America’s Cup: Luna Rossa will es wissen – Prada plant 80 Millionen US-Dollar ein

Gut gefüllte Kriegskasse

Kostenkontrolle ist für den aktuellen America’s Cup bisher kein großes Thema. Kein Wunder, Luna Rossa ist auf eine massive Investition vorbereitet und hat einen Star verpflichtet.

Luna Rossa Halse

Luna Rossa 2013 in San Francisco beim letzten AC-Auftritt. © Luna Rossa/Borlenghi

Für den 35. America’s Cup war Larry Ellison sehr kritisiert worden, weil er die Regeln so änderte, dass der Cup auch für weniger gut finanzierte Teams erschwinglich werden sollte. So wurde insbesondere die Größe der neuen Katamaran Foiler von über 60 auf 50 Fuß verkleinert und der Segelflügel so wie die Rümpfe als Onedesign-Elemente vorgeschrieben.

Das kam insbesondere den Franzosen, aber auch den Neuseeländern zugute, deren Kriegskasse anfangs kaum gefüllt war. Besonders stinkig war aber Patrizio Bertelli, der Inhaber des Luna Rossa Teams. Als die Regeländerung kam, hatte er schon massiv investiert, die besten Designer angeworben und die Konstruktion des großen Multihulls vorangetrieben.

Ellisons Ränkespiel?

So vermutete er ein Wettbewerb verzerrendes Ränkespiel, das seinen Start-Vorsprung zunichte machen sollte. Wutentbrannt stieg der 71-jährige Modezar aus und unterstützte stattdessen das Team New Zealand. Seine Finanzspritzen waren vielleicht die wichtigsten Zutaten für den überraschenden Kiwi-Sieg. Sie führten zu einem Budget, dass schließlich jenseits der 100 Millionen-Marke lag.

Luna Rossa

Luna Rossa beim Sardinien-Training mit seinen beiden AC45 bevor Bertelli ausstieg. © Carlo Borlenghi/Luna Rossa

Ob Larry Ellison durch die vermeintlich Budget mindernden Maßnahmen wirklich nur Luna Rossa schaden, oder tatsächlich das Herausforderer-Feld vergrößern wollte, ist längst nicht klar. Stattdessen ermöglichte er vermutlich dadurch überhaupt erst den Sieg der Neuseeländer.

Bei der Gestaltung des 35. America’s Cup spielte die Kostenkontrolle noch eine große Rolle, aber schließlich gab ein Team wie Land Rover BAR immer noch deutlich über 100 Millionen Dollar aus, nur um festzustellen, dass man zu langsam war. Vielleicht ist es der Grund dafür, dass diesmal das Budget offenbar kaum noch interessant zu sein scheint.

Luna Rossa geht es nicht ums Sparen

Schon bei der Wahl des radikalen, futuristischen Designs der neuen Cupper, ging es offensichtlich nicht ums Sparen, und die jüngste Nachricht aus dem Luna-Rossa-Lager deutet auch nicht in diese Richtung.

Offenbar ist die Kriegskasse vorerst mit 80 Millionen US Dollar gefüllt. Das geht aus Zahlen hervor, die Bertellis Mode-Firma Prada gegenüber Börsen-Medien veröffentlichte. Prada ist naturgemäß der Hauptsponsor des Luna Rossa Teams. Zu den Aufwendungen für das Segeln kommen weitere gut 30 Millionen Dollar für das Sponsoring der Veranstaltung. Für einen ordentlichen Start sollte das reichen. Wenn es knapp wird, hat Bertelli immer die Möglichkeit, seine Privat-Schatulle zu strapazieren.

Die Italiener verfolgen dabei die Intention, überwiegend mit einheimischen Seglern an den Start zu gehen. Dabei setzen sie voll auf die 52 SuperSeries und haben gerade das Engagement von Vasco Vascotto bekannt gegeben.

Vasco Vascotto

Vasco Vascotto, 25maliger Segel-Weltmeister, arbeitet nun für Luna Rossa. © Luna Rossa

Der 48-jährige Italiener ist ein Taktik-Spezialist für traditionelle Kielyachten, war 2007 Taktiker bei Mascalzone Latino und hat bisher unglaubliche 25 WM-Titel gewonnen, was vermutlich ein Rekord ist. Aber er ist alles andere, als ein Foiling-Spezialist und wird an der Seite von Francesco Bruni vorerst eher bei den TP52 eine wichtige Rolle spielen.

Vasco Vascotto

Der italienischen Segelprofi Vasco Vascotto (mit Pokal) führte schon das Azzurra-Team zum TP52-Erfolg. © Martinez Studio

Das Team hat sich vorgenommen, den TP52-Zirkus zu nutzen, um aus mehr als 40 jungen italienischen Bewerbern die besten Talente zu filtern. Ziel ist es, möglichst viele Italiener auf dem Cup-Boot einzusetzen. Eine neue TP52 ist im Bau, das Team trainiert aber schon auf der Basis in Cagliari (Sardinien).

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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