Ich werde Mitglied
Ich bin Mitglied Heute noch nicht Ich schau mal

Barcelona World Race: Jörg Riechers über den Umbau des neuen 60ers “Mare”

"Operation am offenen Herzen"

Für Jörg Riechers steht das kommende Jahr 2014 ganz im Zeichen des Barcelona World Races, das am 31.12. startet. Um mit der sechs Jahre alten Konstruktion konkurrenzfähig zu sein, wird das Schiff zurzeit aufwendig umgebaut. 

Riechers segelte seinen Open 60 "Mare" schon mit reichlich Druck beim Fastnet Race. Mit neuem Bug will er auch mit den Besten mithalten. © Breschi/Mare

Riechers segelte seinen Open 60 “Mare” schon mit reichlich Druck beim Fastnet Race. Mit neuem Bug will er auch mit den Besten mithalten. © Breschi/Mare

Riechers beschreibt für SR die Maßnahmen an dem Schiff, das sein Sponsor Nikolaus Gelpke im Januar erwarb. Michel Desjoyeaux von Bruce Farr hatte es sich 2007 zeichnen lassen. Er gewann damit die  Vendée Globe 2008-09. Und unter dem Namen “Mapfre” puschten die spanischen Hochsee-Novizen Martinez/Fernandez den Renner zu Rang zwei beim vergangenen Barcelona World Race.  Jérémy Beyou schied dann bei der jüngsten Vendée Globe damit aus.

 

Das neue Schiff für Jörg Riechers

Das neue Schiff für Jörg Riechers bald mit mare Branding. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

“Als mein Sponsor Nikolaus Gelpke unseren Open 60 im Januar dieses Jahres kaufte, haben wir im Team sofort damit angefangen, Pläne zu schmieden wie das Boot schneller gemacht werden könnte. Wir wussten, dass die neuen Boote der 2012 Generation gut 3,5 bis 4 Prozent schneller sind als Mare in der 2012er Konfiguration.

Dabei war die Idee verlockend, L-Schwerter zu installieren, die für Auftrieb sorgen können. Nach IMOCA Regeln ist es jedoch verboten den Anstellwinkel zu verändern, und deshalb verwarfen sir diese Modifikation.

Als nächste Idee überlegten wir, den Kiel Anstellwinkel zu verändern um Auftrieb zu erzeugen. Dazu hätte man jedoch die Gesamte Kiel- und Bodenstruktur des Bootes ändern müssen. Das wäre zu teuer und kompliziert gewesen.

Mare Bug

Der Mare Bug ohne Außenhaut. © Mare

Allerdings weisen die älteren Farr Designs alle das Manko von zu wenig Volumen im Bug auf. Sie entwickeln dadurch wenig Power auf Reachkursen und haben auch ein gravierendes Problem mit dem Unterschneiden. Also widmeten wir uns der Idee das Bug-Volumen zu erhöhen.

Das hatten wir für den Mini für die 2013er Saison auch getan, mit guten Erfolg. Aber die Methode, die wir beim Mini gewhält haben – einfach Schaum aufkleben, shapen und überlaminieren – würde beim Open 60 kaum funktionieren. Das Schiff würde dann locker 300 bis 400 Kologramm schwerer.

Mare Bug

Die neue Bug Schale wird angepasst. © Mare

Also beaufragten wir VPLP Verdier mit der Performance Analyse und HDS mit der Struktur Analyse der Modifikation. Die Aussichten waren viel besser als wir zu hoffen gewagt hätten. Das Boot würde deutlich leichter werden, weil wir 250 Kilogramm Gewicht aus dem Kiel nehmen können bei gleicher Stabilität.

Das VPP Programm ergab, dass unser Open 60 auf Reachkursen drei Prouzent schneller werden würde. Vor dem Wind ab 15 Knoten Wind wären es 2,8 Prozent Leistungszuwachs. Am Wind immer noch 1  bis 1,5 Prozent – Bingo das wars.

Wenn die Zahlen stimmen, sind wir in Schlagdistanz zu den neuen Booten. Die bleiben immer noch ein wenig schneller, aber wenn wir gut taktieren, könnte im Rennen einiges möglich sein.

Mare Bug

So sieht die neue Form aus. © Mare

Die Modifikation selbst ist ein wenig wie eine Operation am offenen Herzen, zumal sie so noch nie bei einem IMOCA durchgeführt wurde. Aber warum soll nicht bei einem IMOCA funktionieren was beim America’s Cup funktioniert?

VPLP entschied, die ersten 8,30 Meter des Bootes auszutauschen. Bei der Werft CDK in Lorient wurden die betreffenden Sektionen herausgesägt. Nur die Schotten und Ballasttanks wurden belassen. Zur gleichen Zeit baute CDK in Port La Foret die neue 8,30Meter lange Bugsektion aus Carbon Nomex Sandwich.

Mitte Dezember – gerade als ich vom TJV zurückkam – war der große Moment gekommen. Die neue Bugsektion wurde angepasst. Ein echter Meilenstein für das Projekt.

Mare Bug

Böser Bug. © Mare

Wenn ich nun den neuen Bug an unserem Open 60 sehe, verstehe ich, was die Designer meinten als sie sagten: “das wird der Bug mit der meisten Power in der Class IMOCA werden”. Ja sie haben recht – Mare hat jetzt mehr Bugvolumen als Macif oder das Juan K Design “Poujoulat” von Bernhard Stamm.

Ich kann es kaum erwarten, das Boot in der neuen Konfiguration das erste Mal zu segeln. Aber eines sollte klar sein. Mit dem neuen Bug soll man beim Barcelona World Race mit uns rechnen können.”

http://stickl.com/Stickl_Sportcamp_Gardasee___Se-1-172.htm

6 Kommentare zu „Barcelona World Race: Jörg Riechers über den Umbau des neuen 60ers “Mare”“

  1. avatar Alex sagt:

    Hat jemand einen Plan für was die platte Fläche am Bug ist?

    Bleibt das so? Das drückt doch an der Kreuz den Bug nach lee.
    Oder kommt da noch eine Crashbox dran?

    Like or Dislike: Thumb up 1 Thumb down 0

  2. avatar Stefan sagt:

    Da kommt die sog. Crash Box hin. Die bewirkt, dass wenn das Schiff stumpf etwas trifft, der Rumpf nicht so leicht ein Leck bekommt, sondern dass nur der Schaum oder aus was auch immer das Segment besteht zerbröselt.

    Like or Dislike: Thumb up 3 Thumb down 0

  3. avatar dubblebubble sagt:

    Na hoffentlich hat man da an der Verbindung alt zu neu lieber eine Lage mehr als weniger laminiert – siehe Stamm-Crash.

    Ansonsten Viel Erfolg! Es wäre geil, wenn ein deutscher Skipper den Franzosen mal zeigt wo bei den Open 60 der Hammer hängt *g*

    Like or Dislike: Thumb up 2 Thumb down 0

  4. avatar jorgo sagt:

    Warum nicht gleich einen Plattbug?

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


7 − 7 =