America’s Cup: Kiwis testen neue Konfiguration und verlieren einen Mann über Bord

Kiwis mit Quasimodo-Buckel

© Jason Smith

Das Emirates Team New Zealand sorgt in Bermuda weiterhin für viele Schlagzeilen. Im Training segelte es ohne Vorsegel, testete neue Kleidung und verlor einen Mann.

Emirates Team New Zealand

Sprint von Lee nach Luv. © ETNZ

Es passierte bei der Vorbereitung einer Wende. Vermutlich Trimmer Glenn Ashby springt über das Trampolin, um seinen Platz auf der anderen Seite des Katamarans einzunehmen. aber er verliert das Gleichgewicht und fliegt über Bord.

Es kann ja normalerweise lustig sein, wenn so ein Missgeschick in Landnähe passiert oder zahlreiche Coachboote aufpassen. Aber bei den AC50 Multis ist es die gefährlichste Situation. Denn über Bord fallende Segler können von den Tragflächen – insbesondere den T-Foils am Ruder – getroffen werden. Das mag bei Geschwindigkeiten im 40 Knoten Bereich schwere Verletzungen verursachen.

Emirates Team New Zealand

Wie die buckelige Crew die Seite wechselt. © ETNZ

Aber der Kiwi soll die Wasserung mit einem beherzten Sprung gemeistert haben. Er soll nicht in die Nähe der Finne gekommen sein. Mit der Rad-Konfiguration hat das Malheur nichts zu tun. Denn der Trimmer muss nicht auf einen der vier Sättel springen.

Buckel für die Aerodynamik

Bei den Kollegen hätte man den Fauxpas  vielleicht noch mit der neuen Kleidung erklären können. Seit Neuestem sind die Rad-Grinder der Kiwis mit einem künstlichen Buckel ausgestattet. Der mag noch etwas sperrig wirken beim Hüpfen über das Trampolin. Aber er zeigt, welche Rolle die Aerodynamik bei den neuen Cuppern spielt.

Die Profi Motorradfahrer sind seit Jahren mit Quasimodo-Buckel ausgestattet. © Yamaha

Man kennt die Quasimodo-Buckel aus dem Motorrad-Sport. Sie sollen den Luftabfluss hinter dem Helm verbessern. Das stärkste Argument der Konkurrenz gegen die Rad-Grinder war im Vergleich zu den Armkurbeln die erhöhte Position der Crew im Gegenwind. Durch die Buckel soll der Widerstand weiter verringert werden. Eine Untersuchung bei Radfahrern mit Buckel-Einsatz verspricht bei 32 Km/h immerhin eine Reduktion um fünf Prozent.

Aber die Kiwis sorgen auch für Aufsehen, weil sie bei der Trainingssession oben im Video ohne Vorsegel foilen. Prinzipiell ist die Fock ohnehin eine Bremse bei einer höheren Geschwindigkeit. 2010 segelte schon der 90 Fuß Monster-Trimaran von Oracle nur mit dem Groß-Flügel. Aber das flache Tuch vor dem Profilmast galt bisher als unerlässlich für die Manöver. Ob sich diese Sichtweise nun geändert hat?

Die Konkurrenz ist jedenfalls wieder einmal aufgeschreckt. Die Neuseeländer zeigen sich stark in Bermuda und scheinen gerade einen Lauf zu haben. Denn sie verkündeten heute auch die Partnerschaft mit dem neuen Sponsor Pirelli. Der namhafte Reifenhersteller präsentiert sich in gelber Farbe auf Rudern und Rumpf.

Emirates Team New Zealand

Die Kiwis im Rad-Modus mit Rückenpolster und neuem gelben Sponsor-Logo. © ETNZ

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Das neue Ruder. © ETNZ

Die Franzosen dagegen haben keinen so guten Lauf in Bermuda. Sie erscheinen nicht nur leistungsmäßig klar als schwächstes Team, am ersten Tag der letzten Trainingsphase präsentieren sie auch noch den Namen ihres Sponsors falsch auf dem Flügel. Aber vielleicht ist ja auch das irgendeine Art von Strategie. Es geht schließlich um den America’s Cup. Da kann hinter jeder kleinsten Auffälligkeit etwas Größeres stecken.

N statt U. Die Franzosen zeigen ihren Sponsor Groupama auf ungewöhnliche Weise

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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