America’s Cup San Francisco: Spithill verliert und siegt, Promi-Läufer fällt vom Schiff

Dramatisches Finale

Kurze Zusammenfassung des Finaltages:
45 Minuten Version des “Super Sundays”:

Der letzte Tag der America’s Cup World Series Veranstaltung in San Francisco hat vieles gehalten, was Larry Ellison versprach, seit er seine Vision vom neuen America’s Cup umsetzt. Wind und Sonne im Segelstadion vor der Golden Gate Bridge, jede Menge Segel-Drama und über den Zeitraum der fünf Tage laut Veranstalter 150.000 Besucher vor Ort. Die bezahlten Plätze sollen jeweils ausverkauft gewesen sein.

Das Luna Rossa Team mit Frencesco Bruni (Mitte) in Nöten auf der Ziellinie. © Guilain Grenier/Oracle

Das Luna Rossa Team mit Frencesco Bruni (Mitte) in Nöten auf der Ziellinie. © Guilain Grenier/Oracle

Dass seine beiden Oracle Teams im Match Race Finale aufeinandertreffen war zwar suboptimal für die internationale Außenwirkung, aber das Rennen selber hatte äußerst unterhaltende Momente, die über die Beobachtung des permanent Backen aufblasenden Russell Coutts noch hinaus gingen.

Der 50-Jährige Oracle Racing CEO zwang seinen 17 Jahre jüngeren Mitarbeiter James Spithill auf dem zweiten Oracle Boot zu einem kostspieligen Fehler beim Start, der ihn die Anliegelinie verpassen ließ. Spithill segelte aber vor dem Wind eine bessere Tiefe, konnte Coutts in der Halse angreifen und zog vorbei. Doch am Leetor wählte er die falsche Tonne, Coutts überholte auf der linken Kreuzseite und blieb bis zum letzten Anlieger ins Ziel knapp vorne.

Meister Coutts düpiert Schüler Spithill beim Vorstart:

Spithill startete einen letzten ungestümen Angriff, raste ohne Not aus der Spielfeldbegrenzung, erhielt einen Penalty und schien chancenlos. Aber der Australier ignorierte die Strafe, zog bei der Tonnenrundung an Coutts vorbei und drückte erst dann auf die Bremse, und jagte schließlich eine Sekunde hinter seinem Chef über die Linie.

Waren die Schiedsrichter wirklich zufrieden mit diesem kurzen Stopp von Spithill? Nach wie vor bleibt das Penalty-System eine Schwäche des neuen Formats. Es ist für den Zuschauer schwer nachvollziehbar. Auch beim Fleetrace. Da starten Boote zu früh, oder foulen Gegner, müssen aber nur kurz stoppen und sind schließlich trotzdem vorne.

Eine Strafe entscheidet schließlich auch über den Ausgang des letzten mehrfach zählenden Fleetraces, das die gesamte Serie entscheidet. Es ist ein begeisterndes, dramatisches Finish. Spithill muss unbedingt noch Korea mit 49er Olympiasieger Nathan Outteridge überholen, um in der Gesamtwertung vorne zu bleiben. Sonst würde der in diesem Lauf scheinbar unantastbare Chris Draper mit Luna Rossa die Trophäe gewinnen.

Das Blaulicht leuchtet

Outteridge verschätzt sich bei der Anliegelinie zur letzten Tonne, muss noch zweimal halsen, verliert dadurch dramatisch zu Spithill, der geht bei der Tonnen-Rundung mit einer minimalen Lee-Überlappung auf den letzten Schenkel, hat dadurch Luvrecht, Otteridge weicht nicht genügend aus und wird von den Schiedsrichtern, die irgendwo an Land vor ihren Bildschirmen sitzen, bestraft.

Das Blaulicht leuchtet, Korea muss stoppen, Oracle zieht vorbei, und holt fast noch das Luna Rossa Boot ein. Denn Draper wird eine Länge vor der Ziellinie von einer Böe erwischt, die Segel gehen nicht rechtzeitig auf, er kentert fast und treibt mit flatternder Fock nur knapp vor Spithill über die Ziellinie.

Ein dramatisches Finish vor begeisterten Zuschauern, das auch am Bildschirm stark rüberkommt. Zwischendurch fällt noch der 400 Meter Sprint Weltrekordler Michael Johnson bei einer Wende von Bord des Coutts-Kats – herrlich.

Michael Johnson fällt vom Schiff:

Sportlich erschreckend war eigentlich nur die Leistung der arrivierten Player vom Team New Zealand und Artemis. Dean Barker ging nach gutem Start als Dritter um die Luvtonne und ließ sich bis auf Rang neun zurückreichen. Terry Hutchinson führte das Feld zwei Runden lang an und fiel noch auf Platz acht zurück.

Beide Teams sind die ersten, die ihre neuen AC72 schon zu Wasser gelassen haben und gaben an, sich im Moment mehr darauf zu konzentrieren. Dennoch dürften sie von der Tracht Prügel, die sie auf Rang sechs (Artemis) und sieben (Neuseeland) hat abrutschen lassen, genervt sein. Vom 2. bis 7. Oktober haben sie die Chance zur Revanche in San Francisco.

Dann dürfte sich auch Ben Ainslie mit intensiverem Training besser präsentieren. Mehr als der vorletzte Rang vor dem chancenlosen China-Steuermann Phil Robertson war noch nicht drin. Schon fühlen sich die Piloten mit Speedklassen-Erfahrung obenauf.

Ex 49er Weltmeister Chris Draper sagt: “Wir haben in den vergangenen Tagen gesehen, dass die Segler, die ihr ganzes Leben High-Speed-Boote gesegelt sind, sehr gut waren.“ Damit meint er Outteridge, sich selbst, ex Tornado Champ Yann Guichard und Spithill. Es bleibt abzuwarten, ob das wirklich so bleibt.

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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11 Kommentare zu „America’s Cup San Francisco: Spithill verliert und siegt, Promi-Läufer fällt vom Schiff“

  1. avatar Uwe sagt:

    Carsten schreibt, dass die Schiedsrichtern irgendwo an Land vor ihren Bildschirmen sitzen.
    Das veranlasst mich zu der Frage, welcher Tätigkeit die achtern sitzenden, untätigen “faulen Socken”
    nachgehen.

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    • avatar Alex sagt:

      Die Haupttätigkeit der „faulen Socken“ dürfte Eigentlich hauptsächlich im Spaßhaben liegen.
      Sie sind Gäste der Veranstaltung, wie gerade Michael Johnson und dürfen nichts machen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar Uwe sagt:

        Danke Alex, Du scheinst AC-Experte zu sein.

        Kannst Du mir auch die Frage beantworten, was hinter der roten Spur bei Luna Rossa steckt:

        1. reibungsmindernde Substanzen

        2. dient zum Erkennen der gefahrenen kurse

        3. soll schön aussehen

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        • avatar Alex sagt:

          Zum experten fehlt da noch fast Alles. Werd ich in diesem Leben sicher auch nicht mehr schaffen weil ich eigentlich auch nur auf spektakuläre Bilder hoffe.
          Ich hab Deine Frage wer dahinten so nutzlos rumhampelt einfach schon etwas früher gestellt und daher die Antwort parat.

          Die Reibungsmindernden Substanzen sind anscheinend schon einmal eingesetzt worden. Das waren dann aber andere Bootsklassen, die angeblich Spüli vor den Bug spritzten.

          Aber sicher weiß das jemand hier.

          Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

          • avatar Alex sagt:

            Ich vermute es ist die im PC nachgefärbte, gefahrene Linie des führenden Boot.

            Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar wooling sagt:

    Die letzte Strafe von Outeridge mit seinem Korea Team konnte ich nicht erkennen. Hat jemand von euch eine berechtigte Strafe gesehen?

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    • avatar Minifahrer sagt:

      Sofern ich das richtig deute – lasse mich da gerne belehren – ist Korea von einem deutlich tieferen Kurs ‘reingesackt’ und hat sich so direkt vor den ‘höher’ laufenden Gegner gesetzt. Meiner Meinung nach ist das so nicht ok.

      Ansonsten fand ich das Ganze gar nicht so übel (überrraschenderweise). Eigentlich war ich auch doch ein Fan der ollen Singlehulls, aber so, mit den ja nun nicht ganz so Kat-erfahrenen Steuerleuten respektive Crews – das hat schon was. Man denkt doch bei jedem Abfallen: Stecker? Stecker? Jaaa…? Nein….???

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

  3. avatar Ballbreaker sagt:

    Zitat: “Nach wie vor bleibt das Penalty-System eine Schwäche des neuen Formats.”

    Leider nicht die einzige Schwäche:
    – Halbwindstart (*gähn*)
    – mit 2 Optionen: Innenposition 1. Tonne oder mit Überhöhe drüberschrubben
    – Erwachsene, geschätzte 120kg schwere Männer in eng anliegendem Neo hüpfen dicken Elfen gleich, bei gefühlt endlosen Manövern über ein Trampolin von Lee nach Luv (der stylische Red Bull-Kiteboard-Helm oder die Coutts’sche Dauerpressatmung machen es nicht unbedingt sportlicher anzusehen)
    – völlig undurchsichtige Abfolge von Fleet- und Matchraces in welchem Modus auch immer
    – etc. etc.

    positiv:
    – sehr gute, wie es ja neudeutsch heisst, Mediacoverage der Rennen
    – Top-Segler am Start
    – schöne Reviere

    Fazit für mich:
    ein neues Format, ja, aber leider nix wirklich umwerfendes oder zukunftsweisendes. Sieht alles zu gewollt und verkrampft vermarktet aus. Schade, da war deutlich mehr drin!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 7

  4. avatar unwissender sagt:

    kann bitte jemand einen link posten, wo die die regeln, am liebsten auf deutsch erläutert und die boote beschrieben werden, z,b, die lustig blinkenden lichter an den vorderbeams
    DANKE!

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  5. avatar AC90 sagt:

    Das mit Larrys Versprechen ist so ne Sache, da er sie doch wohl eher auf den AC und den davorgeschalteten LVC bezogen hat. Die aktuell mehr oder weniger gute Kritik der ACWS liegt glaub ich mehr an den Fleetraces und dem künstlich aufgeblasenen Teilnehmerfeld ( 11 Boote bei 8 Teams ). Wie enttäuscht die Zuschauer nächstes Jahr wohl seien werden, wenn beim LVC nur noch 3 oder 4 Schlitten an der Startlinie stehen, die dann auch noch im eher unbeliebten Matchrace-Modus gegeneinander antreten. Wirklich interessant ist doch ob Larry seine Versprechen nächstes Jahr auch noch umsetzen kann.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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