America’s Cup: Kiwi-Niederlage wegen Sponsor-Verpflichtungen?

Dalton unter Druck

In der America’s Cup Welt sorgt ein Interview von Dean Barker für Aufsehen, in dem er Grant Dalton als Verantwortlichen für den erstaunlichen Verzicht auf einen Segeltag nennt. Das vermeintliche Dreamteam steht nun unter Druck.

Barker Henry Int

Paul Henry interviewt Dean Barker (klick)

Immer noch können sich die Neuseeländer nicht damit abfinden, dass sie im Kampf um den America’s Cup das unglaubliche Comeback von Oracle zugelassen haben.   Der neuseeländische Journalist Paul Henry befragte Barker für den Fernsehsender 3News zu den Hintergründen und beißt sich an den Vorkommnissen fest, die dazu führten, dass die Neuseeländer ungezwungen der Absage eines Renntages zugestimmt haben.

Nach der wiederholten Verschiebung von Rennen wegen Bedingungen außerhalb des Windlimits hätte eigentlich beim Stand von 7:1 der Reservetag am 16. September für die Entscheidung genutzt werden sollen. Das Segeln konnte nur einstimmig abgelehnt werden. Und so kam der Verzicht der Kiwis überraschend. Wollten sie den Sieg auskosten?

Das immer stärker werdende Oracle Team bekam jedenfalls einen Tag geschenkt, an dem die Techniker weitere Material-Verbesserungen vornehmen konnten, die schließlich mit zum Sieg verhalfen. Im Rückblick könnte dieser 16. September der entscheidende Tag der Niederlage gewesen sein. Was könnte bei den Kiwis dazu geführt haben, diesen strategischen Fehler zu begehen?

Sponsoren-Verpflichtungen?

Dean Barker offenbart jedenfalls im Interview, dass Grant Dalton die Entscheidung offenbar ziemlich alleine getroffen hat. Als Grund wird über mögliche Sponsor-Verpflichtungen spekuliert.

barker dalton

Grant Dalton tröstet Dean Barker (r.) nach der Niederlage. © TNZ

Unterstützer sollten die Möglichkeit bekommen, die entscheidenden Rennen zum Sieg live auf einem Begleitboot miterleben können. Dieses Incentive war aber offenbar nicht schnell genug zu realisieren. Der geplante Ruhetag sollte dafür benutzt werden.

Barker bestätigt in einem weiteren 3News Beitrag die große Abhängigkeit seines Teams von Sponsoren im Unterschied zu den Gegnern. Und er dementiert nicht die Ansicht, dass es einen Zusammenhang mit der nicht-In-Anspruchnahme des Ruhetages gegeben habe. Aber er widerspricht, dass es Unstimmigkeiten mit Dalton gebe. Er sei überrascht, wie das Interview in der Öffentlichkeit interpretierte werde.

Barker widerspricht Unstimmigkeiten

Tatsächlich tut Barker alles andere als mit dem Finger auf seinen Boss zu deuten. Dreimal vermeidet er es direkt auszusprechen, wer für die Verschiebung verantwortlich war, bis Interviewer Henry ihm schließlich den Namen Dalton entlockt.

Bei den Journalisten geriet Dalton jetzt auch unter Druck, weil er überhaupt an Bord mitgesegelt ist anstatt einen weiteren spezialisierten Grinder zum Einsatz kommen zu lassen.

Für das Team New Zealand ist das plötzlich ein ungemütlicher Stimmungswandel an der heimatlichen News Front. Bisher galten die Segler trotz Niederlage als Sieger der Herzen gefeiert. Und die Unterstützungsgelder aus dem Steuer-Topf wurden auch erneut bewilligt. Wenn die Stimmung aber kippen sollte haben die Kiwis ein größeres Problem. Grant Dalton jedenfalls äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Er weilt für Sponsorgespräche in Europa.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „America’s Cup: Kiwi-Niederlage wegen Sponsor-Verpflichtungen?“

  1. avatar coist sagt:

    Wow, da wird ja mal richtig nachgefragt und nachgesetzt.

    Keine Ahnung wann es das im dt. Sportjournalismus zuletzt gab – also jetzt abgesehen vom Doping im Radsport, da geht man immer voll drauf.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *