America’s Cup World Series Cascais: Was sagt die Facebook-Generation?

Revolution im Segelsport oder große Enttäuschung?

Das war sie nun, die neue Version des America´s Cups. Kann man damit jemanden hinter dem Ofen hervorlocken? Was sagt die Facebook-Generation? Ist die glorreiche Zukunft für den Cup eingeläutet?

Ich habe am Sonntag Kinder und Frau vor dem Rechner versammelt und den ultimativen Test gemacht. Soo, iPod ausmachen, Ball weglegen, Zeitung zusammenfalten, Rechner an. Nun wird Segeln geguckt.

Die Kats mit gesetztem Flügelrigg an den Mooringtonnen vor Cascais. In der Nacht bleiben die Profilsegel oben. © G. Martin-Raget

„Och nöö! Was soll das?“ Aber unter Gewaltandrohung geht es dann doch. Die Familie mit den 12 und 14 Jahre alten Bengels ist durchaus segelaffin. Insofern sollte dieser Test eine gute Aussage machen können, ob die Macher des neuen Cups ihren Job erfüllen.

Das Ergebnis: Niemand wurde vom Hocker gerissen. Die Jungs werden die Rennen nicht ihren Fuß- und Basketballkollegen empfehlen und Gefahr laufen, sich lächerlich zu machen. Aber sie konnten auch nicht ein gewisses Interesse verhehlen. Katamarane, die ein Bein heben, ziehen aber durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich. Es besteht offenbar Potenzial.

Das bestätigte sich, beim Abspielen des Videos oben. Da kracht es, man hört die Männer heftig atmen, sieht den Puls ansteigen und Überschläge. Ach so kann das auch sein? Die Jungs sind erstaunt. Mal sehen, ob es wirklich einmal so wird. Das Flauten-Fleetrace war von dieser Action weit entfernt.

Unterschneidende Leerümpfe fehlten meistens bei der schwachwindigen World Series Premiere in Cascais. © G. Martin-Raget

Eine interessante Nachfrage bezog sich auf die Nationalitätenfrage. Es fehlte das Verständnis dafür, dass bei den Koreanern kein Koreaner segelt und bei den Chinesen kein Chinese. Es ist ein altes Problem des America’s Cups.

Die Premiere hat sicher unter dem Windmangel vor Cascais gelitten. Das Fleetrace-Finale fand zwischen 5 und 9 Knoten Wind statt. Da fehlen Kenterungen, Stecker und Spritzwasser. Das sind die Zutaten, die diese Rennen für eine größere Zuschauergruppe spannend machen können.

Nun meine Gedanken: Wo hat das neue Format überzeugt, wo enttäuscht?…

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Carsten Kemmling

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18 Kommentare zu „America’s Cup World Series Cascais: Was sagt die Facebook-Generation?“

  1. avatar Julian S. sagt:

    Also ich war ja währenddessen im Urlaub und hab mir seitdem jeden Abend mindestens 2 Stunden Replays reingezogen weil ich das alles (Format, Boote und Medien) sehr geil und beeindruckend fand.

    Ich finde die ganze Sache stark gelungen und werde mir dann das nächste Event in Plymouth live anschauen!

    VG aus Bayern

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    • avatar Kersten sagt:

      Die 505er WM in Australien hat mich 1000x mehr angemacht.
      Jollensegeln ist einfach spannender als Millionen auf zwei Rümpfen versenken!
      Zudem muß an der Berichterstattung noch kräftig gearbeitet werden. Wer keine Ahnung vom segeln hat, wir auch nicht schlauer wenn er die Videos verfolgt. Segeln bleibt so noch weit weg vom Breitensport.
      Ahoi

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      • avatar Egon sagt:

        Ich denke, Segeln wird in Deutschland niemals ein Breitensport werden.

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        • avatar bowman sagt:

          Muß es ja auch nicht. Es gibt Sportarten, die sind populär und haben gute Quoten – und damit Geld für die Kader – und sind trotzdem keine Breitensportarten, siehe Skispringen, Biathlon etc.

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      • avatar Holger sagt:

        @Kersten
        joo – so siehts aus ! wir haben da einen in der 505er Klasse der das genauso sieht und lieber in der Five kämpft statt seine Großboote zu bewegen
        Ahoi

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  2. avatar dreas sagt:

    ich hab mir extra nen vpn zugang über die schweiz gekauft um mir die rennen anzuschauen. sicherlich ist die flaute ein problem gewesen. aber das potential ist durchaus vorhanden. die grafische aufbereitung über kurse und plätze war sehr gut. die berichterstattung müsste erklärender ausgelegt sein. da fand ich persönlich die kommentatoren beim audi med cup in sardinien deutlich besser. segeltv 2.0 wars allerdings (noch) nicht. aber auch nicht so schlecht wie es hier teils beschrieben wird.

    vg

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  3. avatar stephan sagt:

    Zum Start hat Carsten das wesentliche ja schon gesagt, was ich mal sehen und hoeren moechte ist der Sprint zur Tonne von 8 oder 10 Kats bei viel Wind – allerdings nicht auf dem Bahnmarkenboot. Was mich aber am meisten stoert ist das kuenstliche Spielfeld. Das schraenkt das Segeln in absurder Weise ein. Wie sind eigentlich die Regeln bei Annaeherung? Was ist mit den Regeln 19 und 20?

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    • avatar bowman sagt:

      Die Bahngrenzen sind ausgedehnte Hindernisse mit 3-Längen-Zone. 19 und 20 sind in der AC Version inhaltlich fast unverändert, jedoch 20 ohne Zuruf, und zusätzlich eine 20.2 für Raum zum Halsen.

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  4. .. ich war vor Ort, anfangs skeptisch, aber denke, dies ist eine konsequente Fortsetzung der allgemeinen Entwicklung über 49er usw.. Die Starts waren beeindruckend und taktisch fand ich die Rennen spannender als andere ACs. Eben auf eine andere Weise. Was mich total genervt hat, waren die 4 Hubschrauber, die stundenlang über dem Parcours unmittelbar vor dem Beach für die Aufnahmen waren, ein Höllen Lärm. Vielleicht etwas für Formel1 Motor-Liebhaber, aber sicher kein green Sport mehr.

    Wie man es dreht und wendet: Ein massentauglicher Sport wird das so auch nicht, denn Otto-Fernsehverbraucher wird weiterhin nie kapieren, warum nun wer vorne sein soll. VMG, bitte was?? Er wird nicht verstehen, dass – wie Carsten richtig sagt – einer die Halse zum Gate falsch gesetzt hat und deshalb verliert oder einen Dreher falschherum erwischt hat.

    Irgendwann werden auch die Sponsoren verstehen, dass sie ihre Zielgruppe nicht wie im Tennis oder der Formel1 erreichen und vielleicht tritt der ganze Commerz-Spuk dann wieder etwas mehr in den Hintergrund. Eben, weil er sich eigentlich auch nicht rechnet. Ich halte es für schwachsinnig, dass die Bahn für die Zuschauer und nicht für die Segler optimiert wird, ablandig 500m, das ist ja auch Trend in Kiel. Die Segler im Dienste der Sponsoren, weil es ohne die ja nicht mehr geht. Wenn man aber den Funktionärs-Wasserkopf einmal zu 85% abschaffen und durch online Apps ersetzen würde, könnte man vielleicht wieder ernsthaft segeln, mit Sponsoren, die das Segeln wirklich sponsorn wollen.

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  5. avatar Ein Fan sagt:

    Also Carsten, ist ja nicht so, dass Deine Kinder ansonsten die riesigen Segelfans wären 🙂

    https://segelreporter.com/blog/2010/12/09/fusball-ist-doch-tuntensport/

    PS: Happy Birthday!

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  6. avatar Holger sagt:

    Für mich war es ein Flopp. Kirmes für die Segler, verwirrend für die Nichtsegler. Das “neue und revlutionäre” Konzept steckt zwischen Borke und Rinde. In keinem Fall hat es die großen Ankündigungen von Ellison/Coutts erfüllt.

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  7. avatar Julian S. sagt:

    Es war auf jeden Fall besser als das Kieler Woche TV, wo 2 Stunden lang über 29er XX berichtet wurde, die mit 6 Booten auf einem 29er Kurs für 60 Booten gefahren sind und eigentlich nie über mehr als 3 Klassen pro Serie (olympisch/nicht-olympisch) berichtet wurde. Also jetzt nicht, dass von den anderen Klassen gar nichts gezeigt wurde, aber ich hab nie mehr als 15 Minuten von 420er/470er gesehen. Und nein, 470er bei 25 Knoten oder mehr ist nicht langweiliger oder unspektakulärer als 49er und erstrecht das Starboot!
    505er-WM hab ich leider nicht gesehen… Aber wenn ihr das sagt, dass es gut war, glaub ich euch das! =)

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  8. avatar Hurghamann sagt:

    Volker hat es gut zusammengefasst, nur eines ist für mich persönlich klar – der Americas Cup ist tot.
    Das mit den Cats ist interessant, kann was werden aber ist nicht der AC (vieleicht bin ich auch nicht genug “generation Facebook”)

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  9. avatar seasailor sagt:

    Was ist den der AC? Kann man diesen Event überhaupt an einer Klasse, einem Format oder einer Zielgruppe festmachen? Ist der AC nicht einfach die Krönung einer jeden Seglerkarriere? Wenn ein Moderator einen Segler und seine Erfolge vorstellt heisst es eben nicht er ist 505 Weltmeister, Rolex Fasnet Race Sieger, Extreme Sailing Series Gewinner oder wie auch immer.
    Lediglich die olympischen Spiele sind vergleichbar, aber sind eben meistens auch nur ein Sprungbrett für den Cup, Ocean Race etc.
    Und solange die besten Segler und Konstrukteure der Welt auf dieser Bühne, mit dem besten Material gegeneinander antreten wird die Faszination nicht nachlassen. Nur dieses mal macht es auch noch Spaß zuzuschauen, mal abgesehen davon was es für einen Spaß macht so ein Cat zu segeln.

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  10. avatar Wilfried sagt:

    Der Infight mit den Einheitsklassencats ist insbesondere bei mehr Wind spektakulär. Aber wir sollten immer bedenken, dass es das nur jetzt und nicht später im AC gibt. Die jetzige Serie hätte man genauso mit den Extrem 40 machen können. Ist dasselbe bis auf das Profilrigg. Aber das kommt beim Laien sowieso nicht an, dass der starre Flügel der Technologiefortschritt ist.
    Für die Beurteilung der Spannung von Katamaran-matchraces wil ich mich nach diesen Bildern noch nicht festlegen aber auf jeden Fall ist festzustellen, dass 2 Minuten für ein Vorstartgeplänkel viel zu kurz sind ins besondere weil die Boote so extrem langsam aus dem Stand beschleunigen und es scheinbar überhaupt kein Problem ist das Boot auch ohne Fahrt ewig lange auf der Stelle zu halten und den Gegner zu blockieren. Ich vermute sogar, dass das Flügelrigg diese Eigenschaft noch stark verbessert.
    Aber völlig unabhängig davon hat diese Serie in den Fleetraces auf jeden Fall bei Wind das Potenzial für ein Spektakel. Und daruaf freue ich mich. Für den AC selber bleibt meine Skepsis bis Ablehnung.
    Ich kann auch die Anmerkung zum Krach mit den Hubschraubern gut verstehen. Manchmal sind die TV-Bilder am Ende viel besser als das Life-Erlebnis weil man diese Störgeräusche wegdrücken kann. Die Rennradfahrer mit den Motorrädern und Helis um sich rum können davon ein lied singen.

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