America’s Cup: Kiwis vollziehen Wechsel – Barker muss Pinne abgeben

"Ich bin bitter enttäuscht"

Das Team New Zealand hat die Gerüchte um Skipper Dean Barker bestätigt. Burling und Ashby sollen seinen Job übernehmen. Barker kann es nicht glauben.

Dean Barker, ex Steuermann beim TEam New Zealand. © TNZ

Dean Barker, ex Steuermann beim TEam New Zealand. © TNZ

“Ich bin ein Segler. Ich liebe den Wettkampf”, sagt Dean Barker im Interview. “Die Rolle, die mir angeboten wurde, ist die eines Nicht-Seglers. Wenn mir das Anfang vergangenen Jahres gesagt worden wäre, hätte ich nicht mit dem Team verlängert.”

Barker ist richtig sauer. Das Team New Zealand hat in einer  offiziellen Stellungnahme verlautbaren lassen, dass Peter Burling und Glenn Ashby als Sailing Director jeweils für die Kiwis steuern sollen. Barker wird ein Job als Performance Manager und Sailing Coach angeboten verbunden mit einem Sitz im Exekutiv Komitee.

Angebot für Barker

Peter Burling

Peter Burling mit der Sieger-Rolle als Moth Weltmeister. © Kingsley www.2sail.net

“Emirates Team New Zealand erkennt an, dass Dean die besondere Erfahrung hat und wertvolle Dienste leisten kann”, heißt es in der Erklärung. Ihm sei ein offizielles Job Angebot gemacht worden, das er nun prüft.

Aber Barker hört sich im Interview nicht so an, als ziehe er die neue Rolle ernsthaft in Erwägung. Es wäre schon eine ziemliche Niederlage zumal seit einiger Zeit offenbar Funkstille mit dem TNZ Chef Grant Dalton herrscht.

Es habe bereits Angebote von Luna Rossa gegeben, die er trotz deutlich besserer Bezahlung nicht n Betracht gezogen habe, sagt Barker. Es sei ihm nie ums Geld gegangen.

“Dinge aus der Welt schaffen”

Glenn Ashby

Glenn Ashby springt geradezu über die Ziellinie zum achten WM-Titel im A-Cat. © Cathy Vercoe

Dalton sagt: “Wir möchten mit Dean zusammenarbeiten und Dinge aus der Welt schaffen. Wir hoffen, dass er bleibt. Das wollen seine Teamkollegen, das wollen wir. Der Ball ist im Spiel. Die Rolle, die Barker einnehmen soll, ergibt sich aus dem Weggang von Rod Davis, der zu Artemis gewechselt ist.

In dem Statement kündigt das Team New Zealand auch an, dass durch die Entscheidung für Bermuda umgerechnet gut 13 Millionen Euro in der Kasse fehlen. Das wolle man durch eine weitere Beschneidung der Gehälter auffangen sowie die Streichung der Inbetriebnahme eines zweiten AC45 Foiler Kats für die Weltserie. Schon allein dadurch werde ein weiterer Steuermann Job überflüssig.

Aber prinzipiell haben die Neuseeländer offenbar das Budget zusammen, um eine weitere Kampagne zu starten. Ab Monat startet offiziell der Betrieb für 50 Mitarbeiter. Teil dieser Entscheidung soll die Erwartung sein, das Auckland den Zuschlag für die Austragung der ersten Vorausscheidung mit den AC65 erhält.

Kann Burling das schaffen?

Dean Barker,an der AC45 Pinne © Gilles Martin-Raget

Dean Barker,an der AC45 Pinne © Gilles Martin-Raget

Was hat das für Auswirkungen für das Team New Zealand? Der Zusammenhalt innerhalb des Teams, der ein großer Vorteil im Wettbewerb mit den Ellison Milliarden war, scheint aufgebrochen. Die große Frage ist, ob der 24-jährige Peter Burling die Erwartungen erfüllen kann.

Natürlich entwickelt er sich gerade zum vielleicht besten Segler der Welt. Als Weltmeister bei den 49ern, in der Moth und A-Cat WM Dritter ist er zurzeit der beste Schnellsegler. So nebenbei will er 2016 ja auch noch Olympiasieger werden. Aber seine Erfahrungen, ein Team auf einem großen Boot zu führen sind beschränkt. Außerdem fehlt ihm Match Race Erfahrung.

Die große Chance des Teams war es, einen extrem hochwertigen Inhouse Wettkampf aufziehen zu können. Barker und Burling  hätten profitiert und die Entscheidung wäre sportlich gefallen. Barker hätte sein Gesicht gewahrt und sicher voll motiviert für das Team weiter gearbeitet.

Verjüngung überfällig

Andererseits ist eine Verjüngung des Teams sicher überfällig. Das Gros des vergangenen Teams wird 2017 über 40 Jahre alt sein und das dürfte auf den neuen schnellen extrem athletischen AC65 nicht mehr die theoretisch beste Leistung bringen.

Ein Umbruch ist also notwendig, aber die unwürdige Abrechnung mit einem ganz Großen des Sports beschädigt die Marke Team New Zealand. Sie waren 2013 definitiv die Sieger der Herzen. Dazu gehört auch ein angemessener Umgang mit den Leistungsträgern. Sie werden durch Nationalstolz bei der Stange gehalten, nicht durch Geld. Ein Burling könnte sicher woanders deutlich mehr Geld verdienen.

Aber so muss man sich weiter Sorgen machen um die Kiwis. Sie berauben sich der eigenen Stärken, haben offenbar ziemlich wenig Geld und starten auch noch sehr spät. Die Konkurrenz ist schon deutlich weiter. Immerhin scheinen sie es zu schaffen, überhaupt an der Startlinie zu erscheinen.

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Kiwis vollziehen Wechsel – Barker muss Pinne abgeben“

  1. avatar Firstler sagt:

    Barker soll nicht traurig sein. Ich biete an, dass er meinen Kahn mal auf der einen oder anderen Mittwochsregatta fahren kann. 😉

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 11 Daumen runter 11

  2. avatar Jollenfutzi sagt:

    er kann doch auch jetzt schnell einem deutschen Segelclub beitreten, dann ist er in 2016 startberechtigt und kann Bundesliga mitsegeln – 1 Jahr Mitgliedschaft vorher reicht ja und es wäre mal echt was los auf dem Transfermarkt

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

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