America’s Cup: Luna Rossa droht mit Absage – auch Neuseeland vor dem Ende

Zerreißprobe

Das enthusiastisch angekündigte Downsizing beim America’s Cup hat zu einer echten Zerreißprobe unter den Teams geführt. Luna Rossa und das Team New Zealand drohen mit einer Absage.

Team New Zealand, Kenterung

Symbol-Foto? Team New Zealand kurz vor der Kenterung in San Francisco. © ACEA/Balazs Gardi

Es ist wieder so weit. Beim America’s Cup fliegen wieder die Fetzen. Dem von den Organisatoren vorgenommene Vorstoß hin zu einem kleineren, bezahlbaren Sportgerät wird heftigst vom Luna Rossa Team widersprochen.

Ausstieg statt Gericht

In einem offiziellen Statement der Italiener heißt es: “Team Luna Rossa Challenge wendet sich deutlich gegen den Vorschlag, die Klassenregeln für den 35. America’s Cup und damit das Boot zu verändern, dass zuvor von allen Herausforderern am 5. Juni 2014 akzeptiert worden ist.

Luna Rossa glaubt, dass eine Sport-Veranstaltung nicht vor einem Gericht behandelt werden sollte, und strebt deshalb keinen langen Rechtsstreit an, durch den die Veranstaltung nur Schaden nehmen kann. Wenn aber das Prinzip der Einstimmigkeit aller Herausforderer für die Änderung der Klassenregel nicht respektiert wird, sehen wir uns gezwungen, von unserer Teilnahme am 35. America’s Cup zurückzutreten.

Luna Rossa vertraut darauf, dass der Verteidiger schnell eine Klarstellung veröffentlicht auch um die Organisation des Starts zur America’s Cup World Series am 4. Juni in Cagliari/Sardinien nicht zu gefährden.”

Kurz nach dem Statement meldete sich Grant Dalton vom Team New Zealand zu Wort und unterstützte die Position von Luna Rossa:

Er sagt, es habe zwei Vorschläge gegeben. Erstens: Downgrading der Boote von 62 auf 45 Fuß und Abkehr von der Qualifikationsregatta in Auckland. Zweitens: Beibehaltung des bestehenden Programms mit den 62 Fußern.

Auckland Qualifikation lebenswichtig für Kiwis

Dalton, der eigentlich klar für eine Kostenverringerung sein müsste, spricht sich deutlich für den Qualifier in Auckland aus. Schon im Vorfeld war klar geworden, dass diese Veranstaltung in Neuseeland lebenswichtig für das Team New Zealand sein würde. Die Regierung soll ihre Unterstützung daran geknüpft haben.

Kurz nach dem Statement von Dalton hat sich allerdings America’s Cup Commercial Commissioner Harvey Schiller zu Wort gemeldet und die Neuseeländer davon in Kenntnis gesetzt, dass die Qualifikationsregatta nun nicht nach Auckland vergeben werde.

Harvey Schiller

Der Mann, der den America’s Cup kommerziell tragfähig machen soll, legt sich mit den Herausforderern an. Commercial Commissioner Harvey Schiller© ACEA /Gilles Martin-Raget

Ein Schlag ins Gesicht für die Kiwis, die prompt ein Dokument veröffentlichten, das die Annahme ihrer Bewerbung durch Schiller beweisen soll. Der neuseeländische Minister Steven Joyce sagte daraufhin dem New Zealand Herald, ohne eine Präsenz des America’s Cups in Auckland werde es kein Geld geben.

Downsizing kommt zu spät

Zuvor hatte Schiller behauptet, dass die Neuseeländer den Schritt zum Downsizing unterstützen. Dalton betätigt das im Prinzip. Im vergangen Jahr hätte er selbst den Vorschlag gemacht. Inzwischen sei es aber zu spät für den Schritt. Die Teams seien in ihren Design-Prozessen für den AC62 zu weit fortgeschritten. So eine Entscheidung könne nur einstimmig gefällt werden.

Luna Rossa hätte als Challenger of Record eigentlich ganz einfach den Vorschlag von Oracle verhindern können. Aber die Italiener hatten zuvor die neue Struktur beschlossen, dass man die Stimme mit allen Herausforderern teilen wolle. Damit verzichteten sie auf ein Veto Recht.

Vorsprung von Luna Rossa angegriffen

Die strikte Position von Luna Rossa ist verständlich. Wohl noch nie war ein italienisches America’s Cup Team so gut aufgestellt, um den Cup zu gewinnen. Luna Rossa hat die Erfahrung aus dem vergangenen Cup, ist mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet und arbeitet so früh wie kein anderes Team am Projekt Cup-Sieg.

Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist auf der Basis in Cagliari schon ein volles Team von rund 80 Angestellten im Einsatz. Ein Großteil der Ressourcen ist schon in das Design für den 62 Fuß Katamaran geflossen, dessen Ausmaße klar in den Regeln definiert worden sind. Und nun sollen diese Spielregeln nicht mehr gelten?

Da ist es klar, dass sich die Italiener wehren. Der Vorstoß zu einem anderen Sportgerät nimmt ihnen den Vorteil, auf den sie hingearbeitet haben. Ob Oracle genau das bezwecken will?

Man könnte es vermuten. Wenn es den Amerikanern allein um eine Kostenminimierung gegangen wäre, hätten sie den Schritt zum kleineren Boot mit kleinerer Crew viel früher gehen müssen.

Weichen für Cup Sieg schon gestellt

Nun aber befinden sich die Teams schon in der Phase, wo die Weichen für den späteren America’s Cup Sieg gestellt werden. Alle strategischen Entscheidungen haben schon direkte Auswirkungen auf den Erfolg. Da kann man nicht das Spielfeld in letzter Minute verändern.

Der America’s Cup steht einmal wieder vor der Zerreißprobe. Wenn Luna Rossa und das Team New Zealand nicht dabei wären, würde der Veranstaltung ein großer Schaden zugefügt. Das Interesse dürfte dramatisch sinken. Ob Ellison es wirklich so weit kommen lässt.

Auf jeden Fall ist es verzichtbar, dass es wieder einmal zu einem solch großen Zerwürfnis kommt. Bisher schien alles in ruhigen Bahnen zu laufen. Zu ruhig vielleicht? Ist dieser Streit ein großer Marketing Gag, um rechtzeitig vor dem Start im Juni wieder Aufmerksamkeit zu schüren?

Man könnte es fast meinen. Schließlich hätte der America’s Cup einen Ruf zu verlieren, wenn nicht mehr ordentlich gestritten wird. Das letzte Wort ist jedenfalls noch nicht gesprochen.

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Luna Rossa droht mit Absage – auch Neuseeland vor dem Ende“

  1. avatar Hurghamann sagt:

    Interessante Frage diesbezüglich ist ja auch, ob sich die Organisatoren schon abschließend mit den Leuten auf Bermuda unterhalten haben. Da werden dem Veranstaltungsort Zugeständnisse mit erheblichem Finazvolumen abgepresst und dann heißt es plötzlich “ätschbätsch, wir kommen nicht mit dem Formel 1 Grand Prix sondern mit einem Kart rennen”
    Ich würde mir da ja verarscht vorkommen……..

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Zitat: “Schließlich hätte der America’s Cup einen Ruf zu verlieren, wenn nicht mehr ordentlich gestritten wird.”
    Ich glaube, dass an dieser Aussage von Carsten viel Wahres dran ist. Leider!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

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