America’s Cup: Team New Zealand segelt wieder – Chancen mit der Hilfe von Luna Rossa

Kiwis nehmen Fahrt auf

Das Team New Zealand hat als letztes Teams sein offizielles Training für den America’s Cup 2017 aufgenommen. Mit seinem alten Luna Rossa Boot hängt es weit hinter der Konkurrenz zurück. 

Emirates Team New Zealand bei seinem ersten Trainingsschlag vor Auckland. © Hamish Hooper

Emirates Team New Zealand bei seinem ersten Trainingsschlag vor Auckland. © Hamish Hooper

Man musste sich schon ernste Sorgen machen um das Fortbestehen des Emirates Team New Zealand, das 2013 Oracle so unglaublich nahe an den Rand einer nie für möglich gehaltenen Niederlage gebracht hatte.

Die folgende dann-eben-beim-nächsten-Mal-Attitüde währte nur kurz und endete schließlich in einer unsäglichen internen Schlammschlacht, an deren Ende CEO Grant Dalton wenig feinfühlig den verdienten Skipper und Steuermann Dan Barker an die Luft setzte.

Barker baut seitdem die neue japanische Herausforderung auf, während sein altes Team auch noch viel Energie beim Ärger mit Oracle aufwendete im Ringen um den versprochenen Cup-Vorrunden-Austragungsort in Auckland. An dieses Versprechen knüpfte die neuseeländische Regierung ihre weitere Millionen-Unterstützung für das Team.

Führung in der America’s Cup World Series

Bei allem Ärger und dem drohenden Finanz-Loch war es umso erstaunlicher, dass das Segelteam von allem unbelastet in der America’s Cup World Series, große Erfolge ersegelte. Nach zwei zweiten Plätzen und einem Sieg liegen die Kiwis in der Gesamtwertung überlegen vorne.

Tam New Zealand

Der erste vom Emirates Team New Zealand entwickelte 45 Fuß Katamaran wird zu Wasser gelassen. © TNZ

Diese Dominanz ist sehr aussagekräftig in Bezug auf die enorme Qualität des Segelteams, das von den Seglern des Jahres Peter Burling und Blair Tuke sowie dem neunmaligen A-Cat-Weltmeister Glenn Ashby geführt wird. Aber die Rennen finden auf den AC45 One Design Katamaranen statt, und es sind nur jeweils zwei Tage Training vor den Events erlaubt.

Das eigentliche Rennen um den Cup Sieg 2017 hat dagegen schon längst an der Design-Front begonnen. Auch wenn beim nächsten Cupper viele One Design Elemente beim Segelflügel und Rumpf verpflichtend sind, gibt es besonders viel bei den Foils und den Kontrollsystemen zu entwickeln.

Großer Rückstand zur Konkurrenz

Beim vergangenen Cup war das Team New Zealand noch ganz früh dran und schöpfte daraus seine Vorteile. Es erkannte eine Lücke bei den Regel-Auslegungen, erfand das Foiling für die großen AC72 Kats und konnte durch den Zeitvorsprung fast den Cup gewinnen.

Diesmal sieht es ganz anders aus. Die Kiwis haben jetzt als letztes Team das Training an ihrer Basis in Auckland begonnen. Selbst die Franzosen sind schon weiter mit ihrem Aufbauprogramm und einer Basis in Quiberon, auch wenn sie noch nicht auf AC45 segeln.

Oracle, Artemis und Japan haben schon Quartier in Bermuda bezogen. Ainslies BAR Team segelt seit langer Zeit in England und fliegt hin und wieder auch zum Cup Revier. Oracle hat schon sein drittes neues 45 Fuß Boot gebaut, mit dem Erkenntnisse für den erst 2017 zu bauenden AC48 Cupper gesammelt werden. Insgesamt fünf Katamarane will der Cup Verteidiger auf Kiel legen.

Artemis segelt jetzt sein zweites Boot, Japan hat durch eine Kooperation mit Oracle Zugriff auf einen der US-Katamarane, und auch die Briten sind schon mit einem zweiten Boot ausgerüstet.

Da hinkt das Team New Zealand gewaltig hinterher. Es musste jetzt auch aus der langjährigen Basis in Auckland ausziehen, weil dort ein Hotel geplant ist, und ist in die ehemalige Luna Rossa Basis umgezogen. Aber immerhin tut sich überhaupt etwas bei den tot geglaubten Kiwis. Was wäre der Cup ohne sie?

Hilfe von Luna Rossa

So besteht die Hoffnung, dass sie vielleicht durch die Kooperation mit dem geschassten Luna Rossa Team wertvolle Erfahrungen aus deren schon früh gestartetem Design Progamm übernehmen können. Inzwischen arbeitet der Luna Rossa Skipper Max Sirena für die Neuseeländer. Mit seiner Hilfe und einigen aus dem italienischen Design Team übergelaufenen Mitarbeitern könnte der Rückstand vielleicht verringert werden.

Die Kiwis haben das alte AC45 Trainingsboot von Luna Rossa übernommen und es mit einem Steuerrad ausgerüstet. © Hamish Hooper

Die Kiwis haben das alte AC45 Trainingsboot von Luna Rossa übernommen und es mit einem Steuerrad ausgerüstet. © Hamish Hooper

Das Team beteuert zwar, dass die Konstrukteure seit 2013 nicht aufgehört hätten zu arbeiten und der erste Katamaran aus dem eigenen Haus im Bau ist. Aber die unsichere Lage hatte auch zu einigen namhaften Abgängen beim Design Team geführt.

Max Sirena sagt, die Hilfe komme durch die fast 20 Jahre andauernde Freundschaft zwischen dem Luna Rossa Team und den Kiwis zustande. “Es war klar, dass wir diesen Jungs helfen müssen.” Es ist aber auch klar, dass die Italiener mit dieser Hilfe ihren Ärger über die späten Regeländerungen Luft machen wollen, die zu ihrem Ausstieg geführt haben.

Nun segelte also das Cup Team erstmals seit März 2013 wieder auf heimatlichen Gewässern und gibt damit ein wichtiges Lebenszeichen ab. Es ist wichtig, um auch die neuseeländische Bevölkerung hinter sich versammeln zu können.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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