America’s Cup Neapel: Kollision zwischen Bruni und Barker

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Beim Match Race zwischen dem Emirates Team New Zealand und Luna Rossas Swordfish kommt es zu einer diskussionswürdigen Kollision. Steuermann Bruni hält knallhart drauf.

“Porco Dio”, flucht Francesco Bruni. “Gottverdammt”. Mit knapp 12 Knoten Speed rammt er den Neuseeländern seine Steuerbord-Spitze in die Seite.  (Ab 0:11:40 im Video Replay) Es kracht. Der italienische Bug ist hässlich zerknautscht, der Kiwi-Schwimmer zerschrammt, aber beide Katamarane segeln weiter.

Luna Rossa und Team New Zealand kollidieren beim Match Race

Luna Rossa und Team New Zealand kollidieren beim Match Race

Bruni hat das Messer zwischen den Zähnen. Erstmalig darf der 40-Jährige Luna Rossa Taktiker einen der italienischen Katamarane steuern, und nun will er vor seinen Landsleuten in Neapel die große Show zeigen.

Mit minimalem Vorsprung ist er zuerst im Drei-Längenkreis an der Luvtonne. Normalerweise ist das nicht wichtig, denn Bruni hat Wind von Backbord und Barker Wind von Steuerbord. Der Neuseeländer hätte Vorfahrt. Aber für den America’s Cup wurden die Regeln geändert umd auf den kurzen Kursen mit Luvtor eine bessere Überholmöglichkeit zu gewähren.

Die Italiener sind zuerst in der Luvtonnen-Zone - Eine Sonderregel beim America's Cup.

Die Italiener sind zuerst in der Luvtonnen-Zone – Eine Sonderregel beim America’s Cup.

Bruni dürfte also zuerst um die Tonne und bekommt das auf seinem Monitor auch angezeigt. Es kracht, und die Schuld liegt bei Barker. Er bekommt von den Schiedsrichtern an Land einen Stopp-Penalty zugesprochen, der ihm per blauem Blinklicht an Bord angezeigt wird. Die Strafe wird mehrfach wiederholt, bis Bruni vorbeigezogen ist.

Denn die Jury hat entschieden, dass die Kiwis durch den Regelverstoß einen Vorteil erlangt haben, und sie wollen ihn egalisieren. Bruni gewinnt das Rennen, die Neuseeländer sind raus aus der Match Race Serie. So weit so gut.

Der Steuerbord Bug ist bei Luna Rossa eingedrückt.

Der Steuerbord Bug ist bei Luna Rossa eingedrückt. © ACEA / Gilles Martin-Raget

Aber der als besonnen geltende Dean Barker äußert sich auf dem Boot und später auch an Land sehr verärgert. „Selbst wenn man Wegerecht hat, geht man normalerweise einer Kollision aus dem Weg, die größeren Schaden verursachen kann. Es sah nicht so aus, als würden sie das tun“, meinte der ehemalige Matchracing-Weltmeister. „Ich finde das offen gesagt ziemlich schwach. Aber die Schiedsrichter haben es so gesehen, wie sie es gesehen haben – und unsere Jungs haben jetzt eine lange Reparatur-Nacht vor sich.“

Tatsächlich gibt es Regel 14, die besagt, dass auch das Wegerecht-Boot alles tun muss, um einen Kontakt zu vermeiden. Bruni hätte dafür nur wenig abfallen müssen, um hinter dem Gegner zu passieren. Stattdessen hält er lange Kurs und wendet schließlich sogar. Häufig wird beim Match Race so ein Vergehen von den Schiedsrichtern geahndet.

Luna Rossa

Die Bugspitze ist gequetscht. Beim folgenden Fleetrace gibt Luna Rossa wegen eines anderen Schadens auf, der mit dem Crash aber zusammenhängen könnte. © ACEA / Gilles Martin-Raget

Der Profi aus Palermo, der schon im Laser, 49er und Starboot Olympia-Auftritte hatte und einer der besten Match Racer der Welt ist (2011 Vize-Weltmeister der Saisonwertung), war über eine Hintertüre zum aktuellen America’s Cup gekommen. Eigentlich hatte Vincenzo Onorato, mit Mascalzone Latino der ursprüngliche Challenger of Record, sein Team um Bruni als große starken Mann aufgebaut. Aber als ihm das Geld ausging, stand auch Bruni im Abseits.

Über die Luna Rossa Hintertüre kam der wohl beste italienische Segler wieder zum Cup. Die späte Meldung ließ eigentlich keine Zeit, um den Monohull-Spezialisten Bruni an das Katamaransegeln heranzuführen. Also versorgte sich das Team bei der Extreme Sailing Series mit britischen Steuerleuten. Chris Draper und Paul Campbell James steuerten jeweils die AC45 Kats. Und Draper ist nun auch als AC72 gesetzt worden.

Bruni macht den Taktiker. Aber Campbell James hat er inzwischen ausgestochen. Beim Showdown vor Neapel will vielleicht seine letzte Chance nutzen, auch gegenüber Draper gut dazustehen. Für ihn ist der Wettkampf jedenfalls extrem wichtig. Und so mag sein Harakiri Manöver gegenüber den Kiwis zu erklären sein.

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „America’s Cup Neapel: Kollision zwischen Bruni und Barker“

  1. Ich will jetzt nicht clever klingen aber:
    “denn Bruni hat Wind von Backbord und Barker Wind von Backbord”

    Hat Barker nicht Wind von Steuerbord oder mache ich da gerade nen Gedankenfehler?

    Lg Lars

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  2. Macht diese schlaue Regeländerung mit dem 3- Längenkreis an der Luvtonne den ansatzweise Sinn, mir erschließt sich der Sinn daraus nicht?

    Wenn jetzt einer auf port an die linke Tonne fährt muss er ja noch wenden und sich dann soundso wieder frei halten oder darf er etwa auch auf die andere Tonne fahren?

    Und auch gerade die Wende um die Tonne ist doch mit den Booten eher unvorteilhaft….

    Eigentlich sind doch unsere aktuellen Regeln ganz okay oder gibt es dadurch wirklich bessere Überholmanöver an der Tonne?

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    • avatar Wilfried sagt:

      ich sehe das so, dass Luna Rossa ja als erste im Dreilängenkreis war. Die nun folgende Wende gilt als Teil der Tonnenrundung und dabei haben sie als Innenboot weiter Vorfahrt. Ich finde diese Regel fürs Matchrace nicht schlecht weil dadurch das führende Boot nicht einfach die Layline kontrollieren kann sondern es eine zweite Möglichkeit zum Angriff gibt.

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  3. avatar JC sagt:

    Ich hab keine Ahnung von den Regeln bei diesem Cup, aber wie wäre es mit zwei Strafen für ETNZ und einer Strafe für LR Swordfish, gleich eine Strafe ETNZ?
    Ich finds gut, dass er draufhält, das gehört doch dazu. Außerdem eine gute ABM Maßnahme für die Shorecrew, die Jungs verfallen doch sonst vollends dem Alkohol.

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  4. avatar Reinhold v. Zimmermann sagt:

    Für Bruni wäre es ein leichtes gewesen, etwas abzufallen und hinter dem Konkurrenten vorbeizuziehen. Wenn dass sein Ego nicht verträgt und er sich für anlufen und Kollision entscheidet, dabei Schaden für Mannschaften und Boote riskiert, hat dies nichts mehr mit Sport zu tun. Solche hochaggressiven Leute gehören nichts ans Steuer eines Bootes, dienen auch nicht als Vorbild für die Jugend. Unbegreiflich, dass solches Verhalten nicht mit Disqualifikation und Schadenersatz geahndet wird. Für die große Mehrheit der Segler, würde die Kollisionsvermeidung an erste Stelle stehen, und das nicht, weil sie den Schaden aus eigener Tasche regulieren müssten, sondern aus Sportmannschaft und Verantwortung für die Crews !

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    • avatar Stefan sagt:

      …solche Aussagen sind immer leicht, vom Schreibtisch aus. Vielleicht sollte man sich erst einmal an die Pinne eines solchen Bootes setzen.

      …er hätte schon sehr früh abfallen müssen um eine Kollision zu verhindern. Wäre er “im letzten Augenblick” abgefallen, hätte er die Neuseeländer mit dem Luv-Rumpf erwischt. Und das zudem mit deutlich mehr Geschwindigkeit.

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      • avatar SR-Fan sagt:

        Das stimmt so nicht – es hätte ja schon gereicht, wenn er nicht noch weiter angeluvt hätte. So gesehen hätte er ebenso wie anluven in der gleichen Zeit auch abfallen können.

        Nebenbei gilt meines Wissens immer noch die Regel eine Berührung zu verhindern – Vorfahrt hin oder her. Er kann dann ja protestieren.

        VG

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        • avatar Manfred sagt:

          ..schon mal mit so einem Boot, so einem Rigg abgefallen?

          Bei reiflicher Überlegung bin ich eher bei Stefan und so hat Bruni durch das “einlenken”/abfallen) Speed verloren und es kam zum geringst möglichen Schaden. Natürlich wäre das alles zu vermeiden gewesen (ETNZ lässt genügend Raum) aber sogenannte “split second” Entscheidungen können eben auch mal schlecht ausgehen. Ist doch für die FB Generation gemacht und nicht für uns Steinadler, die beim MR immer nur eine Tonne an Steuerbord runden gewohnt sind. Habe es gestern nacht alles (Day 2-4)geschaut und fand es sehr unterhaltsam, sehr gut!

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  5. Wilfried:

    Um das Problem zu lösen fährt man beim echten Match Race nicht links, sondern rechts rum. D.h. Man muss entweder um die tonne wenden oder man hat keine vorfahrt … Irgendwie ne schlauere lösung als die Regeln zu ändern – naja ich bin soundso kein Fan von diesen Kat-matchrace….

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    • avatar Wilfried sagt:

      Hast völlig recht. Die Regeln sind ohne Tor ausgewogen aber wenn die Cats auf diesen Mickymaus-Kursen rechts rum müssten gäbe es gar keine Überholmöglichkeit mehr.

      Die AC 45 sind eben ein Spektakel das nur im Fleet-race einen gewissen Reiz hat.

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  6. avatar Kluchschieter sagt:

    Ich habe im Matchrace zwar nur VSK Erfahrung, und bin bei diesem AC nicht wirklich auf dem laufenden, aber wenn die Regeln so sind wie oben beschrieben, dann hatte Bruni ganz klar Wegerecht.

    Aber wäre er unten durchgegangen und hätte er protestiert, dann wäre der Penalty doch mit Sicherheit gegeben worden. Wofür also draufhalten?

    Ich finde das mehr als unverantwortlich, vor allem bei diesen Booten die quasi im Motoradschutzkleidung segelt werden. Wenn er einen Segler direkt getroffen hätte wäre, dann würden hier ganz andere Kommentare stehen. Ungeachtet der wahrscheinlich korrekten Juryentscheidung zur Wegerechtssituation, finde ich hätte das Draufhalten schwer geahndet werden müssen.

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    • avatar TBC sagt:

      Och kommt Leute. Unverantwortlich, hochaggressiv, Schadenersatz…..das ist doch kein Hallenhalma. Hier sind ein paar harte Jungs am Werk, die austeilen und einstecken können. Das hier sah nicht danach aus, als ob gleich Leute zu schaden kommen, das war nur ein kleiner Rempler. Das gibts u.a. bei der Formel 1, bei der Superbike WM und um den Bogen wieder zu finden auch bei jeder grösseren Segelveranstaltung, bei der es um etwas geht.
      Also hinschauen, autsch sagen und weiter gehts. oder so……

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  7. avatar Sven sagt:

    Tut mir leid, aber Schaden vermeiden hat oberste Prio. Auch beim Americas Cup, finde ich. Sonst braucht man sich das nicht mehr anschauen sondern lieber Stock Car Rennen oder sowas.

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    • avatar TBC sagt:

      ….klar, Schäden an Menschen ja, aber doch nicht an diesen Booten. Hier trifft es keine armen Leute und ins Museum stellt sich die Dinger auch keiner. Das sind reine Arbeitsgeräte. Also wozu diese Aufregung? Selbst bei körperlosen Sportarten, wie z.B. Basketball gibt es mal ne gebrochene Nase, also warum nicht auch hier?

      Tipp: Wir beantragen alle gemeinisam einen Mindestabstand von 2,01 m

      Übrigens selbst beim Stockcar gewinnt nur derjenige, der den Gegner am klügsten trifft.

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