America’s Cup World Series in Plymouth: Spithill siegt in begeisterndem Finale

Stürze, Stunts und spannende Spielzüge

Der America’s Cup World Series ist endgültig ein Durchbruch bei der Präsentation des Segelsports gelungen. Während die von Cup-Verteidiger Larry Ellison beauftragten Organisatoren bei der ersten Veranstaltung im portugiesischen Cascais noch viele Hoffnungen nicht erfüllt hatten, überzeugten sie nun viele Kritiker.

Chinesischer Abgang. Die Crew auf dem Luvrumpf ringt um das Gleichgewicht. © ACEA/Ricardo Pinto

An einem Wochenende, an dem parallel die beiden bisher attraktivsten Profi-Segelveranstaltungen Audi Medcup (in Barcelona) mit den Deutschen Markus Wieser und Jochen Schümann sowie die Extreme Sailing Series (in Trapani) gleichzeitig um Aufmerksamkeit buhlten, waren die Katamarane von Coutts die klaren Gewinner.

Noch nie wurde der Segelsport so spektakulär in Szene gesetzt. Das Internet macht es möglich. Das Oracle-Kenter Video von San Francisco hat die eine Millionen Marke auf Youtube geknackt. Und nach einem Deal mit der Internet-Plattform erreicht auch die Live-Übertragung eine neue Dimension. Der Zuschauer kann während des laufenden Rennens unter vier verschiedenen Perspektiven vom Helikopter bis zur on-Board-Sicht wählen und parallel eine virtuelle Animation laufen lassen.

Die Kommunikation an Bord wird übertragen, die wichtigsten Szenen wie Überholmanöver, Kenterungen und Kollisionen werden in Replays eingespielt und die Skipper sofort nach den Rennen Interviews auf dem spritzenden Boot geben. Auch der Anzeigen der von den Schiedsrichtern verhängten Penalties funktionierte diesmal.

Viele Jahre lang haben sich Fernsehmacher die Zähne an dem Segelsport ausgebissen. Selbst ARD und ZDF investierten massiv, um den America’s Cup 2007 groß rauszubringen. Die Verantwortlichen bei den Sendern verzweifelten schließlich an den vielen Rennverschiebungen und der schwachen Leistung des deutschen Teams. Der Segelsport schien seine Chance verspielt zu haben. Aber nun muss man möglicherweise umdenken.

Mit dem Geld von Oracle Milliardär Larry Ellison zeigt der verstaubte Sport ein neues Gesicht. In Plymouth präsentierten die neun Teams, die bisher für den America’s Cup 2013 gemeldet sind, Stürze, Stunts und spannende Spielzüge.

Besonders wichtig für die Dramaturgie der Regatten waren die unterschiedlichen Sieger und Überholmanöver während der Rennen. In Cascais waren die versprochenen Positionswechsel besonders an der Spitze noch ausgeblieben. Ein guter Start reichte aus für den Rennsieg. Aber in Plymouth sorgten eine etwas veränderte Kursführung und angepasste Wendemarken-Positionen für taktisch größere Optionen. In Verbindung mit wechselnden Windbedingungen auf dem Revier vor in Plymouth führten verschiedene Strategien zum Sieg.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

16 Kommentare zu „America’s Cup World Series in Plymouth: Spithill siegt in begeisterndem Finale“

  1. avatar Andreas Ju sagt:

    Wollte gerade posten, ob man auch einmal wieder über Segeln reden könne, statt über Crashs und Kenterungen. Bis ich dieses Hammer-Video von immerhin 1,5 Stunden (erst teilweise) gesehen habe. Okay, begriffen: So kann man den Sport auch Laien ganz unkompliziert nahebringen. Das macht wirklich Spaß.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 5

    • avatar bredi sagt:

      Also, ich finde diese Art von Segelei einfach unglaublich geil!!!! Echte Gladiatoren, die Jungs, Respekt.
      Ich habe mich die ganze Zeit vor dem Computer vor und zurück und seitwärts bewegt, um nicht zu kentern.
      Das beeindruckenste ist aber, dass diese 45-Fuss-Biester sich alles in allem genau wie z.B. ein F18 bewegen – insofern kann man als Catamaranregattasegler jede einzelne Sekunde verstehen und geniessen. Also, für mich ist das im übrigen Match Race in seiner attraktivsten Form – keine Dialups (oder wie das heisst) und Stehsegeln in Bleibombern in Zeitlupe. Hier geht alles superschnell – und das ist ja auch der Reiz beim Catamaransegeln – einen Moment nicht aufgepasst und der Zug ist abgefahren. Und trotzdem sind die Jungs im Ziel machnmal nur Sekunden auseinander, sensationell und auf höchstem Niveau. Da kann sich keiner verstecken oder ausruhen, kein Coutts, kein Barker, kein Spithill. Mal kurz geschwächelt schon sind die anderen am Horizont!!! Ich würde den Verantwortlichen vom Americas Cup allerdings empfehlen, bei den 45 Fuss Cats zu bleiben!! Alles andere ist lebensgefährlich und unbezahlbar!!! Aber mich fragt ja keiner….

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 6

  2. avatar AC90 sagt:

    Ich bin entsetzt. Das soll die Zukunft seien, derAC als eine Art durchorganisierte Pleiten, Pech und Pannenshow mit Kenterungen, Steckern und Kollisionen? Tut mir leid, aber das hat für mich absolut nichts mehr mit dem America´s Cup zu tun. Sicher mag das alles schnell und spektakulär sein, aber ein Monohull, der vorm Wind üder die Wellen suft und beim Eintauchen das Wasser übers Deck spühlt ist für mich genauso spektarkulär und schöner anzugucken als diese Highspeedschlitten. Ich jedenfalls vermisse die ACC-Yachten. Und mit Einem hat bredi absolut Recht. Wenn die Teams mit den 45 Fuss-Cats bei 30 Knoten Wind schon Schwierigkeiten haben die Dinger zu beherrschen, dann sind die 72er Unverantwortlich.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 15

    • avatar Christian sagt:

      für abschließende Urteile ist es doch noch viel zu früh. Die AC45-Klasse ist brandneu, und selbstverständlich müssen die Segler erst Erfahrung damit sammeln. Allein so ein Wing ist ja nicht gerade üblich im Regattasport. Wie so ein Ding reagiert, muss doch erst “erfahren” werden.

      Dass die AC45 bei 30 kn Wind überhaupt regattieren, finde ich schon beeindruckend. In vielen Monohull-Klassen würde nicht mal angeschossen werden. Und wenn doch, gäbe es ebenfalls Bruch, Sonnenschüsse und Kenterungen zu bestaunen.

      Ich bin jedenfalls neidisch auf jeden, der einen AC45 segeln darf. Und das im Wissen, dass dazu herausragende athletische und seglerische Fähigkeiten notwendig sind, über die ich leider nicht verfüge.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 4

    • avatar sagt:

      Mhh… kann mich nicht auch irren, aber ich meine mich zu erinnern, dass die von Dir vermissten ACC-Yachten bei 30 Knoten Wind nicht mehr gesegelt wurden.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 2

  3. avatar Schlaufux sagt:

    Ich hab mir schön den MedCup angeschaut.

    Jeder kann ja seine Meinung, aber für mich ist das Oracel-Spekatakel
    komplett uninteressant.
    Ich verstehe die MatchRace Regeln, bin sogar mal selbst welche gefahren
    also ist es mir absolut zuzumuten Bleibomber anzuschauen.
    Die Spannung kommt eben nicht ausschließlich durch Geschwindigkeit,
    sondern für viele eben durch Taktik.

    Das man dem breitem Publikum die Auswirkungen von Wind und Strom
    nicht abschliessend vermitteln kann ist mir klar.
    Aber die Crash-Show interessiert mich nunmal nicht.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 7

    • avatar stefan sagt:

      ….ach so, auf AC45-Kats wird also ohne Taktik gesegelt? …….manno man, wie blind muss man denn sein um sowas zu schreiben?

      …crash-show?…nun die weit aus dramatischeren Crashs hab ich bislang beim MedCup gesehen *lol

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 10

    • avatar bredi sagt:

      Eins muss ich hier aber auch mal loswerden: Obwohl ich begeisterter Catsegler bin, verstehe ich diese absolutistische Einstellung von vielen Seglern nicht, die nur schwarz oder weiss gelten lassen wollen. Für mich ist völlig egal, was man segelt – es ist immer die gleiche Faszination, mal schnell, mal langsam – aber immer mit Wasser und Wind. Ich finde einen alten 12er mit seiner unglaublichen Ästhetik genauso faszinierend wie einen 45 Fuss Cat oder eine flying moth. Oder ein Formula Surfboard – megageil!!! Aber ein Kielzugvögel, eine O-Jolle,
      ein Laser oder ein Opti sind genauso geil. Gib mir irgendeins von den Booten und ich habe Spass. Ein Beispiel: Diese ganze “Markenhasserei” untereinander: die Hobies finden die Topcats doof, die Tornados finden die Hobies doof, die Catsegler die doofen Einrumpfsegler usw und so weiter – gähn. Wie übersättigt und einfältig muss man denn sein, Leute? Wie heisst es doch so schön: Segeln und Segeln lassen. So, und ich finde Catsegeln trotzdem geil! Und im übrigen: Catsegeln ist genauso “taktisch”, wie Jollen- oder Yachtsegeln, es ist eben nur ein wenig anders. Mit der Bitte um Verständnis…

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 0

      • avatar Andrae Ju. sagt:

        “Gib mir einen Opti und ich habe Spass”?
        Das will ich aber sehen, mein lieber. ich weiss neuerdings wieder, wie sich optisegeln mit 60 Kilo mehr als damals anfühlt – Matti sei dank

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

        • avatar bredi sagt:

          Wie Du ja weisst, ist Spass an sich ja relativ – es kommt immer auf die innere Einstellung an. Ganz besonders dann, wenn man “aüßerlich” definitiv zu schwer ist…;-)

          Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. avatar T.K. sagt:

    Die Live Übertragung vom Wochenende war unglaublich spannend! Ich muss es zugeben! Bislang war ichs ehr skeptisch.

    Unglaublich wie schnell kleinste Fehler bestraft wurden. Ein leicht zu früh eingerollter Gennaker führte schnell zum Verlust von 50-100 m Vorsprung…. Timing schein alles bei diesen Booten

    Aber besonders gut: Im Gegensatz zu den unappetitlichen Appetithappen, bei denen jede 0,3 sec. die Einstellung wechselte, hatte man beim live view alles selber in der Hand (ein Meilenstein!). Die Schnitte waren auch für meine langsamen Hirnzellen nicht störend und man konnte alles ohne Herzkasper verfolgen. Die Spannung enstand eben durch spannende Rennen und nicht mehr durch zwanghaft spannende Schnitte des Filmmateriales.

    Weiter so – obwohl es nicht mehr viel mit dem klassischen AC zu tun hat….

    Und ja – Es braucht definitv keine größeren Schiffe!

    Lediglich die Kattypischen Wenden dauern schlicht zu lange. Ich denke das ist die entscheidende Aufgabe für die Designer, die AC72 schneller durch die Wende zu bekommen

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 3

  5. avatar AC90 sagt:

    Ich gebe zu ACC-Yachten wurden bei 30 Knoten Wind nicht mehr gesegelt. TP52 oder VO70 schon, und das ist genauso geil anzuschauen.Und wer garantiert eigentlich das ein AC72 bei 30 Knoten aufs Wasser geht, ein Flügelrigg dieser Größenordnung wurde doch noch nie bei soviel Wind getestet. Bis heute kann kein Mensch sagen , ob diese Kräfte überhaubt beherrschbar sind.

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

    • avatar T.K. sagt:

      Die Flügelriggs halten mehr aus als ein normes Rigg! Das ganze sind 3-dimensionale Gebilde die eine enorme Formstabilität haben. Sobald auf dem Gerippe die Folie aufgezogen ist sind die Dinger unglaublich stabil. (siehe Luftfahrt).

      Ein “normales ” Rigg ist da ganz anders. Im Grunde ein Spargel der an vielen Punkten immer wieder abgesteift wird. Das Segel an sich datbiliert dann auch noch zusätzlich, ist aber eben nicht ein so kraftschlüssiger Verbund wie bei einem Flügelrigg.

      Ich bin mir sicher, bevor die Riggs explodieren liegen die Kats längst gekentert im Wasser!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar Marc sagt:

        Wenn ein Flugzeugflügel Reisegeschwindigkeiten von 850 km/h aushält, sollte ein AC Flügel der ähnliche Warben und Verstrebungen aufweist, 30 Knoten also 60 km/h auch aushalten.

        Wieso meinen eigentlich alle das die AC72 soviel schwerer zu segeln sein werden? Das muss sich doch erst noch zeigen. Klar sind sie größer, aber auch breiter und schwerer. Der Rumpf wird mehr wiegen und der Hebel wird durch die Breite auch noch größer. Klar kann dann auch ein größerer Flügel drauf. Wo da das technische Limit ist, rechnen viele viele hochbezahlte fleissige Ingeneure schon aus bevor das Ding gebaut wird.

        Groupama 3 ist 105 Fuß lang und ebenfalls gekentert, ohne zu explodieren oder sonstigen Effekten.

        Ich fand die Übertragung super, bin eigentlich Jollensegler aus Überzeugung aber werde mir nun im Urlaub auch mal nen Kat mieten und mal versuchen einen Hauch der Geschwindigkeiten spüren. Toll fand ich den Kampf zwischen den Kiwis, Oracle und Artemis. Weiter war Team Korea für mich eine echte Überraschung, wie sie immer wieder die “Großen” geärgert haben. Sehr spannende Sache das ganze, habe richtig mitgefiebert.
        Ob es nun Kenterungen gab oder nicht, finde ich egal, spannend waren die Rennen, aber auch die Bojenmanöver. Wenn der Leeschwimmer bei fast jedem Boot gefährlich unter taucht, bleibt einem vor Spannung fast das Herz stehen und man schaut gebannt auf den Schirm. So muss segeln sein.

        Und bredi muss ich absolut beipflichten, segeln und segeln lassen. Egal was und egal wie. Es gibt auch Leute die mit ihrer Varianta Regatta segeln und auch ihren Spaß haben. Es muss also nicht immer ein AC Cupper sein oder ein 505er 😉

        *Amen*

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 3

        • avatar Afterguard sagt:

          Klar, es ist richtig, dass ein Flugzeuflügel so hohe Geschwindigkeiten aushält. Aber: der Fluzeugrumpf fährt dabei nicht durchs Wasser. Und da fängt die spezielle Problematik an: Flügel fährt durch Luft, Rumpf fährt (zum Teil!) durch Wasser. und ob Flügel oder Rumpf oder beide das aushalten ist eine spannende Ingenieursaufgabe!

          Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 2

    • avatar M sagt:

      In Valencia Feb 2010, USA-17 sailed downwind in 27kn and handled 37kn wind tied on the mooring with its Flügelrigg.

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *