Anders Leben: Langfahrt-Nomaden gegen Rassismus – Vater sammelt für Mini-Transat

„Freiheit – unser höchstes Gut!“

Die sechs „Kokosnüsse“ sind schon seit Jahren auf den Ozeanen unterwegs. Jetzt „schicken“ sie Papa auf die Mini-Transat. Den dazugehörigen Foiler muss er sich aber erst noch bauen.

Rund um die Mini-Transat gibt es immer wieder eine Reihe spannender und erfrischender Kampagnen, die an Kreativität, Enthusiasmus und vor allem Einsatz der Protagonisten ihresgleichen suchen. Nicht zuletzt, weil die „Classe Mini“ ganz offensichtlich die verrücktesten und wildesten Typen unter der weltweiten Seglergemeinde förmlich anzuziehen scheint. 

Für eine in mehrfacher Hinsicht „sportliche Kampagne“ wurde gestern ein Crowdfunding-Projekt gestartet, das schon aufgrund seiner Botschaft unser aller Aufmerksamkeit verdient. 

Gegen Rassismus, für Menschenrechte

Unter dem flammenden Titel „Fight for Freedom“ will eine US-amerikanische Familie mit ihrer Kampagne „Unite & Fight“ für Menschenrechte und gegen Rassismus kämpfen. Welches Land und welche Nation sich dabei in erster Linie angesprochen fühlen soll, wird mit der begleitenden Illustration deutlich: Eine riesige Krake schlingt sich um die New Yorker Freiheitsstatue – eindeutiger geht’s wohl kaum. 

Coconuts, Segelnomaden, Mini 6.50, Foill

Eigentlich sind die Coconuts ja auf einem German Frers Design OHNE MOTOR unterwegs. Hier vor der isländischen Küste © coconuts

Träger dieser markanten Botschaft soll ein nagelneuer Mini 6.50 Prototyp sein, der von Guillaume Verdier gezeichnet wurde und mit dem neuesten Foil Design schon während der kommenden Mini-Transat „zum Abheben“ gebracht werden soll. Kleines Manko an diesem Plan: Der Bau des Prototypen mit der Nummer 936 soll am 1. Juni beendet sein. Die Mini Transat startet jedoch schon am 1. Oktober.

So ist bereits der Zeitplan für „Fight for Freedom“-Kampagne gelinde gesagt „sportlich“: Am 1. Juni soll das Boot fertiggestellt sein, am 18. Juni am Mini Fastnet Race teilnehmen, am 30. Juli beim Transgascogne-Rennen und schließlich am 1. Oktober Richtung Antillen starten.

Coconuts, Segelnomaden, Mini 6.50, Foill

Doch jetzt baut sich der Papa einen Mini-Prototypen nach einem Verdier Design – mit Foils! © coconuts

Von dort aus will der Proto-Mini bei Regatten in der Karibik, entlang der US-amerikanischen Küste und wieder zurück in Europa für Freiheit, Menschenrechte und den Kampf gegen Rassismus werben. 

Nun scheint dieses Projekt durchaus dazu geeignet, es milde lächelnd als spinnerte Fantasie abzutun. Wären da nicht die Initiatoren, Macher und „Schaffer“ dieser Kampagne. Vorhang auf für „die Coconuts“! 

Segelnomaden im Mini-Transat-Fieber

Die sechsköpfige Familie segelt bereits seit Jahren als typische Langfahrt-Nomaden rund um den Globus. Die Reisen von Luna (11), Caribe (5), Artico (2) und Sol (11) sowie ihren Eltern Natasha Gonzalez (40) und Jay Thompson (32) sind vor allem in der amerikanischen Blauwasserszene bekannt.

Das Sextett lebt auf der 12-Meter-Rennyacht Messenger, einem German Frers Design-Prototypen aus dem Jahre 1982, der in der Bretagne liegt.  Alle Törns wurden – ganz New-Eco-Generation – ohne Motor im Schiff unternommen.

Coconuts, Segelnomaden, Mini 6.50, Foill

Unter dem Label “Fight for Freedom” will Jay bald über den Atlantik foilen © coconut

Skipper Jay Thompson ernährt seine Familie hauptsächlich als Bootsmann, Überführungsskipper und „Mädchen für alles“ auf großen Rennyachten. Auch in der Vorbereitungsphase zur Vendée Globe war er als „Preparateur“ aktiv. 

Was wiederum der Grund dafür ist, dass die französische, meist sehr anspruchsvolle Hochseeszene sich nicht schaudernd von solch einem Last-Minute-Projekt abwendet. Denn diesem amerikanischen Skipper traut man durchaus zu, dass er seine „Fight for Freedom“ im gesetzten Zeitrahmen tatsächlich aufs Wasser bringt und anschließend professionell „bewegt“. Zwar ist der Karbonrumpf derzeit noch in der Rohbauphase, doch Thompson sieht sich weiterhin „voll im Zeitplan“. 

Die Freiheit auf Foils

Das wird schon dadurch bestätigt, dass kürzlich der Star Designer Verdier höchstselbst auf der Thompson-Baustelle vorbeischaute und die bisherigen Arbeiten sowie den Fortschritt derselben wohlwollend abnickte. Zudem machen immer mehr Ministen, die sich zwecks Training sowieso in der Region aufhalten, ihrem zukünftigen Kollegen die Aufwartung. Oder sie halfen gleich für ein paar Stunden oder Tage bei den Arbeiten am Rumpf mit. Zuletzt gab auch der Schweizer Simon Koster Tipps zum Thema „Foil-Design“. Er sammelte bei der vergangenen Mini-Transat schon einschlägige Erfahrungen mit Tragflächen.

Coconuts, Segelnomaden, Mini 6.50, Foill

Die Kids sind schon mal guter Dinge, dass Daddys Boot rechtzeitig fertig wird © coconuts

Mutter Natasha wird als professionelle Filmemacherin und Fotografin das gesamte Projekt begleiten. Die Botschaft „Fight for Freedom“ ist ihr eine Herzensangelegenheit. Nicht zuletzt, weil sie und ihre Familie in den letzten Jahren uneingeschränkte Freiheit auf den Sieben Meeren genießen durfte und ihr die derzeitige politische und humane Situation auf der ganzen Welt Sorgen bereitet. „Freiheit ist das kostbarste Gut, das wir haben,“ schreibt sie auf ihrer Website. „Nur vergisst das die Menschheit immer wieder!“

Crowdfunding 

Website der „Coconuts“

Facebook-Blog

Coconuts, Segelnomaden, Mini 6.50, Foill

Viele Freunde in der Szene – hier begrüßt Jay als einer der Ersten seinen Kumpel Conrad Coleman nach seiner Mastbruch-Vendée-Globe © coconuts

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Anders Leben: Langfahrt-Nomaden gegen Rassismus – Vater sammelt für Mini-Transat“

  1. avatar Firstler sagt:

    Ich finde Segeln eigentlich auch total blöd und segele nur deshalb, weil ich ein Zeichen gegen Umweltzerstörung, Krieg, Hunger, Armut und schlechtes Wetter setzen will 🙂

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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