America’s Cup: Spithills Wechsel zu Luna Rossa – Chinesen basteln an Herausforderung

Ärger verraucht

Oracle-Steuermann Jimmy Spithill ist zum italienischen America’s Cup-Herausforderer Luna Rossa gewechselt. Und die Asiaten sind wieder auf dem Sprung.

James Spithill

James Spithill scheint wieder im Spiel. © Guilain Grenier / ORACLE TEAM USA

Die Neuseeländer haben bisher nur grob skizziert, wie der nächste America’s Cup 2021 aussehen soll. Es ist noch nicht einmal klar, ob er tatsächlich in Auckland stattfindet. Die Verhandlungen mit der lokalen Politik über die geeignete Location halten an, und der Umzug nach Italien wird als Drohung immer mal wieder ins Spiel geworfen.

Potenzielle Herausforderer halten ihre Meldungen noch zurück, weil erst in gut zwei Wochen genauere Eckdaten zum nächsten Sportgerät bekannt gegeben werden sollen. Dennoch hat im Hintergrund schon das übliche Stühlerücken der besten Segler und Ingenieure begonnen.

Spithill gesichtet

Und auf diesem höchsten Niveau um Segelsport fällt es nicht leicht, mal eben irgendwelche Talente aus dem Hut zu zaubern, die plötzlich einschlagen. Deshalb haben Ausnahmesegler wie James Spithill einen hohen Marktwert, auch wenn er am Orcale-Steuer den vergangenen America’ s Cup verloren hat.

James Spithill

James Spithill im neuen Luna Rossa Outfit. © Luna Rossa

So ist es kein Wunder, dass sich der Challenger of Record Luna Rossa offenbar um Spithill bemüht. Italienische Medien berichten, der Australier sei auf der sardischen Cup Basis der Italiener in Cagliari gesichtet worden und er habe schon so gut wie sicher einen Vertrag unterschrieben.

(Update) Nun ist der Wechsel auch offiziell bestätigt.

Spithills Verbindungen zu Luna Rossa sind eng, seit er 2007 in Valencia den italienischen Cupper bis ins Finale des Louis Vuitton Cups gesteuert hat. Danach wechselte er zu Oracle und war als Steuermann eine der wichtigsten Schlüsselfiguren des US-Teams. 2010 und 2013 gewann er den America’s Cup für das US-Team.

Bertelli wutentbrannt

Allerdings zog er sich in Diensten der Amerikaner auch großen Zorn von Luna-Rossa-Eigner Patrizio Bertelli zu, als Oracle die Vorgaben für den 35. America’s Cup änderte und die Bootsgröße von 62 auf 50 Fuß änderte nachdem die Italiener mit ihrem Design-Prozess schon weit fortgeschritten waren. Bertelli nahm daraufhin wutentbrannt seine Meldung zurück.

Luna Rossa Halse

Luna Rossa 2013 in San Francisco beim letzten AC-Auftritt. © Luna Rossa/Borlenghi

Diesen Ärger scheint er nicht auf James Spithill zu projizieren – oder er ist verraucht. Die Italiener wollen zwar eine Herausforderung starten, die überwiegend mit einheimischen Seglern auskommt, aber echte neue Überflieger aus den Olympischen Speed-Klassen wie Burling/Tuke können sie zurzeit nicht aufbieten. Da macht es Sinn, auf die nun schon 18-jährige Erfahrung des 38 Jahre alten Spithill zu setzen.

Nebenbei deutet diese prominente Personalie an, dass Larry Ellison offenbar nicht sehr motiviert ist, nach seiner Niederlage in Bermuda einen neuen Anlauf zum Gewinn des Cups zu wagen. Der Milliardär hatte sich zuletzt mit seinen Plänen sehr bedeckt gehalten und eine mögliche Rückkehr nicht ausgeschlossen.

Chinesische Versuche

Daneben ist auch interessant, dass sich die Anzeichen für ein chinesisches Engagement beim 36. America’s Cup verdichten. Am Rande des Volvo Ocean Race Etappenstopps in Auckland bestätigte das chinesische Dongfeng-Crewmitglied Liu Xue ernsthafte Bestrebungen aus seiner Heimat.

Zuletzt waren die seglerischen Auftritte im Rahmen des Cups eher peinlich. Nicht, weil es seglerisch nicht klappte – das tat es auch – sondern organisatorisch. In Valencia wurde dem Team der Geldhahn zugedreht und für 2013 verpufften die Versuche, eine Crew aufzubauen auf halber Strecke. Verschiedene Teams traten bei der America’s Cup World Series unter der roten Flagge an, Chinesen waren selten dabei.

Der Dongfeng-Auftritt beim America’s Cup ist da schon ein anderes Kaliber und scheint mehr Substanz zu haben. Die Kooperation mit den Franzosen ist langfristiger angelegt und nun auch sportlich erfolgreich. Dabei mausern sich die eingebundenen chinesischen Segler als echte Leistungsträger.

China bei der World Series 2012. © Gilles Martin-Raget

Vielleicht klappt es diesmal wirklich mit einem ernst gemeinten Angriff auf die Kanne. Im Hintergund arbeitet schon Bruno Dubois, für 2017 der Team Manager vom französischen Cup-Team, an einer Herausforderung, da die Franzosen diesmal wohl eher wieder nicht dabei sein werden. Er versucht, chinesische Sponsoren zu überzeugen und glaubt, dass es eigentlich einfacher sein sollte als beim Volvo Ocean Race, da mehr Prestige zu gewinnen ist. Es heißt, dass der ehemalige Team-New-Zealand-Grinder Craig Monk schon seit einiger Zeit in China engagiert ist, um die Asiaten an die Startlinie zu bekommen. 

Mehr als Gerüchte wird es aber erst nach der Vorstellung der Regeln zum nächsten Sportgerät Ende des Monats geben. Erst dann können potenzielle Herausforderer genauer beurteilen, wie teuer ein Engagement wird, mit dem man die Kiwis besiegen könnte.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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