America’s Cup Neapel: Kiwis überlegen, Luna Rossa stark, Oracle abgeschlagen

So ist unser Sport...

Am zweiten Tag der America’s Cup World Series in Neapel hatten die Veranstalter ihre liebe Not, die Erwartungshaltung der Zuschauer nach dem spektakulären Auftakt erfüllen zu können. Der Wind wehte deutlich schwächer, und die Welle fehlte.

Das Luna Rossa Team, hier der "Piranha" mit ex 49er Champ Chris Draper an der Pinne, hängt sich voll rein für einen starken Auftritt am zweiten Tag. © Gilles Martin-Raget

Aber so ist es eben mit unserem Sport. Er gibt bei Flaute nicht viel her. Da kann man noch so viel nölen. Man muss ihn schon sehr lieben und sich sehr auf ihn einlassen, um sich beim Betrachten mitreißen zu lassen.

Die America’s Cup Macher geben sich mehr Mühe als alle anderen, die sportliche Dimension darzustellen. Das gelingt in Neapel schlechter, als noch bei einigen Vorgänger-Veranstaltungen. Das Budget wurde gekürzt, Leute entlassen, und nun sitzen offenbar wieder TV-Profis an den Schaltstellen, die kurz vor dem entscheidenden Cross, der wichtigen Wende, dem verpatzten Tonnenmanöver und selbst dem Artemis-Überschlag wegschwenken.

Dean Barker, der Kiwi-Dominator holt drei Siege. Oracle müsste Angst bekommen. © Gilles Martin-Raget

Der Zuschauer erfährt nicht mehr, welches Boot einen Stopp Penalty aufgebrummt bekommt, der kurze Raumschot-Start-Sprint zur ersten Tonne ist so entscheidend, dass die Hälfte der Flotte zu früh startet, und das Fehlen der zweiten Luvtonne verringert die Optionen, einen Führungswechsel herbeizuführen.

Dennoch sind in Neapel am zweiten Tag auch bei weniger Wind muntere Rennen zustande gekommen, auch wenn jetzt eigentlich die 9 Quadratmeter großen Flügel-Verlängerungen zum Einsatz hätten kommen können, die noch mehr Speed aus den AC45 Kats holen sollen. Die Spannung krankte zwar daran, dass Dean Barker mit dem Team New Zealand zweimal nach guten Starts uneinholbar an der Spitze seine Kreise zog. Aber im Feld kam es zu großen Verschiebungen.

Der alles entscheidende Start. Team China ist zweimal zu früh dran und muss warten. © Gilles Martin-Raget

Die neue sportliche Hackordnung musste besonders das favorisierte Oracle Team wahrnehmen. James Spithill erwischte einen rabenschwarzen Tag mit den Plätzen 7 und 4. Und Stallgefährte Bundock gelingt es nach wie vor nicht, auf dem zweiten Oracle Boot Akzente zu setzen. Er liegt nach 4./8. und insgesamt vier Rennen auf Rang sieben. Der Cup Verteidiger dürfte schon jetzt sehnsüchtig darauf warten, dass Ben Ainslie teamintern ordentlich Druck macht.

Sicher ist, dass sich das sportliche Niveau der ersten Liga im Segelsport noch einmal erhöht hat. Das Luna Rossa Team zeigte bei weniger Wind eine beeidruckende Performance. Newcomer Paul Campbell James machte mit dem “Swordfish” genannten Prada-Boot sogar noch mehr Druck (2./3.) als der erfahrenere Teamgefährte und britische Landsmann Chris Draper (6./2.), der vom Korea Team wechselte.

Das Artemis Team hängt sich voll rein, kommt aber ohne Starboot Olympiasieger Ian Percy an Bord noch nicht richtig in Fahrt. © Gilles Martin-Raget

Und bei den Asiaten macht der zurzeit beste Schnellsegeler der Welt Nathan Outteridge eine sehr gute Figur, so dass sich die älteren Stars wie Artemis Skipper Terry Hutchinson  mächtig strecken müssen, um sie auf Distanz zu halten. Nach wie vor chancenlos segelt nur das unterfinanzierte China Team hinterher. Auch der neue Promi Skipper aus der französischen Multihull-Szene Fred Le Peutrec (46) bringt die schwächelnden Chinesen bisher nicht in Fahrt.

Völlig untergegangen sind bisher die Match Races. Die Veranstalter mögen erkannt haben, dass sie nicht gerade massentauglich sind und steckten sie in das Vorprogramm des Tages. Dabei ist Artemis nach einem Sieg gegen China offenbar noch im Rennen und Chris Draper (Luna Rossa Piranha) warf Nathan Outteridge (Korea) raus. Außerdem sorgte Darren Bundock für das Ausscheiden des Teamgefährten Spithill.

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „America’s Cup Neapel: Kiwis überlegen, Luna Rossa stark, Oracle abgeschlagen“

  1. avatar Henning sagt:

    …diese lästigen Matchraces haben mich persönlich schon immer gestört am Americas Cup!!

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  2. avatar Christian sagt:

    Fleetrace 3 war leidlich spannend, sieht man mal vom großen Vorsprung des Team NZL ab. Dahinter wechselten die Positionen bis zum letzten Downwind häufig, es waren oft nur Sekundenabstände an den Tonnen. Da hat man beim alten Louis Vuitton-Cup schon langweiligere Rennen gesehen.
    Lohnt sich aber so oder so nicht, eine Glaubensfrage daraus zu machen. (früher war beim AC alles besser oder schlechter, je nach Sichtweise)

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

  3. avatar Ulrich sagt:

    Eine Rennserie mit dem Begriff “America´s Cup” im Namen, und das “unattraktive” Match-Race wird in´s Vorprogramm “verbannt”…

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    • avatar Ulrich sagt:

      Sucusi, Hennings Eintrag zu spät gesehen.

      Wenn das so weiter geht, ist die ACWS eine ESS mit anderen Booten. Ist es vielleicht ja jetzt schon. Allerding verzichtet die ESS auf das lächerliche Speed Race!

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  4. avatar Manfred sagt:

    Karsten hat so Recht. Grottenschlechte Bildregie. Das kann einem fast den Spass verderben. Wickeln sich 5 Boote gleichzeitig um die Tonne und der Bildregiseur blendet über zum führenden Boot… Man möchte fast abschalten. Liegt das jetzt daran, dass “Profis” von irgendeinem TV Produzenten am Ball sind, weil ja in einigen Ländern live übertragen wird? Das ist doch immer das gleiche, wenn segeln im TV gezeigt wird, gibt es: “vorbeihuschende Boote”.

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  5. avatar AC 90 sagt:

    Echt blöd,daß das mit den Multis und Machtrace nicht richtig zündet. Hätte man auch früher drauf kommen können….Moment, hat das nicht jemand schon erkannt? War es nicht dieser EINE Deutsche, dem man nachsagte, er würde mit seiner TP52 der Medcupflotte hinterhersegeln? Wie hieß er doch gleich noch……Schü……..Schü…….Schü…….Ach Mist, ich komm nicht drauf.

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