America’s Cup New York: Kiwis gewinnen “Schweinerennen” – Spithills peinlicher Schnitzer

Irre Lache

Segeln vor Zuschauern ist mühsam. Auch die America’s Cup Organisatoren bekommen es nicht gut hin. Aber den Sport kann man auf diese Weise kaum noch seriös verkaufen.

Die irre Lache von Bord des Kiwi-Bootes. Burling, Ashby und Co können nicht glauben, dass sie dieses Ding noch gewonnen haben. Eben hängen sie noch an der Starttonne fest, Blair Tuke springt ins Wasser, um die Leine von der Ruder-Tragfläche zu befreien, und nun waren sie auf dem letzten Vorwind-Kurs am gesamten Feld vorbei gerast.

Dieses Rennen sagt viel aus über den Super Sunday der America’s Cup World Series in New York. Der Wind wirbelt so unvorhersehbar über den Rennkurs vor Manhattan nahe der Freiheitsstatue, dass reguläre Rennen mit den AC45 schwer möglich sind.

ACWS New York

Die Kiwis rasten mit über 20 Knoten auf dem letzen Vorwind am Feld vorbei

Die Speed-Differenz zwischen einem Foiler Kat, der flügellahm ohne Wind im Wasser liegt und einem, der eine Böe erwischt, beträgt schon mal 21 Knoten. So schnell donnern die Neuseeländer, die noch als vorletztes Boot am Luv-Tor liegen mit dem einsetzenden Wind an den Kollegen vorbei. Die liegen hilflos im Flautenloch werden von der Strömung aus der Bahn getrieben. Zwei Penaltys werden dafür auch noch verteilt.

Kiwis setzen unglaubliche 49er-Sieg-Serie fort

Die Kiwis gewinnen mit diesem letzten Run das Rennen und die Serie in New York. Und es scheint schon so, dass den 49er-Jungs Burling/Tuke, die ihre Siegesserie in der Olympiaklasse auf 26 Regatten ausgebaut haben, zurzeit einfach alles gelingt.

An Genialität oder irgendeine besondere Eingebung muss man in diesem Fall aber nicht glauben. Es ist pures Glück, das die Kiwis nach dem verkorksten Start auf dem verkürzten Kurs nach vorne katapultiert. Sie sind schließlich 42 Sekunden hinter dem führenden Boot um die letzte Luvtonne gegangen.

Skipper Glenn Ashby spricht danach davon, dass man nie seinen Fokus verlieren darf, weil bei solchen Wettfahrten mit so drehendem Wind immer alles passieren kann. Aber einen solchen Ausgang kann er nicht berechnen. “Am Ende hatten wir einfach Glück”, gibt er zu.

Er profitiert davon, dass Dean Barker seinen Vorsprung eigentlich schulbuchmäßig absichern will und schließlich die gesamte Führungsgruppe durch mehrere Halsen komprimiert. Aber dabei bugsierte er sich selbst ins Abseits.

Wie weit kann man gehen?

So wirft dieses Rennen die Frage auf, wie weit man gehen kann, um Segeln publikumswirksam zu machen? Die America’s Cup World Series New York war sicher ein Erfolg, wenn man die Zuschauer sieht, die vor Ort allein am Sonntag auf 100.000 beziffert werden.

Für die unbedarften Fans ist ein solches Spektakel auch sicher spannend, wenn es zu vielen Überholmanövern kommt. Aber den Sport kann man auf diese Weise nicht mehr seriös verkaufen.

Ben Ainslie beschreibt das Dilemma. Auf der einen Seite freuen sich die Segler über so viel Anteilnahme und Popularität in New York. Diese Aufmerksamkeit bezahlt schließlich ihre Gehaltsschecks. Andererseits sagt er: “Wir wussten ja, dass es hier so kommt. Man muss würfeln und muss sehen, welche Zahl dabei herauskommt. Leider lief es für uns nicht so gut und die Jungs sind frustriert. Ich glaube aber, dass wir das Boot wirklich gut gesegelt sind und alles getan haben. Aber diesmal lief es einfach nicht in unserem Sinne.”

Spithills peinlicher Schnitzer

Jimmy Spithill dagegen jubelt, “das ist ein tolles Ergebnis für uns. Bei diesen Bedingungen muss man einfach kämpfen. Hut ab vor dem Team New Zealand.” Aber er kann sich eine kleine Spitze nicht verkneifen. “Sie sahen so aus, als hätten sie nicht mehr die geringste Chance. Aber dann kamen sie aus dem Nirgendwo. So ist eben der Sport. Am Ende sprechen die Ergebnisse für sich.”

Dabei gab es jede Menge Raum für peinliche Schnitzer. Und Jimmy Spithill sorgte selber für einen der größten, als er das Timing für den zweiten Start komplett vermasselte und hilflos mit der Strömung von hinten viel zu früh gut drei Längen über die Startlinie trieb.

Der fällige Penalty auf dem Kurs der plötzlich durch einen 45 Grad Rechtsdreher zu einem Anlieger wurde spülte sie auf den letzten Platz zurück. Spithill hat dann Glück als Ainslie seinem Kumpel Percy bei einem aggressiven Luvmanöver einen Penalty verpasst und selber auch viel Speed verliert, so dass Oracle ganz einfach vorbei segelt.

Keine Werbung für den Sport

Eine Werbung für den Sport war diese Regatta sicher nicht. Zumal schon der erste Renntag bei Flaute ausfiel und auch am Sonntag die AC45 trotz der Ankündigung großartiger Wetterprognosen selten auf ihre Tragflächen kamen.

Aber dennoch war es sicher richtig, aus Werbezwecken diese Regatta nach New York zu bringen. Das Spektakel vor Ort begeisterte mehr Zuschauer, als viele für möglich hielten. Nur den Ergebnissen darf man keine allzu große Bedeutung zuweisen. Eine Aussage über die Formkurve der Teams lässt sich nicht treffen.

Vielleicht sollten die Organisatoren bei der Extreme Sailing Series nachfragen, wie man es richtig macht. Die haben mehr Erfahrung mit dem Segeln vor Publikum. “Schweinereien” des Reviers gleichen sie durch viele Kurzrennen aus. Dann sollten sich Pech und Glück ausgleichen. Aber auf segelbare, faire Bedingungen in der Stadt an einem Wochenende zu hoffen ist schon sehr vermessen.

 

Louis Vuitton America’s Cup World Series New York Endergebnis

1. Emirates Team New Zealand – 52 points

2. ORACLE TEAM USA – 50 points

3. Groupama Team France – 44 points

4. SoftBank Team Japan – 42 points

5. Land Rover BAR – 42 points

6. Artemis Racing – 40 points

Louis Vuitton America’s Cup World Series Overall Standings

(After five events)

1. Emirates Team New Zealand – 244 points

2. ORACLE TEAM USA – 236 points

3. Land Rover BAR – 227 points

4. SoftBank Team Japan – 203 points

5. Artemis Racing – 201 points

6. Groupama Team France – 194 points

Ergebnisse Louis Vuitton America’s Cup World Series

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „America’s Cup New York: Kiwis gewinnen “Schweinerennen” – Spithills peinlicher Schnitzer“

  1. avatar Fakt sagt:

    Sport oder Spektakel ?
    Das Dilemma wurde treffend beschrieben.

    Vielleicht sollte man – wie in Travemünde – nach ein paar Show-Rennen auf der Medienbahn den grösseren Teil der Wettfahrten weiter draussen auf den “richtigen” Regattabahnen austragen.

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  2. avatar AC 90 sagt:

    Guckt sich einer diesen niveaulosen Quatsch überhaupt noch an? Kaum noch Kommentare ( egal ob gute oder schlechte Kritik ), Sailing anarchy.de scheint die Berichterstattung über den AC komplett eingestellt zu haben, hab irgendwie das Gefühl, das der Cup mittlerweile am Segler vorbeirauscht.

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Schade das kein deutsches Boot dabei ist.

    Seit dem Downgrade des AC in die Beliebigkeit interessiert das ganze aber eh nur noch peripher bis gar nicht

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