Barcelona World Race: Spitzenreiter „Virbac-Paprec 3“ mit Reparaturstopp in Neuseeland

In Wellington pausieren Dick und Peyron erneut

"Virbac-Paprec" muss den zweiten Stopp einlegen, wegen kaputter Mastrutscher (roter Kreis). © FNOB

Zur Halbzeit des Barcelona World Race legen die französischen Spitzenreiter Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron mit ihrer „Virbac-Paprec 3“ überraschend einen Reparaturstopp in Wellington/Neuseeland  ein und werden dort laut Reglement 48 Stunden festgehalten.

Diese zwei Tage könnten den zuletzt 550 Seemeilen zurückliegenden Verfolgern Iker Martínez und Xabi Fernández aus Spanien reichen, um mit ihrer „Mapfre“ die Führung zu übernehmen.

Boris Herrmann verfolgt mit seinem Co-Skipper Ryan Breymaier aus den USA auf der „Neutrogena“ auf Rang sieben weiter die „Mirabaud“ von Dominique Wavre/Michèle Paret (Schweiz/Frankreich), die rund 20 Seemeilen Vorsprung verteidigen. Beide Boote liegen noch weit mehr als 1.500 Seemeilen, hochgerechnet fünf bis sechs Tage von der Passage der Cook-Straße zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands entfernt.

Die Situation am 16.2. "Virbac" ist fast in Wellington angekommen. "Mapfre" auf Platz zwei liegt 526 Meilen zurück und könnte knapp die Führung übernehmen. Boris Herrmann (2.v.l.) kann einen sehr direkten Kurs steuern und holt im Moment auf die Spitze auf. Vielleicht muss auch "Renault" auf Platz vier stoppen. "Hugo Boss" (l.) ist wieder deutlich langsamer geworden.

Um 20.05 Uhr deutscher Zeit klingelte am Dienstagabend das Telefon von Regattaleiter Denis Horeau im Start- und Zielhafen Barcelona. Am anderen Ende (der Welt) sprach Titelverteidiger Jean-Pierre Dick: „Wir haben zwei gebrochene ‚Lattenwagen‘ (Rutscher, d. Red.) des Großsegels, die müssen wir ersetzen, um sicher durch den Pazifik und später den Atlantik weitersegeln zu können.“

Diese Rutscher oder Wagen (Englisch: batten cars) am Ende der Segellatten sind die Verbindungen, an denen das Großsegel am Mast entlang hochgezogen wird. Besteht eine dieser Verbindungen nicht mehr, kann das Segel quasi nicht mehr getrimmt werden und droht, komplett vom Mast abzureißen oder selbst zu zerreißen, womit ein schnelles Fortkommen passe wäre.

Erst knapp zwei Stunden zuvor hatte die „Virbac-Paprec 3“ als Erste Farewell Point, den Nordzipfel von Neuseelands Südinsel passiert und den Kurs auf die Cook-Straße abgesteckt. Der Schaden ereignete sich, als die Mannschaft das Groß reffen (verkleinern) wollte.

„Dies ist bereits der zweite Bruch“, berichtete Dick, „das erste dieser Teile war schon kurz nach dem Re-Start in Recife kaputt gegangen. Jetzt haben wir keines zum Tauschen und kein Vertrauen in den Ersatz mehr. Ein Damoklesschwert würde über der Weiterreise schweben. Das wäre unverantwortlich.“

In der brasilianischen Hafenstadt am Atlantik hatte die Crew bereits im Januar einmal stoppen müssen, um eine herausgerissene Schiene der Großschot reparieren zu lassen. Für den frühen Rennabschnitt galt allerdings die 48-Stunden-Zwangspause noch nicht.

Die „Virbac-Paprec 3“ hatte sich nach einer grandiosen Aufholjagd wieder an die Spitze des Felds gesetzt und einen komfortablen Vorsprung zäh verteidigt. Ihr härtester Widersacher, die ebenfalls französische „Foncia“ von Michel Desjoyeaux und François Gabart, hatte bei Südafrika mit einem Mastbruch ganz aufgegeben.

Es war nach der „Président“ von Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien) mit Mastbruch bei den Kapverdischen Inseln bereits der zweite Totalausfall unter 14 gestarteten Teilnehmern.

Die Nachricht vom Reparaturstopp der Gesamtführenden ereilte Herrmann und Breymaier noch vor Mitternacht; es überraschte sie allerdings nicht besonders. „Die ‚Virbac-Paprec 3‘ ist ein absoluter Leichtbau an der Grenze des Machbaren“, sagte Ryan Breymaier über Iridiumtelefon, „wenn die das Boot so hart pushen wie üblich, ist es nicht ungewöhnlich, dass immer wieder etwas kaputt geht.“

Außer den Großsegelbeschlägen soll auch eine der beiden vor Spritzwasser schützenden Halbschalen im Cockpit gebrochen sein und es „weitere kleine Materialschäden“ geben, so der Bordbericht der Betroffenen.

Auf diesen Notstopp war die Technikabteilung des Teams nicht vorbereitet. Vor Ort ist nur der Manager Luc Talbordet, der seine Segler bei der Passage der Cook-Straße begrüßen und anfeuern wollte. Doch das Schiff wurde in Neuseeland gebaut, und in der Hauptstadt der Segelnation, Wellington, dürfte jede notwendige Hilfe ohne weiteres zu erhalten sein.

ONSAILCTM
„Solche Probleme wünschen wir keinem Gegner“, meinten Breymaier und Herrmann, „aber für uns ist es natürlich gut. Wir gewinnen zumindest zwei Tage auf die Spitze.“ Dort dürfte das Rennen am Freitag (18. Februar) „noch einmal von vorn beginnen“, schätzt Jean-Pierre Dick, der auch einen leichten Rückstand auf die Spanier mit “Mapfre” nicht fürchtet, sobald sein Boot wieder voll einsatzfähig ist. Aber die Olympiasieger von 2004 im 49er, Martínez/Fernández, überraschten bisher mit starker Leistung und wittern nun ihre große Chance.

Unterdessen bestätigte auch die Mannschaft der „Groupe Bel“ (ebenfalls Frankreich), dass sie in Neuseeland vorrübergehend anhalten wird. Die auf Rang vier liegenden Kito De Pavant und Sébastien Audigane haben zwei völlig zerrissene Vorsegel, ohne die sie langfristig vermutlich zurückfallen würden.

Spekulationen gibt es auch um die dahinter liegende „Renault“ der Spanier Pachi Rivero und Antonio Piris. Sie hatten zwischendurch ein Problem mit dem Großsegel und nach und nach den Anschluss an die Spitzengruppe verloren. Müssten sie auch zur Reparatur einlaufen, könnten Boris Herrmann und Ryan Breymaier wahrscheinlich vorbeiziehen und einen Platz aufrücken, da der Rückstand zuletzt weniger als 400 Seemeilen betrug. Auf die „Groupe Bel“ waren es noch mehr als 800, die in zwei Tagen selten zu schaffen sind.

Mit Blick auf die jüngsten Zwischenstände atmeten die Fans in Deutschland auch wieder etwas ruhiger. Hinter der „Neutrogena“ hatte die vor Beginn der Regatta mitfavorisierte „Hugo Boss“ an den Vortagen mächtig aufgeholt und die Frauencrew Dee Caffari/Anna Corbella (Großbritannien/Spanien) auf der „GAES“ geradezu stehengelassen.

Als nächste nahmen Ersatzskipper Wouter Verbraak aus den Niederlanden, der für Alex Thomson (erst Blindarmoperation, dann herzkrankes Baby) kam, und der Neuseeländer Andy Meiklejohn das deutsch-amerikanische Duo ins Visier. Doch der Abstand zu Herrmann/Breymaier stabilisierte sich bei mehr als 200 Seemeilen.

Mit der taktisch geprägten Passage Neuseelands und der rund um die Inseln unsteten Windbedingungen könnten es im Klassement nochmals rauf und runter gehen. Und die Regattaleitung hat auch im anschließenden Südpazifik die Route wegen Eiswarnungen entschärft.

Das hatte bereits im Indischen Ozean dazu geführt, dass die typischen Starkwind- und Sturmlagen des Südpolarmeers weitgehend ausblieben, weil diese nördlich umfahren werden mussten. Mit einer Zielankunft der ersten Boote wird inzwischen nicht mehr vor Anfang April gerechnet, die Platzierten entsprechend mehrere Tage, die Letzten gar Wochen später.

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2 Kommentare zu „Barcelona World Race: Spitzenreiter „Virbac-Paprec 3“ mit Reparaturstopp in Neuseeland“

  1. avatar sagt:

    Hat Bernie Ecclestone etwa den Quarz in seiner Fernbedienung getauscht und macht jetzt Segelrennen spannend?

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  2. avatar Hanjo sagt:

    Klingt nach einer “2 Boxenstopps” Strategie.

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