America’s Cup: James Spithill geht über Bord – Wie gut sind die Kiwis?

Verteidiger unter Druck

In der kleinen America’s Cup Welt kursieren viele Gerüchte gut einen Monat vor dem Start der ersten Rennen in Bermuda. Viele sind an den Haaren herbeigezogen, aber an diesem könnte etwas dran sein.

Oracle-Steuermann James Spithill ist beim Training mal wieder über Bord gegangen, und man könnte schon ein Symbol darin sehen. Der America’s Cup Verteidiger scheint unter Druck zu geraten.

Das ist der jüngste Eindruck nach den vergangenen Trainingsrennen in Bermuda. Demnach ist Artemis das Team der Stunde. Die Schweden schickten Oracle mit 4:0 nach Hause und gewannen alle ihre neun Rennen. Die Verteidiger müssen sich Gedanken machen.

Alle Karten aufgedeckt?

Sicher werden bei diesen Kräftevergleichen noch nicht alle Karten aufgedeckt. Aber je näher der Cup rückt, umso weniger macht es Sinn, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Der Form-Guide dürfte dem realen Kräfteverhältnis unter Rennbedingungen schon sehr nahe kommen.

So sieht es bei den Gegnern aus: Oracles Partner-Team aus Japan ist ebenfalls flott unterwegs, hat aber noch Handling-Probleme. Die Briten sind langsam, punkten aber immer besser bei den Manövern. Die Franzosen sind schnell beim Geradeaus-Fahren, aber instabil bei den Richtungswechseln. Zu häufig klatschen die Rümpfe noch aus dem Flugmodus ins Wasser.

Die große Frage 35 Tage vor dem ersten Duell in der Herausforderer-Serie beim America’s Cup ist nun aber: Wie gut ist das Team New Zealand? Wie funktioniert ihre segelnde Zeitfahr-Maschine mit den vier hintereinander geschalteten Radfahrern im Vergleich zur Konkurrenz?

Gerüchte-Küche brodelt

Seit Anfang der Woche sind die Kiwis in Bermuda. Die Flagge auf der Basis ist gehisst, der per Flieger transportierte Katamaran wird noch zusammengebaut. Er ist noch keinen Meter auf dem Cup-Revier gefoilt – am Wochenende soll es so weit sein – aber die Gerüchte-Küche brodelt.

Fahrrad, Team New Zealand

Die Biker vom Team New Zealand. © ETNZ

So heißt es, dass Peter Burling und seine Männer möglicherweise wirklich stark aufgestellt sind. Die Kiwis geben sich in Interviews überraschend selbstbewusst und zuversichtlich, immer mehr Berichte bestätigen ihre positive Entwicklung, und die Konkurrenz reagiert zunehmend nervöser.

So kann man die von der Mehrheit entschiedenen überraschendem Regeländerung , nun doch Trainingsrennen in Bermuda zu erlauben, als versuchte Stärkung aller Teams gegenüber den Kiwis werten. Denn sie hatten bisher durch ihren langen Aufenthalt in Auckland als einzige keine Chance, an den ersten Practice Races teilzunehmen. Ob sie diese Möglichkeit bei der dritten geplanten Test-Serie ab Montag nutzen werden, ist noch nicht bekannt.

Spione auf dem Wasser

Erfahrungsgemäß sind Mutmaßungen über die gegnerische Leistung im Cup-Zirkus nicht völlig aus der Luft gegriffen. Und diesmal erlauben die Regeln bei diesem Cup eine besondere Offenheit bezüglich der Team-Beobachtung. Bei jeder Trainingseinheit der Neuseeländer in Auckland waren “Spione” der Gegner auf dem Wasser und konnten sich ein Bild über den Leistungsstand machen. Nur die letzte Gewissheit beim direkten Vergleich fehlt noch.

Alle Teams bemühten sich zwar schnell, die Bedeutung der Kiwi-Fahrrad-Technik herunterzuspielen – man habe diese naheliegende Lösung schon früh untersucht und verworfen – aber die Stimmung in den Lagern der Rennställe ist nachdenklicher geworden.

Nun heißt das jüngste Gerücht, Oracle versuche in der knappen verbliebenen Zeit das System der Neuseeländer zu kopieren. Die italienische Zeitung La Stampa hat es süffisant in die Welt gesetzt. Die Italiener sind nach der Nicht-Teilnahme von Luna Rossa die größten Kritiker von Oracle. Es heißt, das US-Team arbeite in einer Halle an einem Pedal-System für den Einsatz im Rennen.

Hohe Lasten

Die Beinarbeit verspricht 40 Prozent mehr Leistung für die Hydraulik, mit der unter anderem im Manöver die Winkel der Foils unter hohen Lasten bewegt werden. Dazu passt, dass die Neuseeländer gerade bei den Kursänderungen sehr stabil wirken sollen. Aber viel hängt von der Foil-Form ab. Hier muss sich zeigen, ob die Kiwis mit ihrem besonders in der Anfangsphase der Kampagne sehr begrenzten Budget ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Während sich für die Herausforderer so kurz vor dem ersten Start keine Möglichkeit mehr ergibt, die Kiwi-Technik zu kopieren, wird den Amerikanern durchaus zugetraut, Grinder-Räder nachzurüsten. Sie starten ebenfalls bei der Challenger-Serie, können sich mit den Gegnern vergleichen und dann möglicherweise zum Start des ersten America’s Cup Matchs am 17. Juni mit einem Pedal-System an den Start gehen.

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://segelreporter.com/pressemitteilungen/freiwilliges-soziales-jahr-2017-2018-beim-hamburger-segel-club/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *