America’s Cup: Wettfahrtleiter Iain Murray verteidigt sich gegen Anschuldigungen

"Sehr frustriert"

Regatta Director Iain Murray hat bei einer Pressekonferenz in San Francisco scharf auf die Anschuldigungen und Proteste von Luna Rossa und Team New Zealand reagiert.

Ameirca's Cup Wettfahrtleiter Iain Murray

Ameirca’s Cup Wettfahrtleiter Iain Murray © ACEA / PHOTO GILLES MARTIN-RAGET

Der neuseeländische Teamboss Grant Dalton habe ihm vor sechs Wochen bei der Vorstellung der 37 Sicherheitsempfehlungen die Hand geschüttelt und gesagt: “Guter Job.” Es werde von ihm keinen Widerstand geben.

Aber nun sei dennoch von den Kiwis  am 28 Juni ein Protest eingegangen, dem gestern Luna Rossa folgte. Murray sagte, dass entgegen anderer Aussagen die Boote der Italiener und Neuseeländer den neuen Abmessungen entsprächen. “Es geht hier um zwei Teams, die versuchen, Vorteile aus meinen Sicherheit-Regelzusätzen zu ziehen.”

Dabei machte er auch klar, dass es nicht um permanent verstellbare Ruder-Flügel gehe. Vielmehr sei es jetzt erlaubt, den Winkel bis zu fünf Minuten vor dem Start einzustellen und nicht wie bisher um acht Uhr morgens am Renntag. So könne besser auf die aktuellen Windbedingungen reagiert werden. Diese Regeländerung entspräche exakt einem Vorschlag, der ihm von Dean Barker Ende Dezember per Mail  gemacht worden sei.

Außerdem hätten alle Teams bei einem Treffen mit seiner Sicherheit-Kommission im Mai bestätigt, dass tiefer reichende Ruder und breitere Flügel mehr Kontrolle erlauben. Luna Rossa habe bei einem Speed von 36 Knoten einen Spin out erlebt, der das ganze Schiff plötzlich in den Wind drehte.

“Deshalb bin ich sehr frustiert”, sagt Murray. Er verstehe seine Rolle als Wettfahrtleiter im Sinne aller Teilnehmer. “Ich versuche, die Teams vor sich selbst zu schützen.” Die Proteste, die seine Befugnisse in Frage stellen, seien sehr enttäuschend.

Murray (55) galt bisher als gute Wahl eines objektiven Regattaleiters, weil ihm zugetraut worden war, die Gratwanderung zwischen den Interessen von Verteidiger und Herausforderer bewältigen zu können. Als Co-Designer und Skipper des australischen Cup-Verteidiger-Syndikats Kookaburra hatte er 1987 große Reputation in der Szene erlangt.

2008 sorgte der Australier für Aufsehen, als er sich im Alter von 50 Jahren für die Olympischen Spiele im Starboot qualifizierte. Aus dieser Zeit verband ihn auch eine Freundschaft des verstorbenen Andrew Simpson, der 2008 Gold im Star gewann.

Nun gerät er aber doch in die Kritik, weil er gar nicht erst auf die mögliche Veränderung der Leistungsfähigkeit der Teams durch die Regeländerung eingeht.

Am Montag wird der Protest der Neuseeländer gehört. Ein Zeitpunkt für die Luna Rossa Verhandlung ist noch nicht bekannt. Sollten die Kiwis Recht bekommen, steht die gesamte Veranstaltung in Frage, weil die 37 Änderungspunkte Grundlage für die Erteilung der Segel-Erlaubnis für die AC72 Kats durch die US Coast Guard sind.

 

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Carsten Kemmling

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18 Kommentare zu „America’s Cup: Wettfahrtleiter Iain Murray verteidigt sich gegen Anschuldigungen“

  1. avatar Stefan sagt:

    Naja, ob sich das TNZ mit dem Protest einen guten Dienst erwiesen hat, möchte ich mal bezweifeln. Immerhin wollen die ja segeln. Und kippt der Cup mit den AC72, dann dürfte das das Ende für das TNZ bedeuten. Ich gehe mal davon aus, das keiner der Sponsoren ein Verständnis dafür hat, das hier Mio. von $ aus dem Fenster geblasen wurden.

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    • avatar Tim sagt:

      segeln wollen sie aber durch eine Regeländerung in letzten Minute den anderen Teams bei ihrem Foiling- Problem zu helfen, ist wohl nicht in ihrem Interesse. Luna Rosa als auch TNZ haben mit ihrer bisherigen Foil- Setup keine Sicherheitsrelevanten Probleme so weit ich das mit bekommen habe.

      Mich würde eher mal interessieren ob die US Coast Guard die zwei streitigen Regeln überhaut explizit vordert oder ob nur Ian Murray diese durchsetzten will?

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      • avatar Stefan sagt:

        “In letzter Minute”?

        ..der Protest kommt in letzter Minute. Die Regelergänzungen sind doch seit Wochen bekannt. Und angeblich auch so von Grant Dalton abgesegnet worden.

        Hier geht es scheinbar um sehr viel mehr und ganz andere Dinge, als die aktuellen Regelergänzungen. Aber so ist das nun mal im AC. Wer das nicht will, der muss ja nicht mitspielen.

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        • avatar Tim sagt:

          “abgesegnet” ich glaube die Wahrheit ist für uns aktuell nur noch schwer nachvollziehbar.

          Darüber hinaus kommt das ganze jetzt erst hoch weil vorher immer nur die Rede von “safety recommendations” war. Die US Coast Guard hat aber diese “safety recommendations” als Bedingung für die Erteilung der Erlaubnis für den AC gemacht. So sind am 29.06 aus “safety recommendations” rules geworden…. daher erst jetzt der Protest.

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    • avatar Enno sagt:

      TNZ greift ja nicht die Saftey Rules an – sondern die unilaterale Änderung der Klassenregeln: Laut eigener Aussage erfüllen TNZ sowohl die Saftey Rules als auch die bestehenden Klassenregeln – d.h. sie dürfen racen. Wenn hier also was kippt, dann die Tatsache, das Oracle nicht racen kann, weil sie zwar den Sicherheitsregeln genügen … aber nicht der Klassenregel.

      Sollte TNZ also Erfolg mit dem Protest haben bedeutet das: Disqualifikation von Oracle – es sei den, sie setzten die Sicherheitsregeln klassenkonform um – was dann aber vermutlich ein komplettes Redesign erforderlich machen würde. Also Game Over für Oracle.

      Dann aber würde das “Qualifying” aber plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen. (Und damit würden dann auch die TNZ Sponsoren auf ihre Kosten kommen.)

      Aus dieser Sichtweise ist der Protest von TNZ vollkommen verständlich.

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      • avatar Stefan sagt:

        In welchen Punkten verstößt denn Oracle aktuell gegen irgend welche Regeln?

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        • avatar Enno sagt:

          Angeblich kann Oracle ja nur deshalb “sicher” foilen, weil sie das Ruderfoil der Wetterlage nach anpassen können. Mit jeder Anpassung wird aber das Klassenzertifikat nichtig, d.h. nach jeder Anpassung wird eine neue Vermessung notwendig.
          Aber grundsätzlich hat Du ja recht: Natürlich kann Oracle sich ebenfalls auf den Standpunkt stellen, dass (einmal vermessene Konfiguration vorausgesetzt) ihr Boot den Sicherheitsanforderungen genügt und gleichzeitig die bestehenden Klassenregeln einhalten. Der die Safty-Recommendations besagen ja nur “dass das Ruder größer sein darf” – nicht aber das es “größer sein muss”. Dann aber gibt es keinen Grund für eine Regeländerung und das Rennen kann trotzdem stattfinden.
          Dumm nur, wenn Oracle sich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnt und behauptet, sie könnten nicht “sicher” foilen ohne die Änderung der Klassenregeln.

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          • avatar Stefan sagt:

            1. müssen die Boote von Oracle erst im Herbst vermessungskonform sein.

            2. Oracle trimmt den Flügel über den Sturz der Ruderschaftes. Solange dies in dem von den +/- 10mm nach den Klassenregeln passiert, ist das innerhalb der Vermessung.

            3. Coutts hat in dem Interview klar gesagt, das sie nicht beabsichtigen mit größeren Flügeln zu fahren, da die langsamer sind.

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          • avatar Tim sagt:

            Es ist doch eingentlich ganz einfach:

            Oracel hat mit dem foilen immer noch ein kleines Defizit gegenüber ETNZ und LR. Sie bekommen eine stabiles foilen momentan nur mit den etwas größeren foils hin. Diese entsprechen aber aktuell nicht den Americas Cup 72 class rules, da die foils über die Rümpfe hinausragen und somit der Cat breiter ist als vorgeschrieben.

            Und auf asymmetrische foils wie sie ETNZ oder LR fahren haben sie keine Lust, weil sie Angst um ihren Ruderschaft haben. bzw. es aktuell noch nicht ausprobiert haben…..

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  2. avatar Ketzer sagt:

    Das relativiert den vorherigen Artikel doch wieder, oder? Also ob um 8:00 Uhr morgens oder kurz vor dem Rennen. Auf jeden Fall ist ein dynamisch stabilisierender Flügel scheinbar nicht erlaubt. Wenn dem so ist, wird hier echt ein bisschen eine große Welle gemacht.

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    • avatar Tim sagt:

      das sehe ich nicht so…wenn auf einmal die Foils die Gesamtbreite des Cats ändern, weil sie symetrisch sein sollen, wird da ganz schön and den Grundregeln rumgedreht die als Basis für die Konstruktion dieser Cats vor zwei Jahren einmal fest gelegt wurden. (Fläche der foils größer und symetrisch Geometrie = Gesamtbreite der Cats größer) ETNZ & Luna Rosa haben bewiesen das man mit asymmetrischen foils die max. zulässige Gesamtbreite einhalten kann und damit “sicher” foilen kann. Wieso also diese Änderung….??

      http://www.sail-world.com/photos_2012_3/Alt_PI8_62841.JPG

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      • avatar Stefan sagt:

        …breitere Flügel bieten ja in Sachen Performance keinen Vorteil, da sie mehr Widerstand haben und so das Boot bremsen. Wenn TNZ und LR meinen das sie mit den kleineren Foils gut klarkommen, dann werden sie mit denen auch schneller sein, als Andere mit größeren Flügeln.

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        • avatar Tim sagt:

          mit größeren foils kann man “sicherer foilen” => Performance Vorteil

          Und wer bei diesem AC am besten foilen kann hat auch gute Chance diesen zu gewinnen….

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    • avatar Stefan sagt:

      …den “dynamisch stabilisierender Flügel” hat es auch nie gegeben. Das lässt sich auch technisch gar nicht umsetzen, bei den Kräften (bis zu 2 t) die teilweise auf den Flügeln am Ruder lasten.

      …sicherlich ist die Möglichkeit bis 5 min vor dem Rennen auf die jeweilige Windsituation auf der Bahn reagieren und den Sturz des Ruderschaftes entsprechend einstellen zu können, ein Vorteil. Diesen haben aber alle. Und wenn das TNZ diese technische Möglichkeit nicht eingebaut hat in das Boot obwohl das schon immer erlaubt war, dann ist es peinlich, das sie sich jetzt hinstellen und das beklagen.

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      • avatar AC Fan sagt:

        Es war nicht immer erlaubt. Es verstößt gegen die geltende Class Rule! Die will IM durch seine Safety Recommendations ändern. Class Rule Änderungen bedürfen aber der Zustimmung aller Challenger. Darum geht es hier.

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  3. avatar Manfred sagt:

    Es ist nicht einfach bei dem “Rudderfoilgate” durchzublicken. ICh versuche mal mein Verständnis der Angelegenheit vorzutragen.
    Auf keinen Fall hätte eine Rücknahme der vom Verteidiger und COR (Artemis) bzw. von Ian M. vorgebrachten Regeländerung (nicht Sicherheitsvorschriften) Einfluss auf die USCoast Guard Genehmigung zum aussegeln des AC. (wundert mich sowieso, wie spät man dieses Permit, bei solch rasenden Kisten, und den immer nervösen Bürokraten erst beantragt hat)

    ETNZ hat die Foil Fläche asymetrisch ausgelegt, damit es der Regel entspricht (nicht aussen über den Rumpf übersteht) und trotzdem genügend Auftrieb gibt. Das verlangte natürlich auch eine andere Struktur, die dort aber wohl (60 Segeltage) einwandfrei ausgelegt wurde. Jetzt wurden noch 100kg Zusatzgewicht beantragt, was wohl auch benötigt wird, sollte die “Regeländerung” NICHT durchkommen. Warum aber soll ETNZ jetzt 100kg Gewicht in s Boot packen. Der ganze Vorgang ist sehr komplex und sollte nicht zu vorschnellen Urteilen führen.

    Ich bin der Meinung, dass die Regel 37 nicht zu den Sicherheitsvorschriften gehört und Ian M. auch kein Recht gehabt hätte, Kraft seiner Funktion, die Bauvorschriften für die AC72 zu ändern.

    Mögen die Rennen beginnen. Die JNAVAS (http://goo.gl/baA1i) und FOGMACHINE ( http://www.youtube.c…GpngF8YIwrubEH5) Videos geben doch einen tollen Vorgeschmack auf die Dinge die mit Sicherheit noch kommen.

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