America´s Cup: 14 Teams zum Meldeschluss. Ein grandioser C(o)up?

Geht der AC jetzt richtig ab? Der Schein trügt

Das Oracle Team puscht den neuen AC45-Katamaran zu Höchstgeschwindigkeiten. © Gilles Martin-Raget/www.americascup.com

14 Herausforderer aus zwölf Nationen wollen Larry Ellison im September 2013 den America´s Cup abjagen. Oracle Racing präsentiert stolz diese beeindruckende Zahl zum offiziellen Meldeschluss. Die Unterlagen zweier Syndikate müssen noch geprüft werden. Und einige Teilnehmer ziehen es vor, vorerst anonym zu bleiben.

Darüber hinaus kündigte Iain Murray, Regatta Direktor und CEO des America’s Cup Race Managements (ACRM), die ersten Daten und Orte für den Beginn der geplanten AC World Series an. Die Flotte der neu gebauten 45 Fuß Einheitskatamarane mit Flügelrigg geht erstmals im Cascais/Portugal an den Start (6. Bis 14. August 2011) und danach im britischen Plymouth (10 bis 18. September) bevor sie Ende des Jahres in San Diego startet.

Der Gennaker macht dem AC45 ordentlich Druck. Der Leeschwimmer taucht unter Wasser. © Gilles Martin-Raget/www.americascup.com

Damit scheint das Feld für einen grandiosen America´s Cup bereitet. 15 Teams inklusive des Verteidigers Oracle wären ein Rekord. Aber der Schein trügt. Viele Fragen rund um die älteste Sporttrophäe der Welt sind noch offen.

So ist die Zahlung des drastisch verringerten Meldegeldes von knapp 20000 Euro noch lange nicht mit einer tatsächlichen Teilnahme am America´s Cup gleichzusetzen. Für viele Teams ist die Meldung offenbar nur der Startschuss zum Geldeintreiben.

Das Budget für eine ernstgemeinte Kampagne beträgt laut Angaben des französischen Aleph-Teams 50 bis 75 Millionen Euro. Am Anfang können die Syndikate zwar auf neue 45-Fuß-Einheitskatamarane mit Flügelrigg zurückgreifen. Aber 2012 müssen sie eine eigene 72-Fuß-Version entwerfen und bauen, mit der der eigentliche Cup ausgesegelt wird.

Die Australier haben bei Starkwind mit dem AC 45 trainiert. Vor dem Wind wird das starre Segelprofil auf maximale Tiefe eingestellt. © Gilles Martin-Raget/www.americascup.com

Dazu sind momentan allenfalls drei Teams in der Lage. Neben Multi-Milliardär Larry Ellison ist nur der Öl-Händler Torbjorn Tornqvist aus Schweden mit seinem Artemis-Team ein potenter Kandidat.

Auch den Neuseeländern wird zugetraut, das Budget zusammenzukratzen. Sponsor Emirates hat grünes Licht gegeben. Aber ein Großteil des Geldes kommt vom Staat. Und der hält sich nach dem verheerenden Erdbeben in Chirstchurch erst einmal zurück, große Ausgaben für ein Segelprojekt zu verkünden.

Auch die Chinesen wollen überraschend ihr 2007 begonnenes Engagement im America´s Cup fortsetzen. Ihnen wird zugetraut das nötige Geld zu beschaffen. Aber sie haben nicht die Segler, um ein Schiff entsprechend zu besetzen. Ähnlich wird die halboffizielle Meldung aus Korea in der Szene beurteilt.

Athleten benötigt. Der kleine Einheits-Cupper wird von den Testcrews als "körperlich sehr anspruchsvoll" beschrieben. © Gilles Martin-Raget/www.americascup.com

Aus Frankreich haben gleich zwei Syndikate gemeldet. Sie hätten wohl das Know How und das Personal, um die neue spannende und viel kritisierte Mehrumpf-Klasse schnell über den Parcours unter der Golden Gate Bridge zu bewegen. Aber sie buhlen im eigenen Land um die Gunst der selben Sponsoren.

Es ist wieder nicht gelungen, die Kräfte zu bündeln. Dabei ist mit Loick Peyron, der heute das Barcelona World Race als Sieger beenden wird, der notwendige Superstar vorhanden, der die Franzosen beschleunigen könnte. Er steht für das französische Energy Team.

Aber die Kritik des italienischen Reeders Vinzenzo Onorato, der mit seinem Mascalzone Latino Team immerhin als Challenger of Record die Austragung des 34. America´s Cups maßgeblich beeinflussen darf, macht immer noch wenig Hoffnung auf einen erfolgreichen Cup. Onorato bemängelte öffentlich seine Chancen, das nötige Geld zusammenzubekommen.

Spektakulär und schnell. AC45 unter Gennaker bei starkem Wind. © Gilles Martin-Raget/www.americascup.com

Dafür tauchen erstaunliche Teams wie Venezia Challenge auf der Bildfläche auf. Es gibt noch keine Segler dafür aber einen Art Direktor. Selbst der Bürgermeister von Venedig scheint nicht viel davon zu halten. Er soll sich gegen die begriffliche Nähe des Syndikats zu seiner Stadt verwehrt haben.

In Deutschland gibt man sich angesichts der Meldeflut gelassen. Es gibt offenbar keine ernsthaften Bemühungen, diesmal an der Starlinie zu erscheinen. United Internet hat offiziell den Rückzug aus dem America´s Cup verkündet. Das  viel versprechende Team, das Jochen Schümann an den Start schicken wollte, scheiterte an dem juristische Ärger um den 33. America´s Cup. Dadurch wurden die Bemühungen der meisten etablierten Mannschaften ausgebremst.

Der Schritt zu den Flügel-Katamaranen macht zurzeit nur für neue Teams einen Sinn, die keine Sieg-Ambitionen haben. Denn 2013 dürfte niemand gegen Larry Ellison eine Chance haben.

Die offiziell geführten Teams:

Oracle Racing (USA)
Mascalzone Latino (ITA)
Artemis Racing (SWE)
Emirates Team New Zealand (NZL)
Aleph Team France (FRA)
Energy Team (FRA)
Team Australia (AUS)
China Team (CHN)
Venezia Challenge (ITA)

Die Identität der weiteren Teams ist noch nicht öffentlich. Aber Oracle hat schon im Nebensatz auf die White Tiger Challenge vom Sail Korea Yacht Club hingewiesen.

Außerdem wird von einem russischen und einem kanadischen Herausforderer ausgegangen. Die französische Presse berichtet, das Stephane Kandler mit All4One gemeldet hätte, und  Argo Challenge, das Syndikat behinderter Segler um Skipper Lars Grael hat die Zusammenarbeit mit Karol Jablonski für den 34 America´s Cup angekündigt.

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Carsten Kemmling

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