America’s Cup: Zweite Chance für Ben Ainslie – Herausforderung mit massivem Sponsor-Deal

Der Cup soll zurück nach Hause

Das britische America’s Cup Team um Skipper Ben Ainslie kommt in den Genuss eines der größten Cup-Sponsor-Deals aller Zeiten. Es heißt jetzt INEOS Team GB.

Ben Ainslie wollte schon 2017 den Cup nachhause holen. Die Ressourcen waren vorhanden, aber vielleicht haperte es dann doch an der Erfahrung. Die Vorstellung in Bermuda war schließlich deutlich schwächer als es erwartet worden war.

Ainslie, America's Cup

Ainslie und Jim Ratcliffe. © Ineos Team GB

In der Vorrunde mit den kleineren Onedesign-Katamaranen zeigte sein Team noch mit dem Sieg, der gleich zwei Bonuspunkte einbrachte, dass er sportlich auf der Höhe war. Aber das Schiff, mit dem er schließlich antrat, war deutlich zu langsam. Die Briten wurden zwar im Verlauf der Challenger Play-offs besser, aber im Halbfinale schieden sie chancenlos mit 2:5 gegen Neuseeland aus.

Später gibt der Rekord-Olympiasieger zu, dass im Vorfeld einige Design-Entscheidungen falsch getroffen worden seien. Das Training in England vor der neuen Basis in Portsmouth bei oft winterlichen Temperaturen hatte offenbar zu wenig gebracht. Als der Katamaran in Bermuda ankam, waren er neben dem französischen Design der langsamste.

Das soll sich nun ändern. Nach dem Challenger of Record Luna Rossa ist das neue INEOS Team GB der erste offizielle Herausforderer. Und die Briten machen von Anfang an klar, dass sie diesmal ernsthaft um die Kanne segeln wollen.

Cup-Legende verpflichtet

Dafür wurde schon die Cup Legende Grant Simmer als CEO verpflichtet. Der Australier gewann den Cup schon als Navigator mit  “Australia II”, danach zweimal für Alinghi als Direktor und Designchef und schließlich 2013 mit dem Oracle Team USA. 2010 war er schon einmal als CEO von Ainslie geheuert worden für das später aufgelöste birtische Origin Team. Nun haben die beiden endlich in ihrer Traum-Konstellation zusammen gefunden.

Ainslie, America's Cup

So soll Ainslies neuer Cupper einmal aussehen. © Ineos Team GB

Dazu gehört der Neuseeländer Nick Holroyd als Chef-Designer, der 2013 den revolutionären Kiwi-Kat zum Fliegen brachte und für 2017 zum japanischen Team gewechselt war. Als weitere Schlüsselperson ist Giles Scott wieder als Taktiker mit im Boot, der aktuell mit Abstand beste Finn-Segler der Welt.

Und nun hat Ainslie auch bekannt gegeben, wie er das alles bezahlen will. Er verkündete den Abschluss eines der größten Sponsor-Deals aller Zeiten im America’s Cup. INEOS will insgesamt umgerechnet 126 Millionen Euro in das Projekt stecken.

Geld aus der Petro-Chemie

Hinter der Petro-Chemie-Firma steht eine Gruppe chemischer Betriebe, die sich in privatem Besitz befinden. Vorstandsvorsitzender ist der Brite Jim Ratcliffe, der sich persönlich in den Mega-Deal eingebracht hat. In einer Erklärung beteuert der 65-Jährige die Wichtigkeit der Regatta, die England zwar ins Leben gerufen aber nie gewonnen habe.

Ainslie, America's Cup

Das neue Branding. © Ineos Team GB

“INEOS ist in der Vergangenheit schon einige ernsthafte Projekte angegangen, aber keines ist aufregender als dieses. Wir glauben, dass wir mit dem Team, das wir zusammengestellt haben, ein voll konkurrenzfähiges Boot an die Startlinie bringen können. Dann kommt es nur noch auf die feine Kunst des Segelns an. Und Ben ist unzweifelhaft der beste Segler, den England jemals hervorgebracht hat. Deshalb sollten wir eine gute Erfolgschance haben.”

Für die vergangene Herausforderung soll das Ainslie Team etwa 92 Millionen Euro ausgegeben haben. Mit dem neuen Deal wird dieses Budget noch einmal deutlich erhöht. Damit ist klar, dass die vermeintlichen Vergünstigungs-Maßnahmen für den 36. America’s Cup offenbar nicht greifen.

Zwei-Boote-Strategie

Das neue Design soll zwar zahlreiche Onedesign-Element aufweisen, aber die Foiling-Technik mit dem neuen Einrumpfer und der speziellen Tragflächen-Anordnung muss nahezu neu erfunden werden. Das Team gab schon bekannt, dass es eine zwei-Boote-Strategie verfolgen werde.

Ainslie äußert sich begeistert: “Das ist ein unglaublicher Schub für den britischen Sport. Jetzt hat England die beste Möglichkeit, den America’s Cup zurück nach Hause zu bringen, wo er hingehört.”

Mit dieser massiven Herausforderung aus England dürfte es weiter schwierig werden, zahlreiche Teams an die Startlinie zu bringen. Denn diese müssten ebenfalls potenziellen Geldgebern glaubhaft machen, dass der Cup zu gewinnen ist. Bei diesen finanziellen Dimensionen werden nicht viele Teams in der Lage sein, das Budget zu stemmen. Am wahrscheinlichsten ist noch die Herausforderung vom New York Yacht Club. Aber eine offizielle Meldung gibt es nach der Bekanntmachung der neuesten Klassenregeln und der Bestätigung des Austragungsortes noch nicht.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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