Barcelona World Race: Ruderprobleme für Riechers – Jury spricht Zeitstrafe aus

Plötzlich klappt das Blatt hoch

Nach neun Tagen auf See verlieren Jörg Riechers und Seb Audigane nach wie vor Boden auf das Führungsquartett, auch wenn der Tracker Rang drei vorgaukelt. Tasächlich liegen sie gut 200 Meilen zurück.

Jörg Riechers

Jörg Riechers und Sébastien Audigane genießen zurzeit perfekte Segelbedingungen. © Riechers/Audigane

Das Barcelona World Race ist zurzeit spannender als erwartet, da sich die vier führenden Yachten einen intensiven Schlagabtausch liefern. Aber Jörg Riechers und Sébastien Audigane können bisher noch nicht wie erhofft in diesen Kampf eingreifen.

Riechers wird auf Rang drei geführt liegt aber noch weit zurück.

Riechers wird auf Rang drei geführt liegt aber noch weit zurück.

Der Tracker führte “Renault Captur” zwar zwischenzeitlich auf dem angestrebten Platz drei, aber das ist ein Fehler im System. Offenbar wird der direkte Weg zur nächsten Landmarke am Kap der Guten Hoffnung gemessen. Da Riechers und Audigane den bisher östlichsten Kurs auf dem Weg nach Süden nahmen wurden sie plötzlich vor “Hugo Boss” geführt. Eine völlig unrealistische Angabe.

Tatsächlich führt das britische Boot das Feld an nach einer mutigen westlichen Passage der Kapverden, bei der sich Thomson und Ribes deutlich vom Feld entfernten. Sie verfolgen damit eine eher unübliche Strategie, die mit ihrem leicht überlegenen Material verwundert. Aber bisher haben sie Erfolg.

West is best

Der tatsächliche Rückstand zur Spitze liegt ohne die wohl noch notwendige Halse um die 200 Meilen.

Der tatsächliche Rückstand zur Spitze liegt ohne die wohl noch notwendige Halse um die 200 Meilen.

Allerdings war der klassische Kapverden Move nach dem überlieferten Motto “West is best” schon für Abu Dhabi bei der ersten Volvo Ocean Race Etappe sehr effektiv und schließlich die Basis für den Etappensieg.

Riechers und Audigane haben sich die Halse nach Westen bisher gespart, um nicht noch mehr Boden zu verlieren. Vielleicht sehen sie bei der angepeilten Passage der Doldrums auch ein Fenster im Osten, das sich für sie öffnet.

Ob ihr Speed im Vergleich zur Konkurrenz passt, ist sehr schwer festzustellen, da sie permanent in anderen Windbedingungen segeln. Aber sie puschen hart, denn die Bedingungen erfordern es, dass permanent Ruder gegangen werden muss. Der Autopilot steuert im Extrem-Glitsch nicht schnell genug.

Traumbedingungen

Die Flotte muss etwa entlang der roten Linie um die Welt segeln.

Die Flotte muss etwa entlang der roten Linie um die Welt segeln.

27 Knoten hatten sie schon auf der Uhr.  Alex Thomson schafft zurzeit sogar Durchschnittswerte von 22 Knoten. Es herrschen Traumbedingungen für die 60 Fußer. Die Crews genießen es, auch wenn das Steuern sehr anstrengend ist. “Seit dem Start haben wir nicht viel geschlafen”, sagt Audigane. “Wir wechseln uns in kurzen zweistündigen Sequenzen ab. Später sollte es einfacher sein, etwas auszuruhen.”

Wie fies muss es da sein, wenn im vollen Glitsch, das Leeruder hochklappt. Dieses Malheur passiert der “Renault Captur” als sie mit 20 Knoten unterwegs war. Ein Objekt im Wasser riss das Blatt hoch und das Boot schoss in den Wind. “Wir rollten den Gennaker ein und fixierten das Ruder wieder”, sagt Audigane. Ein größeres Problem war es wohl nicht aber es dauerte eine halbe Stunde, bis das Schiff wieder auf Kurs war.

Jury spricht Zeitstrafe aus

So muss das Trennungsgebiet korrekt gequert werden.

So muss das Trennungsgebiet korrekt gequert werden.

Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang auch die Zeitstrafe, die von der Jury wegen der fehlerhaften Gibraltar Passage ausgesprochen wurde. 20 Minuten muss das Schiff parken, der Zeitpunkt ist ihnen offenbar selbst überlassen. Riechers hat angekündigt in den Doldrums einparken zu wollen, wo ohnehin langwierige Flauten warten.

Das Duo ist im Verkehrstrennungsgebiet auf die südliche Seite geraten und hätte diese auf schnellstem Weg im 90 Grad Winkel queren müssen. Für ähnliche Vorfälle bei der Passage des Gebiets vor dem spanischen Kap Finisterre waren beim vergangenen Vendée Globe Race gleich sieben Segler mit Stopp-Strafen zwischen 20 und 180 Minuten belegt worden.

Die hochgeklappten Ruder auf "Renault Captur". © Konrad Kubisch

Die hochgeklappten Ruder auf “Renault Captur”. © Konrad Kubisch

Aber die Stimmung an Bord der “Renault Captur” ist nach wie vor angriffslustig. “Wir arbeiten hart, trimmen viel und hoffen heranzukommen, wenn wir die Doldrums erreichen. Dabei wollen wir keine großen Risiken eingehen. Neben dem Ruderproblem hatten wir noch keine großen Vorfälle. Nur kleine Reparaturen an der Elektronik und am Computer System. Das Boot ist gut in Form und wir pflegen es gut.”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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