America’s Cup Update: Wo die Teams vor dem Auftakt stehen – große Belastung der Grinder

Wichtigste Phase der Entwicklung

Oracle Taktiker und Steuermann Tom Slingsby berichtet von den unterschiedlichen Bedingungen auf dem Rennkurs und die ungeheure physische Belastung, die bei den neuen Foilern auftritt.

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Am Wochenende starten die Teams im Oman zur ersten World Series 2016. © ACWS

“Nach eineinhalb Stunden sind die Jungs fertig”, sagt Tom Slingsby nach den intensiven Trainingseinheiten, die das Oracle Team zurzeit auf dem Cup Revier in Bermuda absolviert. Die Belastung der Grinder, die permanent Druck für die Hydraulik aufbringen müssen um die Schwerter und Foils zu bedienen, ist unglaublich hoch. Das sei zwischenzeitlich nur mit Batterien möglich, die im Rennen aber nicht erlaubt sind.

“Die Jungs grinden nonstop und trotzdem ist es schwierig, eine Renndistanz zu überstehen.” Ständig werde an der Optimierung der Systeme gearbeitet, um Energie zu sparen. Aber die Crew muss dennoch ständig rotieren. Darüberhinaus betont Slingsby, wie drehend der Wind in Bermuda ist. “Es werden die besten Segler gewinnen”, ist er überzeugt. Und das mache ihm viel Spaß.

Der Cup Verteidiger steht inzwischen kurz vor dem Einsatz seines dritten Test-Bootes. Das erste hat er im Rahmen eines Kooperations-Deals an die spät eingestiegenen Japaner übergeben, die auch das finale 50 Fuß-Design der Amis benutzen dürfen.

Aber der Deal zeigt, dass in diesem America’s Cup Zyklus nicht das Boot den Unterschied ausmachen wird. Auf die Unterwasser-Flügel kommt es an. Japans Chef Designer Nick Holroyd, der vom Team New Zealand gekommen ist, betont, dass die Entwicklung in diesem Bereich die höchste Priorität habe.

Bei dem finalen 50 Fußer sind nur zwei Schwert-Sets erlaubt. Die Entwicklung vorher muss also genau passen. Auch die Zeit wird langsam kritisch: Der Bau eines Schwert-Sets dauert rund drei Monate.

Artemis hat die Entwicklung eines zweiten AC45 Katamarans abgeschlossen und in Bermuda schon den ersten Zweiboot-Test absolviert.  Das Schwedische Team scheint das einzige zu sein, das derzeit bei der Vorbereitung einigermaßen mit Oracle Schritt halten kann.

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Artemis hat mit den Two-Boat-Tests angefangen. © Artemis

Die Briten sind mit ihrem Landrover BAR Team dagegen durch eine Kenterung im Dezember vor Portsmouth zurückgeworfen worden. Inzwischen segeln und testen sie aber längst wieder den T2 Entwicklungskatamaran im kalten England. Beim SR-Interview in Düsseldorf ließ Ben Ainslie durchblicken, dass dies kein optimaler Zustand sei. Aber zwischendurch war die Segelcrew auch wieder in Bermuda, um ihre Doppeltrapez-Katamarane zu bewegen.

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Schaden nach der Kenterung bei BAR. © BAR

Bei dieser Auflage des Cups kann es sein, dass die Entwicklung, die sich besonders auf die Form der Flügel und die Funktionalität der Bediensysteme bezieht, ein noch größeres Gewicht auf das Computer Design legt. Möglicherweise setzen die Briten voll auf die Karte Adrian Newey, den Formel 1 Star Designer, der Sebastian Vettel zum Titel verholfen hat.

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Ainslies Turbo AC45 vor Portsmouth. © BAR

Gute Nachrichten gibt es für das Emirates Team New Zealand. Grant Dalton vermeldet kleinere Erfolge an der Finanzierungsfront und Peter Burling und Blair Tuke haben im 49er ihren 23. Sieg und vierten WM-Titel in Folge gewonnen.

Was diese Leistung für den America’s Cup bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Ohne Frage gehören die Skiff-Segler zu den besten der Welt. Und die variablen Bedingungen auf dem Revier in Bermuda könnte die seglerische Leistung wichtiger machen als zuvor. Aber auch der 35. America’s Cup wird wieder an der Design-Front entschieden. Und da hängen die Kiwis der Entwicklung hinterher.

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Emirates Team New Zealand mit seinem modifizierten Luna Rossa Boot und einer Energie-Speicherung im weißen Kasten unter dem Bugspriet. © ETNZ

Sie segeln immer noch mit dem von Luna Rossa gekauften AC45, der noch ohne Grinder ausgerüstet ist. Die Tests werden offenbar mit elektrisch betriebener Hydraulik ausgeführt.  Ein zweites modifiziertes Test-Boot soll im März fertig sein. Positiv für die Neuseeländer könnte sich die Nähe zum abgemeldeten Luna Rossa-Team auswirken, dessen Skipper Max Sirena bei den Kiwis mitarbeitet.

Die Italiener waren sehr früh dran beim Design-Prozess und könnten schon einige wichtige Erkenntnisse gesammelt haben, die ihren Freunden helfen werden, einige Abkürzungen zu nehmen. Denn die Entscheidungen, die zum aktuellen Zeitpunkt bezüglich der Konstruktion und Technik zu treffen sind, werden vermutlich den America’s Cup entscheiden.

Ob das SoftBank Team Japan da mithalten kann wird wohl davon abhängen, wie effektiv der Deal mit Oracle wirklich ist. Der Cup Verteidiger hat Dean Barker zwar das erste Testboot zur Verfügung gestellt und wird auch die finale Plattform-Konstruktion für den 50 Fußer überlassen, aber die eigentliche Schlacht wird auf dem Feld der Foil-Konstruktion geschlagen. Da ist es schwer zu sagen, ob es dem spät gemeldeten Team noch gelungen ist, hochkarätige Designer zu verpflichten.

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Schaden auf dem japanischen Testschiff © Team Japan

Finanziell sollte das Team von Masayoshi Son, dem zweitreichsten Mann Japans mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar, in der Lage sein, die entsprechenden Koryphäen zu engagieren.

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Die Japaner trainieren auf dem gekauften Oracle Boot. © Team Japan

Anders ist die Lage beim Groupama Team France, das zwar im eigenen Land sicher das notwendige technische Know How versammelt hat, aber finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen kann.

Der doppelte Beinbruch von Skipper Franck Cammas muss dabei die Entwicklung nicht unbedingt bremsen. Denn mit dem Neuseeländer Adam Minoprio steht ein Ersatzmann am Steuer bereit, der nicht unbedingt schlechter ist. So kann Cammas seine Doppelbelastung als Steuermann und Teamchef etwas verringern.

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Der französische AC45 hat immerhin schon einen neuen Anstrich erhalten. © Team France

Immerhin segeln die Franzosen inzwischen auch schon auf einem AC45. Aber dieser ist noch kein Produkt der eigenen Entwicklungsabteilung und auch nicht auf Radsteuerung umgebaut. Sie üben also mit dem ältesten Design aller Teams. Das könnte ihnen für die World Series allerdings zu Gute kommen, da dort genau diese Boote gesegelt werden.

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Man wird deshalb aus den Ergebnissen im Oman am Wochenende nur bedingt Erkenntnisse über den tatsächlichen Leistungsstand der Segel-Teams ziehen können. Denn die starken Teams Allerdings haben ihren Fokus längst nicht mehr auf die alten Foiler ohne Grinder und Steuerrad gelegt. Der Unterschied zu den späteren 50 Fuß-Cuppern ist einfach schon zu groß geworden.

Denn die aktuellen Turbo AC45 kommen sogar schon auf dem Amwindkurs in den Foil Modus. Und genau das wie auch das Halsen auf Tragflächen trainieren die Segelteams zurzeit intensiv. Es geht überwiegend darum, die Manöver zu minimieren. Das Segeln auf den AC45 ist für sie ein Rückschritt.

Allerdings ist es schwer, das Ergebnis bei der AC World Series völlig zu ignorieren. Denn erstmals hat sie direkte Auswirkungen auf die America’s Cup Regatta. Der Sieger nimmt zwei Punkte mit in die Qualifiers und der Zweite einen Punkt. Das kann von hohem Wert sein, da in der Double Round Robin-Serie jeder Sieg schließlich mit einem Punkt bewertet wird.

Die AC World Series-Rennen werden am kommenden Wochenende teilweise live im Fernsehen übertragen. Der österreichische Sender Servus TV sendet am Samstag und Sonntag morgens: Die Races starten jeweils um 14.00 Uhr Ortszeit Oman, also 11.00 Uhr deutscher Zeit. Servus TV überträgt Samstag und Sonntag von 11.00 bis 12.30 Uhr.

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Der Weg zum 35. America’s Cup. © Cup Experience

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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