosten sollen gespart werden. Der gleiche Rahmen gilt für den 37. America’s Cup.

Formel 1 als Vorbild

Die Auswirkungen auf die traditionsreiche Regatta sind dramatisch. Die Beteiligten versuchen eine größere Planungssicherheit zu erreichen, um mehr Rennställen die Teilnahme für einen geringeren Betrag zu ermöglichen. Vorbild ist die Formel 1, und so ist es sicher kein Zufall, dass Martin Whitmarsh die Pläne in London vorstellte. Der BAR CEO war bis 2013 Teamchef des McLaren-Formel-1-Teams.

Durch die Änderungen sollen mehr Teams an den Start gehen. Ein neues Syndikat soll 30 bis 40 Millionen Dollar investieren müssen, um konkurrenzfähig zu sein. Im Moment investieren etwa die Briten deutlich mehr als 100 Millionen Dollar.

Verteidiger und Herausforderer sind sich offenbar weitgehend einig, wie der Weg in die Zukunft aussehen soll. Nicht überzeugt sind dagegen die Neuseeländer. In einem kurzen Tweet heißt es: “Emirates Team NZ glaubt daran, dass das zukünftige America’s Cup Format vom Verteidiger mit dem Challenger of Record beschlossen werden muss, so wie es immer war.”

Whitmarsh geht auf die Abwesenheit der Kiwis in London so ein: “Emirates Team New Zealand ist heute nicht hier, aber sie wurden von allen Entwicklungen um die Rahmenbedingungen auf dem Laufenden gehalten. Wir sind optimistisch, dass sie bald zur Gruppe dazu stoßen, denn es ist klar, dass eine Zusammenarbeit für die gesamte Interessengruppe des America’s Cups besser ist”.

“Null und nichtig”

Aber das sieht Kiwi-Chef Grant Dalton offenbar anders. Er hat sich gegenüber einheimischen Medien schon zu dem Kommentar hinreißen lassen, dass diese Vereinbarung null und nichtig ist, falls die Neuseeländer den Cup in Bermuda gewinnen sollten.

Russell Coutts lässt sich in seiner Freude über die Einigung, die er seit Jahren propagiert, nicht nehmen. “Erstmals in mehr als 165 Jahren haben sich Teams zusammen geschlossen für den Vorteil des America’s Cups und nicht für sich selbst.” Tatsächlich verzichtet Oracle als aktueller Cup-Verteidiger und Top-Favorit für den 35. Cup auf seine Alleinherrschaft und Vorteile, die zum Wiedergewinn führen könnten.

Den Teams schwebt vor, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die als beständige Rennserie etabliert werden kann. Kritiker fürchten, dass die Stiftungsurkunde Deed of Gift eine solche Veränderung eigentlich gar nicht zulässt. Aber gerade die Segler lechzen nach einer beständigen Perspektive im Profi-Segeln.

Und der ehemalige Team New Zealand Skipper Dean Barker, der jetzt für Japan segelt, versteht nicht, warum seine Landsleute der Entwicklung nicht zustimmen. Aber der Graben zwischen dem Verteidiger Oracle und den Kiwis ist nach den Problemen, die den Neuseeländern bereitet wurden, offenbar unüberwindlich geworden.

Doppelt so viele Boote

Larry Ellison hofft insbesondere auf eine höhere Teilnehmerzahl. Er glaubt, dass beim 36. Cup doppelt so viele Boote am Start sein können. “Jetzt kennen sie die Kosten, die Art des Bootes und wissen, dass die Regel nicht verändert wird. Deshalb hat kein Team, also auch nicht der Verteidiger oder Challenger of Record einen Wettbewerbsvorteil.”

Seit vielen Jahren haben America’s Cup Beobachter auf eine solche Änderung gewartet, die deutlich mehr Teams eine Chance für den Schnelleinstieg bietet. Auch Ernesto Bertarelli hatte Ähnliches im Sinn, aber er wollte es auf eigene Faust gegen den Widerstand wichtiger Herausforderer durchsetzen. Und besonders Larry Ellison traute  den Absichten des Schweizers nicht.

Ellison hat nun das Gros der Teams geeint, und musste dafür auf viele seiner Privilegien als Verteidiger verzichten. Es muss sich nun zeigen, wie tragfähig das neue Konstrukt ist. Viel werden sagen, dass durch diese Änderungen der “echte” America’s Cup verloren geht. Aber was heißt das schon? Was hat diese Regatta für einen Sinn, wenn nur wenige extrem reiche Einzelpersonen eine Herausforderung stemmen können. Nun wird der Versuch gestartet, etwas Verlässlichkeit in dieses komische Cup-Konstrukt zu bringen. Es muss sich zeigen, ob das gelingt.

Wer sich das wünscht, darf offenbar nicht hoffen, dass Neuseeland den 35. America’s Cup gewinnt. Dann könnten die Pläne wieder umgeworfen werden. Aber diese Gefahr droht kaum. Das Ellison-Team hat durch einige Entscheidungen bei der Organisation der Cup-Regatten erreicht, dass die Kiwis große Probleme haben werden, auf Augenhöhe mit den besten Herausforderern zu segeln. Vielleicht sind solche Zeiten nun vorbei. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „America’s Cup: Historische Änderung der Regeln – Foiler-Wettkämpfe alle zwei Jahre“

  1. avatar kamke@mac.com sagt:

    Ellison hat Bertarelli nicht getraut? Das ist ja lustig…gerade Ellison, der immer wieder – zur Not am grünen Tisch – dafür gesorgt hat, dass er seine Vorteile behält…ihm soll man nun trauen? Nach den Winkelzügen gegen die Schweizer, gegen die Italiener, gegen die Neuseeländer? Für mich hat der Mann längst jede Glaubwürdigkeit verloren…wenn Oracle in diesem neuen Konstrukt ins Hintertreffen gerät, dann werden Ellison’s Anwälte als erste auf den Deed of Gift pochen und sich wieder in Position bringen…wie gegen Bertarelli damals.

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  2. avatar Knallgäu sagt:

    Ich seh das genauso.
    Bei der jetzigen auflage war doch auch schnell alles geregelt. Und plötzlich schmeißt man wieder alles um, weil… ja genau, warum eigentlich….

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  3. avatar Ralf Steck sagt:

    Das ist eben der America’s Cup, ein total irres Rennen zwischen irren, riesigen Egos. Eine Foilerrennserie kann man ja gerne machen, aber bitte unter eigenem Namen.

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  4. avatar Stefano Trentini sagt:

    Zitat: “Was hat diese Regatta für einen Sinn, wenn nur wenige extrem reiche Einzelpersonen eine Herausforderung stemmen können. ” Der America’s Cup war schon immer ein spezielles Rennen zwischen spleenigen Superreichen. Was hat es denn für einen Sinn, einfach eine Regatta Serie wie jede andere daraus zu machen.

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