America’s Cup History: Das engste Manöver beim legendären Duell 2013 – Erhöhtes Risiko

"Starboard, Starboard...!!!"

Heute geistert eine Video-Sequenz vom America’s Cup 2013 durch das Netz. Dabei rast Oracle Steuermann James Spithill mit 24 Knoten auf Kollisionskurs zu den Neuseeländern. Wie die Sache ausgeht.

Am 20.9 2013 geht es vor San Francisco wieder einmal um alles. Es steht 8:2 für die Kiwis, sie können den Matchball verwandeln. Aber sie sind genervt. Denn beim ersten Rennen des Tages führten sie bei Flaute schon mit einem Kilometer, als das Zeitlimit ablief. Sie waren so nah dran.

Nun hat der Wind für das 13. Rennen wieder aufgefrischt. Oracle ist definitiv schneller geworden, aber trotzdem liegen die Kiwis vorne. Es mag ihre letzte Chance sein, den Gegner zu besiegen. Und so gehen Dean Barker und Co dieses Rennen auch an. Sie erhöhen das Risiko.

Hier ein Auszug aus der SR Reportage von damals aus San Francisco:

…Sein Gegenüber Davies zögert mit dem Abwehr-Manöver und schon segelt der Gegner in Schlagdistanz. Mehr noch, bei auffrischendem Wind rast er plötzlich mit 24 Knoten auf einem Kollisionskurs heran. “Wir hätten wohl früher halsen sollen”, sagt der bisher so fehlerfrei agierende Kiwi Taktiker später.

Mit 24 Knoten rasen die AC72 aufeinander zu...

Mit 24 Knoten rasen die AC72 aufeinander zu…

Er entscheidet sich aber stattdessen, vor den beiden gegnerischen Bugspitzen zu passieren. Es passt nicht. Wieder fehlen an diesem verflixten Tag nur Zentimeter. Spithill zielt gefährlich nah auf den gegnerischen Katamaran, schreit mit überschlagender Stimme “Starboard, Starboard…!!!” , reißt etwas theatralisch das Steuerrad herum, weicht mit einem größeren Schlenker aus und drückt auf den Protestknopf. Eine Schwalbe ist das nicht.

Barker sieht kurz über die linke Schulter und mag den Anblick überhaupt nicht. “Aber Angst habe ich nicht gehabt”, sagt Barker. “Wir haben unsere Schiffe gut im Griff.” Eine Kollision bei diesem Speed will man sich nicht vorstellen. Und die Schiedsrichter an den Bildschirmen im Container-Dorf  am Pier 27 wollen das auch nicht. Sie drücken den Blaulicht-Knopf. Strafe für Neuseeland.

Aber der Penalty fällt nicht mehr ins Gewicht. Der Bestrafte muss zwei Bootslängen achteraus liegen und diese Bedingung ist automatisch erfüllt, weil Oracle das Überholmanöver längst ausgeführt hat und entsprechend weit voraus liegt. Die blaue Lampe flackert kurz, erlischt dann aber wieder…”

Oracle gewinnt dieses Rennen klar. Danach ist die Serie um den America’s Cup in San Francisco so gut wie gelaufen. Oracle setzt seinen Siegeszug mit einem immer schneller werdenden Schiff fort und gewinnt schließlich mit 9:8.

Plötzlich steuert Oracle von links mit 24 Knoten auf Kollisionskurs ...

Plötzlich steuert Oracle von links mit 24 Knoten auf Kollisionskurs …

Die Kiwis entscheiden sich dennoch für den Cross. Nach dieser Aufnahme würde es sogar knapp passen...

Die Kiwis entscheiden sich dennoch für den Cross. Nach dieser Aufnahme würde es sogar knapp passen…

...Auf dem Umpire Bildschirm sieht es allerdings deutlich knapper aus...

…Auf dem Umpire Bildschirm sieht es allerdings deutlich knapper aus…

...Spithill reißt das Steuer herum, um den Schiedsrichtern zu zeigen, dass er ausweichen musste. Die Regeln verlangen, dass er auch als Wegerecht-Boot ausweichen muss, um eine Kollision zu verhindern. Die Schiedsrichter berechnen einen Sicherheitsabstand...

…Spithill reißt das Steuer herum, um den Schiedsrichtern zu zeigen, dass er ausweichen musste. Die Regeln verlangen, dass er auch als Wegerecht-Boot ausweichen muss, um eine Kollision zu verhindern. Die Schiedsrichter berechnen einen Sicherheitsabstand…

...Der Boat-to-Boat Penalty von zwei Längen Rückstand macht aber nicht viel aus, da Oracle ohnehin die Neuseeländer überholt...

…Der Boat-to-Boat Penalty von zwei Längen Rückstand macht aber nicht viel aus, da Oracle ohnehin die Neuseeländer überholt…

Die Schiedsrichter wollen, dass der Bestrafte nach dem Penalty zwei Längen hinter dem Gegner liegt. Das ist kurz nach dem Manöver automatisch der Fall.

Die Schiedsrichter wollen, dass der Bestrafte nach dem Penalty zwei Längen hinter dem Gegner liegt. Das ist kurz nach dem Manöver automatisch der Fall.

Die entscheidende Szene im längeren Replay:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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