Goldenen Sportpyramide: Wie Jochen Schümann bei der Benefizgala geehrt wurde

Roter Teppich

Jochen Schümann

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (links) und der Vorsitzende des Stiftungsrats der Deutschen Sporthilfe, Markus Schächter, überreichten Jochen Schümann die Goldene Sportpyramide 2014. © Dirk Laessig

Der Concierge am Portal des altehrwürdigen Hotels Adlon Kempinski besorgte gut betuchten Gästen per Handy noch schnell zwei Eintrittskarten für das DFB-Pokalendspiel (Stück 900 €!), da rollten auch schon die schwarzen S-Klassen vor. Vor allem die weiblichen Sportstars lösten am roten Teppich zuweilen tumultartiges Gedränge der Boulevardpresse aus. Bei Maria Höfl-Riesch, Lena Schöneborn, Kati Witt und Gewichtheber Matthias Steiners in knallroter Robe auffallenden Frau Inge setzte es Ellenbogen unter den Fotografen. So viel Aufmerksamkeit zur Benefizgala der Stiftung Deutsche Sporthilfe erfuhr nur noch der graubärtige „Kaiser“ Franz Beckenbauer mit Gefolge.

Zu dem Zeitpunkt stand Jochen Schümann in Smoking und Fliege mit seiner Frau Cordula schon im festlich sportiv geschmückten Ballsaal der Nobelherberge und schüttelte die ersten Gratulationshände. Busserl links und Küsschen rechts der Stars und Sternchen, die meisten kannten sich. Am Ehrentisch eingerahmt von DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Bundesinnenminister Thomas de Maizière gab’s Gelee und Schaum von der Strauchtomate, gebeiztem Lapin, Ölrauke und Parmesanchip. Ein rundum angemessener Rahmen, dessen Höhepunkt die Verleihung der Goldenen Sportpyramide 2014 werden sollte.

Zigaretten und Beruhigungspillen

Doch zuvor regierte König Fußball auch die Welt der anderen Disziplinen, die der Sporthilfe noch viel mehr am Herzen liegen, finanzieren sie sich doch nicht von allein. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erinnerte an das WM-Finale 1974 in München, währenddessen „ich so viele Zigaretten geraucht habe, wie Fritz Walter Beruhigungspillen geschluckt hat“.

Weltmeister Beckenbauer erhielt für seine Unterstützung des gleichnamigen Fonds, in den auch Schümann ein Drittel seines 25.000-Euro-Preisgelds stiftete, den Joachim-Deckarm-Preis. Das führte den Aktiven und den Ehemaligen nochmals vor Augen, wie schnell der Sport auch Schicksal sein kann. Deckarm war 1979 beim Handball in Ungarn auf den Hinterkopf gefallen und ist seitdem schwerstbehindert.

Nach Maibock im Brotmantel – der Hauptgang soll kein Starkbier gewesen sein! – schritt de Maizière um viertel nach zehn zu seiner nicht ganz sattelfesten Laudatio über jemanden, den er erst zwei Stunden vorher kennengelernt hatte. Die Herausforderungen des Hochseesegelns faszinierten den Nicht-Segler, der jedoch für eine eh in den Sternen stehende deutsche America’s Cup-Kampagne keine Bundesmittel zusagen konnte.

Streng, zäh und perfektionistisch

„Jochen Schümann ist ein Großer des Sports und ein Großer für unser Land“, so der Innen- und damit auch Sportminister im Pflichtteil, „er gilt als streng, zäh, perfektionistisch, führungsstark und sehr ehrgeizig.“ Die Silbermedaille von Sydney 2000 als grausamste Niederlage zu verbuchen, zeuge von einem unglaublichen Niveauanspruch an sich selbst. De Maizière: „Das muss sich erstmal jemand trauen zu sagen!“

Der Laudator betonte auch die Kontinuität der Erfolge in zwei verschiedenen Sportsystemen der DDR und im vereinten Deutschland. Es gebe nicht viele Athleten, die sich über die Wende hinaus so lang anhaltend in der Weltspitze durchgesetzt haben. „Im Westen wuchsen auch Neider heran, die ihn als Gold-Broiler titulierten“, erwähnte der Politiker, „Jochen Schümanns Leben und die Laufbahn waren nicht immer auf Rosen gebettet.“

Als der Vorsitzende des Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe, Markus Schächter, den 260 mit 115 Olympiamedaillen dekorierten Gästen verriet, dass die Wahl Schümanns einstimmig erfolgt sei, gab es nach der Überreichung der Golden Sportpyramide durch ihn und de Maizière wahrsten Sinne des Wortes stehende Ovationen für den Preisträger. Ein sechsminütiger Film über die Stationen der Weltkarriere zog auch die Landratten in den Bann. „Schümi“ genoss den Moment der „großen Ehre“ mit Dank an seine Frau und Familie, „auf die ich immer gehört habe“.

Heldenstatus fraglich

„Eigentlich hätte ein Segler die Auszeichnung ja gar nicht bekommen dürfen“, spielte Jochen Schümann auf einen vorangegangenen Vortrag des Darmstädter Professors Karl-Heinrich Bette an, der die Soziologie des Heldenstatus analysierte. Neben Schümann waren die Fußball-Weltmeister 1974, Sepp Maier und Gerd Müller sowie posthum die paralympischen und olympischen Wegbereiter Sir Ludwig Guttmann und Karl A. W. Gebhardt in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen worden.

Als Sternekoch Kolja Kleeberg in Doppelrolle („Krüger rockt!“) aufspielte und danach typische Berliner Currywurst kredenzte, lockerte sich die Atmosphäre zusehend. Endlich hatte Jochen Schümann auch Zeit, bei einem Glas Champagner mit seinem Entdeckertrainer Dieter Giebelt von Yacht-Club Berlin-Grünau über damals und heute zu plaudern. Er hatte den jungen Schümann noch vor Erfolgscoach Bernd Dehmel vom Schul- zum Leistungssport geführt.

Thomas Piesker kam mit Britta Oppelt

Und noch eine Überraschung traf ihn im Foyer: Thomas Piesker, Cheftrainer des Deutschen-Segler-Verbands (DSV), war fast zufällig „als Spielerfrau“ zu Gast. Er ist mit der Ruderin Britta Oppelt leiert, dreifache Olympiamedaillengewinnerin. „Ich habe aus der Zeitung erfahren, dass Jochen die Pyramide bekommt, und war natürlich sehr überrascht und erfreut zugleich.“ Pieskers Vater ging mit ihm zur Schule, und beide sind Mitglied im YCBG.

Zum Streitgespräch zwischen dem Gründer und Aufsichtsrat des Sailing Team Germany und dem Verbandsvertreter über jüngst kritisierte Parallelstrukturen in der Förderung kam es aber nicht. Zum einem ist Piesker kein Hardliner und zum anderen war der Anlass für den Segelsport viel zu schön, um ihn in der Nacht noch zu zerreden. Gegen halb drei verließ der Preisträger als einer der Konditionsstärksten die Lounge des „Adlon“. Nur Handballlegende Heiner Brandt bewies noch etwas mehr Stehvermögen und machte den Besendienst.

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Ein Kommentar „Goldenen Sportpyramide: Wie Jochen Schümann bei der Benefizgala geehrt wurde“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Glückwunsch, Jochen! Well done!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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