Audi Medcup Marseille: “Container” siegt kampflos. Finale fällt wegen Mistral aus

Verdiente Sieger

"Container" glitscht zum Audi Medcup-Sieg vor Marseille. © Nico Martinez/Audi Medcup

Die deutsche TP 52-Hochseeyacht „Container“ von Udo Schütz aus Selters hat die zweite Regattaserie des Audi MedCup Circuits gewonnen. Nachdem am Sonntag (19. Juni) vor Marseille/Frankreich wegen eines Sturms nicht mehr gesegelt worden war, feierte die Mannschaft um Skipper Markus Wieser aus Starnberg als Neuling gleich den ersten Saisonsieg.

Das deutsch-französische Audi Sailing Team powered by All4One mit Steuermann Jochen Schümann(Penzberg) zeigte sich im Vergleich zum Saisonauftakt verbessert, blieb jedoch auf Platz sieben. In der Gesamtwertung der fünfteiligen Veranstaltung führt die „Quantum Racing“ (Ed Baird/USA), die Zweite wurde, noch mit elf Punkten vor der „Container“.

Der berüchtigte Mistral wehte mit Windstärke sieben bis acht übers Mittelmeer, das von weißen Schaumkronen nur so übersät war. Bis 14.30 Uhr mussten die Segler warten, ehe die Wettfahrtleitung das letzte noch ausstehende Rennen endgültig absagte. Dann durfte im Cockpit der „Container“ lauthals gejubelt werden; Champagner spritzte und viele Hände wurden geschüttelt.

„Wir hätten uns gerne noch einmal bewiesen, aber natürlich sind wir über den Sieg auch so überglücklich“, sagte Wieser. „Bei diesen Bedingungen war wirklich an sicheres Segeln nicht zu denken. Wir sind nur mäßig in die Regatta gestartet, haben uns im Laufe der Woche aber immer weiter gesteigert und fühlen uns als verdiente Sieger.“

Als die Mannschaft in der französischen Hafenstadt die Marseille Trophy überreicht bekam, befand sich Udo Schütz bereits wieder auf dem Heimweg. Zwar war der Industrielle aus dem Westerwald eigens für das geplante letzte Rennen eingeflogen, er konnte aber trotz unverrichteter Dinge rundum zufrieden sein.

„Das Team hat in der noch jungen Saison bereits auf ganzer Linie überzeugt“, so Schütz, „das macht mich stolz.“ Sein Skipper gab das Lob zurück und nannte einen wichtigen Erfolgsfaktor:

„Ich hatte vom Eigner bei der Crewzusammenstellung völlig freie Hand. Dadurch harmonieren wir seit Beginn großartig. Das Team ist hochmotiviert und will auch am Ende der Saison auf dem Treppchen stehen.“ An Bord sind außer Wieser mit Matti Paschen und Dirk Neumann (beide Hamburg) sowie Tom Swift (Kiel) drei weitere Deutsche.

Das Podium ist und bleibt auch das Saisonziel von Jochen Schümann, wenngleich er mit dem Endergebnis erneut nicht zufrieden war. „Trotzdem haben wir uns stark verbessert haben, vor allem am Boot“, erklärte der zweimalige Olympiasieger. „Unsere Vorwindgeschwindigkeit, die in Portugal noch fürchterlich war, ist weitgehend im Soll. Das baut wieder Selbstvertrauen auf. Seglerisch machen wir noch zu viele kleine Fehler und lassen kleine, aber mitentscheidende Chancen aus.“

Mit einem Tagessieg und zwei dritten Plätzen unter anderem auch im Küstenrennen, das 1,5-fach gewertet wurde, ließ das Audi Sailing Team aufhorchen. Dem standen jedoch auch letzte Plätze gegenüber, es fehlt noch an Konstanz.

Schümann: „Wenn dann auch noch Pech hinzu kommt, gehen immer wieder Punkte verloren.“ So war die „All4One“ bei der Langstrecke mit hoher Geschwindigkeit auf einen Mondfisch getroffen, der sich am Ruderblatt verkeilte. Erst durch Aufstoppen und Rückwärtssegeln konnte sich die Crew aus der misslichen Frage befreien.

In der ersten Hälfte der Regatta hatten Markus Wieser & Co. zunächst leichte Startschwierigkeiten gehabt. Nach den mittleren bis starken Winden in Cascais, wo die Neuling sensationell Zweite geworden waren, schien die „Container“ in schwächerer Brise nicht ganz so schnell unterwegs zu sein.

„Für mich waren es die ersten Leichtwindstunden am Steuer einer TP 52“, so der 46-jährige Wieser. „Außerdem klappen meist bei allen Teams die Leichtwind-Manöver reibungslos. So kommt es ausschließlich auf Taktik und Geschwindigkeit an.“

Doch Großsegeltrimmer Hartwell Jordanaus den USA und Taktiker Hamish Pepper aus Neuseeland sind ausgekochte Profis, zwei America’s Cup-erfahrene Top-Segler. Und so schlug die „Container“ die anfangs als nahezu unbezwingbar geltende „Quantum Racing“ am Ende fünfmal in Folge.

Für die Teams heißt es jetzt, die Stärken und Schwächen nochmals genau zu analysieren, bevor der Audi MedCup Circuit 2011 nach Italien weiterzieht. Der nächste Event findet vom 19. bis zum 24. Juli in Cagliari auf Sardinien statt.

Marcus Wieser ist indes zunächst auf dem Weg zur Kieler Woche, wo er am Montagabend (20. Juni) eintrifft und an den letzten beiden Tagen der Olympiaausscheidung die führende Berliner Starboot-Crew Robert Stanjek/Frithjof Kleen coachen wird. Nach dem Giraglia Rolex Cup auf dem Maxiracer „Esimit“ wird Jochen Schümann am nächsten Wochenende ebenfalls in Kiel erwartet.

TP 52-Endstand:
1. Container (Selters), Skipper Markus Wieser, (7+3+4+6+2+3+2+1,5) 28,5 Punkte
2. Quantum Racing (USA), Ed Baird, (4+1+1+8+3+4+3+6) 30
3. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), Guillermo Parada, (1+7+3+7+5+5+6+3) 37
4. Bribón (Spanien), Gonzalo Araujo, (3+2+6+5+8+1+4+9) 38
5. Synergy Russian Sailing Team (Russland), Eugeniy Neigodnikov, (2+4+7+2+6+6+5+7,5) 39,5
6. Ràn (Schweden), Niklas Zennström, (5+5+2+4+4+2+9 (DSQ)+10,5) 41,5
7. Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel), Jochen Schümann, (6+6+8+3+7+8+1+4,5) 43,5
8. Gladiator (Großbritannien), Anthony Langley, (8+8+5+1+1+7+9 (DNF)+12) 47

Gesamtstand im Audi MedCup Circuit 2011 (nach zwei von fünf Regatten)
TP 52-Serie
1. Quantum Racing (USA), 49 Punkte
2. Container (Selters), 60
3. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), 69,5
4. Synergy Russian Sailing Team (Russland), 76,5
5. Ràn (Schweden), 82
6. Bribón (Spanien), 85,5
7. Audi Sailing Team Powered by All4One (Kiel), 101,5
8. Gladiator (Großbritannien), 132,5

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