America’s Cup: Kiwis führen 4:1 – Wendeduell im fünften Lauf

Das erste echte Rennen

Im zweiten Lauf des Tages schaffte es Chris Draper, eine vielversprechende Position in Luv der Neuseeländer einzunehmen. Es sah aus, als hätte er erstmals eine reelle Chance,  mit einem vorteilhaften Windeinfallswinkel über die Gegner rutschen zu können.

Team New Zealand, Luna Rossa

Das Emirates Team New Zealand im engen High Speed Duell mit Luna Rossa. © Chris Cameron/ETNZ

Aber dafür reichte der absolute Speed von Luna Rossa einfach nicht aus. Kurzzeitig titschte Draper mit den Rümpfen auf das Wasser, und das reichte den Kiwis, um die Innenposition an der ersten Marke zu behaupten.

Während sich die Neuseeländer wie gewohnt beim Abfallen sofort auf die Tragflächen hoben und beschleunigten, klatschte Luna Rossa ins Wasser und verlor wichtige Meter. Erneut gab es bei der ersten Halse Probleme. Das Segelprofil wölbte sich nicht sauber auf die neue Steuerbordseite. Dadurch hoben sich die Italiener nicht auf die Foils und verloren weiter an Boden.

Aus der Kurve getragen

Das Rennen schien wieder einmal früh gelaufen. Der Rückstand wuchs auf deutlich über 300 Meter. Aber auf dem Vorwindkurs platzierte Luna Rossa Taktiker Francesco Bruni den Katamaran so geschickt, dass er die entgegengesetzte Marke zu den Neuseeländern runden konnte.

Diese wurden bei der Rundung spektakulär weit aus der Kurve getragen, wendeten sofort und verloren krass. Luna Rossa holten mit der stärkeren Strömung im Rücken permanent weiter auf. Aber dann packten die Neuseeländer das Werkzeug aus, mit dem sie den Gegner in den Schraubstock zwangen. Sie hoben sich auch am Wind mit dem Leerumpf aus dem Wasser.

Dafür fielen sie ein paar Grad ab, öffneten die Segel und beschleunigten von 24 auf 28 Knoten. Ein Manöver, wie man es von schnellen Gleitjollen wie FD oder 505er kennt. Zwar verloren die Kiwis deutlich an Höhe im Vergleich zu den Italienern, rutschten aber in Luv voraus zwangen sie in den Windschatten und kamen schneller in den stärkeren Schiebestrom.

Als sich der Kurs wieder parallelisierte war der Abstand auf knapp zwei Bootslängen geschrumpft. Damit könnte auch vorerst die Frage beantwortet sein, ob die AC72 auch am Wind foilen. Die Antwort ist ja, aber. In der aktuellen Konfiguration verliert Neuseeland zu viel Höhe, als dass es mehr als eine taktische Waffe sein könnte. Vier Knoten Zusatzspeed kann man manchmal gut gebrauchen. Ob Oracle es besser kann?

Luna Rossa im Würgegriff

Aber nun war Luna Rossa im Würgegriff. Draper wendete und Barker ging mit. Der Windschatten wirkte. Es entwickelte sich erstmals bei diesem Louis Vuitton Cup Rennen ein klassisches Wendeduell. Dabei zeigte sich allerdings, dass die Kiwis auch in diesem Bereich, dem Manövrieren, Beschleunigen und bei der Höhe am Wind erschreckend überlegen sind. In kürzester Zeit wuchs der Rückstand auf nehezu 400 Meter. Das Rennen war gelaufen. Der Rückstand im Ziel betrug 1:28 Minuten.

Luna Rossa, Team New Zealand

An der ersten Tonne lagen die Kiwis bisher immer vorne. © Chris Cameron/ETNZ

Immerhin war es das erste echte Rennen, das einen Hauch von Spannung aufkommen ließ. Zuvor waren die Italiener bei fünften Duell nach einem klar verlorenen Start sang und klanglos mit einem Rückstand von 2:18 min untergangen.

Draper hatte versucht, kurz vor dem Start die Lücke zwischen der Starttonne und seinem Boot dicht zu machen, um den Gegner auszubremsen. Aber Barker rief schon früh in den Bordfunk: “Er kann uns nicht blocken” und startete mit Speed. Draper konnte nur noch verspätet abfallen. Er war aufs Ganze gegangen und sah wieder einmal sehr schlecht aus.

Zum Aufholen ist die Luna Rossa Konstruktion einfach nicht schnell genug. Die Italiener müssten einmal einen Start klar gewinnen. Dann hätten sie wohl eine Chance. Aber daran ist schwer zu glauben.

Die nächste Möglichkeit kommt am Freitag. Dann sind noch einmal zwei Rennen geplant. Den Matchball könnten die Kiwis am Samstag mit dem siebten Sieg verwandeln.

Race 4 Performance Data
Course: 5 Legs/10.18 nautical miles
Elapsed Time: ETNZ – 25:39, LR – 27:57
Delta: ETNZ +2:18
Total distance sailed: ETNZ – 11.5 NM , LR – 11.7 NM
Average Speed: ETNZ – 26.94 knots, LR – 25.29 knots
Top Speed: ETNZ – 44.04 knots, LR – 39.99 knots
Wind Speed: Average – 14 knots, Peak – 17 knots

Race 5 Performance Data
Course: 5 Legs/10.18 nautical miles
Elapsed Time: ETNZ – 24:26, LR – 25:54
Delta: ETNZ +1:28
Total distance sailed: ETNZ – 11.5 NM , LR – 11.7 NM
Average Speed: ETNZ – 28.44 knots, LR – 27.29 knots
Top Speed: ETNZ – 43.77 knots , LR – 39.23 knots

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Kiwis führen 4:1 – Wendeduell im fünften Lauf“

  1. avatar Olperer sagt:

    Im österreichischen ServusTV wurden die Läufe ja stundenlang gezeigt, und das auch noch Free und HD. Die mediale Übertragung mit Aufblendung der Streckenbegrenzung, Markierungen, Tracks usw. war einfach Klasse. Auch die Erklärung der Regeln und Lichter fand ich super. Jetzt muss es nur noch eine Übertragung dieser technischen und medialen Möglichkeiten auf erschwinglichen Segelsport geben und fertig wäre das Fernsehparadies für Tage an denen man selbst nicht auf dem Wasser ist.

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  2. avatar AC Fan sagt:

    Heute nur Rennen 6!
    Rennen 7 und 8 am Samstag.

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