America’s Cup: Wie die Foils funktionieren – Die Strategie für den Cup-Sieg in Bermuda

Stabilität, Struktur, Bruch

Der America’s Cup 2017 wird zum großen Teil durch das Design der Tragflächen entschieden. Das japanische Team gibt so tiefe Einblicke in die Strategie, wie noch nie.

Es ist dieser Tage etwas schwer für den unbedarften Segler einen Bezug zum America’s Cup zu bekommen. Die rasenden Katamarane sind so weit vom normalen Segeln entfernt, dass der emotionale Bezug fehlt. Noch schwieriger ist es, ein Gefühl dafür zu entwickeln, warum denn nun das eine Boot schneller ist, als das andere.

Softbank Team Japan

Die Japaner beim Volgas-Run auf Foils. © Softbank Team Japan

Es geht nicht mehr um Rumpf- Kiel- oder Segelformen, die man vielleicht noch mit dem bloßen Auge wahrnehmen könnt. Die Entscheidungsfaktoren sind für Außenstehende nahezu unsichtbar.

Fußpedal-Grinder

Dankbar haben sich die Medien auf die Fußpedal-Grinder-Entwicklung beim Team New Zealand eingeschossen. Das ist wenigstens ein gravierender Unterschied, der auch mit dem bloßen Auge zu sehen ist. Und natürlich wird es wirklich spannend, die Neuseeländer im Vergleicht zu sehen.

Die “Stützräder” beim Softbank Team Japan.

Aber wie auch immer sich der zusätzliche Kraftschub auswirken mag. Er wird nicht ausreichen ein mögliches Defizit auf dem eigentlich wichtigen Gebiet auszugleichen, dem Tragflächen-Design.

Es dauert nur noch 50 Tage bis zum ersten Rennen des 35. America’s Cups, und schon jetzt ist klar, dass die wichtigen Design-Entscheidungen längst getroffen sind. Dabei geht es insbesondere um den Shape und die Sturktur der Foils.

Stabilität, Struktur, Bruch

Nick Holroyd, der Technische Direktor beim Softbank Team Japan, der zuvor 2013 für die Neuseeländer das Foiling entwickelt hat, erklärt im Video oben die wichtigen Eckpunkte. Es geht um die Stabilität, Struktur und möglichen Bruch bei den Tragflächen.

Nick Holroyd, Softbank Team

Der techinsche Direktor Nick Holroyd beim Softbank Team (l.) bei der Arbeit. © Matt Knighton

Wie immer müssen wichtige strategische Kompromisse gefunden werden. Holroyd sagt, er könne am Shape der Foils sofort erkennen, ob sie auf Amwind-, Vowind-Speed oder Manövrierbarkeit ausgelegt sind. Schließlich dürfen die Teams nur zwei Paar auf den AC50 einsetzen.

Am Foil-Design könne man auch erkennen, wie weit die Teams mit ihren Kontrollsystemen fortgeschritten sind. So sind auf Speed ausgelegte Foils generell schwieriger zu kontrollieren. Mit einem guten System könne man sie aber beherrschen. Man muss in der Lage sein, den erlaubten Anstellwinkel möglichst schnell und effektiv einstellen zu können. Besonders im Manöver werden die Profile permanent getrimmt, um den Katamaran auf den Kufen halten zu können. Dabei gehe es insbesondere um die Effektivität der Schnittstelle zwischen den Bedienungselementen für den Steuermann zu den Foils.

Seglerische Leistung

Viel hängt von den Windbedingungen ab. Bei leichtem Wind wird eine große Spannweite der Tragflächen benötigt, und das ist besonders strukturell eine gro0e Herausforderung. Die kleineren Foils mit geringerem Widerstand für stärkeren Wind haben bei hohen Geschwindigkeiten mit dem Problem der Kavitation zu kämpfen.

Die Teams vergleichen sich im Vorfeld des America’s Cups in Bermuda so intensiv wie noch nie in der Geschichte der Regatta. Dabei ist zu sehen, dass sie offenbar bei der Leistungsfähigkeit tatsächlich sehr nahe beieinander liegen.

Natürlich werden nicht alle Karten auf den Tisch gelegt. Es wird wohl darauf ankommen, welche Uprade-Möglichkeiten noch zur Verfügung stehen. Aber viel deutet darauf hin, dass neben den Design-Entscheidungen die seglerische Leistung eine gravierende Rolle spielen wird.

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Carsten Kemmling

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