America’s Cup: Mit 30 Knoten aufeinander geknallt – wie der Artemis Crash passieren konnte

Frontal Zusammenstoß

Der Artemis Crash in Bermuda lieferte den meisten Gesprächsstoff. Der am heftigsten betroffene Schiedsrichter Peter Shrubb lässt den Schreckmoment Revue passieren.

Artemis Steuermann Nathan Outteridge hätte richtig sauer sein können auf die Schiedsrichter. 45 Sekunden vor dem Start tut sich eine perfekte Position für ihn auf. Er beschleunigt auf etwa zehn Knoten und will am Heck der Japaner vorbei auf deren Leeseite.

“Can we hook him?” – “Können wir bei ihnen einhaken?” fragt der Australier seinen Taktiker Ian Percy und forciert genau dieses Manöver, bei dem er am Heck der Japaner vorbei segelt, und eine enge Lee-Überlappung herzustellen, die den Gegnern später das Beschleunigen beim Start erschwert.

America's Cup Artemis

Das Ergebnis nach dem Crash. Sieht nicht gut aus. © America’s Cup / Ricardo Pinto

Aber dann taucht hinter dem Segel von Dean Barker das orange Schiri-Boot auf, das mit geschätzten 20 Knoten Speed eine Position hinter der Flotte einnehmen will. Es hat wenig Platz zum Manövrieren. Die Zuschauerboote liegen einfach sehr nahe an der Startbox. (Hier erklärt Outteridge noch einmal die Situation)

Das Gummiboot mit drei Schiedsrichtern knallt frontal zwischen die Rümpfe des AC45 Foilers. Zuvorderst sitzt Peter Shrubb Rear Commodore des lokalen Royal Bermuda Yacht Clubs. Er ist Ersatzmann im Umpire Team, weil ein Kollege kurzfristig ausgefallen war.

Ducken vor dem Einschlag

Der erfahrene Schiedsrichter, der bei den Olympischen Spielen 2017 als Chief Umpire der Medal Races eingesetzt werden soll, duckt sich vor dem Einschlag. “Ich wurde zwischen den beiden Booten eingeklemmt”, sagt Shrubb der lokalen Zeitung Royal Gazette. “Gott sei Dank hatte ich den Helm auf. Er verhinderte, dass der Kopf gequetscht wurde.”

Der Umpire, der auch 2007 in Valencia beim America’s Cup tätig war, lobt das professionelle Eingreifen der Artemis Crew. Es habe keine Anschuldigungen gegeben. Sie hätten sofort begriffen, dass er sich in großer Not befand. “Sie haben sehr schnell reagiert und mich aus der Lage befreit. Das wäre sonst noch viel Schlimmeres passiert.”

America's Cup Artemis

Kurze Pause, mal eben schnell reparieren, und dann gewinnen. © America’s Cup / Ricardo Pinto

Zur Frage, warum sich das Boot unter einer Minute vor dem Start auf Kollisionskurs befunden habe, sagt er: “Es gab nur einen schmalen Korridor zwischen den Zuschauer-Booten und der Pin End Anliegelinie zum Start. Als wir in Position fuhren, kam Artemis um die Boote herum geschossen, die wir gerade beobachteten. Es gab dann einfach keinen platz mehr zum Manövrieren. Wir legten noch den Rückwärtsgang ein, aber die Kollision war nicht mehr vermeidbar. Sie erwischten uns in einem unachtsamen Moment.”

Am falschen Platz

Das Schiedsrichter-Boot war einfach am falschen Platz. Aber die abrupten Manöver der extrem schnellen AC45 Kats sind sicher deutlich schwieriger vorher zu sehen, als es bei allen anderen Bootstypen der Fall ist.

Deshalb hatte man beim America’s Cup den Einsatz von Booten auf dem Wasser nach ersten Tests stark beschränkt. Die Entscheidungen wurden schließlich von den Land-Schiedsrichtern getroffen, die am Bildschirm die Live Bilder analysieren.

Auch in Bermuda war das der Fall. Aber offenbar wird immer noch Unterstützung durch die Umpire auf dem Wasser, die in ständigem Funkkontakt stehen, für nötig gehalten. Nach diesem Vorfall, bei dem nur denkbar knapp niemand ernsthaft zu Schaden kam, wird das Sicherheitskonzept aber eine deutliche Anpassung erfahren müssen.

Auch wenn Shrubb sagt: “Es ist ein Teil des Spiels, das wir spielen. Man hat große, schnelle Boote in einem begrenzten Gebiet, und  die Umpire müssen mittendrin sein. Da passiert so etwas nun einmal.”

 

Artemis CrashArtemis Racing collide with Umpire boat ahead of race 2 (has swearing, as you might expect).

Posted by America’s Cup on Sonntag, 18. Oktober 2015

 

Der Crash aus anderer Perspektive:

Artemis CrashArtemis Racing in a pre-start collision with the Umpire boat before Race Two. Damage, but no injuries… slight delay and they’ll try to get racing again.

Posted by America’s Cup on Sonntag, 18. Oktober 2015

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Mit 30 Knoten aufeinander geknallt – wie der Artemis Crash passieren konnte“

  1. avatar stefan sagt:

    “Aber dann taucht hinter dem Segel von Dean Barker das orange Schiri-Boot auf, das mit geschätzten 20 Knoten Speed eine Position hinter der Flotte einnehmen will.”

    …wo soll da ein Schiri-Boot mit “20 Knoten Speed” sein?

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    • avatar thorsten sagt:

      Orange würde ich für sehr freundlich ausgedrückt halten – quietschpink 😉
      Spaß beiseite: 3 Leute auf dem RIB?
      Ich hatte eigentlich gehört (und in Peter Shrubbs Statement gelesen), dass er und Alfredo allein auf dem Boot waren? Ein Dritter ist auch nicht zu sehen in den Videos?

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