Big Pictures: Das Geheimnis hinter den unförmigen Lee-Spinnakern auf IOR Yachten

Bloopern statt geigen

Vor einiger Zeit haben wir auf unserer SR Facebook Seite das Bild von einem Zweimaster gepostet, der von drei Spinnakern angetrieben wird. Ein Leser weiß, was es damit auf sich hat.

Blooper

Jede Menge Tuch. Zweimaster mit Blooper an Backbord.

Auf alten Fotos von IOR Yachten Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre sieht man die Rümpfe auf dem Vorwindkurs oft unter Wolken von Segeln verschwinden. Neben den großen Topp-Spinnakern wurden so genannte Blooper auf der Seite des Großsegels gesetzt.

SR-Leser Claus Müller hat während seiner Lehre als Segelmacher solche Lee-Spinnaker in den Händen gehabt. Er erklärt: “Das waren für die damalige Zeit ziemlich komische Segel, da sie total asymmetrisch geschnitten sind. Das Vorliek musste auf das Seitenliek vom Spinnaker passen und war daher hohl, das Achterliek dagegen plus gestrakt.

Blooper

Der Blooper war das Gegenstück zum großen Spinnaker, um vor dem Wind den Segelplan auszubalancieren.

Diese so genannten Blooper waren notwendig geworden, weil sich die IOR Schiffe mit Toprigg immer größere Genuas setzten und die Großsegel sehr schmal ausfielen. Daraus resultierte besonders auf dem Vorwindkurs ein Ungleichgewicht, weil der große Topp-Spinnaker den Lateralplan aus der Balance brachte. Das Großsegel war zu klein.

Heftiges Geigen

Bei starkem Wind ließen sich die Yachten mit den riesigen Spinnakern einfach nicht mehr steuern. Sie fingen an, heftig zu geigen. Der Blooper war nun der Versuch durch zusätzliche Segelfläche neben dem Großsegel den Segeldruckpunkt wieder auf die Mitschiffslinie zurückzuholen.

Daher gab es am Hals dieses Segels einen langen Stropp, der auf dem Vorschiff eingepickt wurde und eine „Quasi-Schoot“ ganz nach achtern, manchmal auch zur Baumnock. Und damit das Ganze dann schön weit ausweht wurde das Fall nur etwa zwei Drittel dicht gesetzt. Über das Holen und Fieren des Falls wurde das Segel  getrimmt.

In der Halse schmiss man die „Schot“ los und ließ den Blooper vorne um das Vorstag wehen, während der Spi darunter normal geschiftet wurde. Wichtig war, dass man für das Bergen immer auf der Seite endete, wo man den Spi gesetzt hatte. Denn sonst vertörnten alle Fallen im Topp und es musst jemand in den Mast klettern.”

Claus Müller ist ausgebildeter Segelmacher, arbeitete dann zwei Jahre bei Reckmann. Es folgten acht Jahre bei Pantaenius und seit zwölf Jahren ist er Gutachter hauptsächlich im technisch/kaufmännischen Projektmangement für Yachten mit alternativen Antriebsarten.

Lady Be, Blooper

Die Frers 46 “Lady B” unter Vollzeug. Sie segelt inzwischen in Holland.

Lady B, Blooper

Der Tack-Leine des Bloopers wird am Bug befestigt. Bei der Halse schwingt das Segel vor dem Vorstag herum.

Lady Be, France.

This Frers 46 is now sailed in Holland.

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6 Kommentare zu „Big Pictures: Das Geheimnis hinter den unförmigen Lee-Spinnakern auf IOR Yachten“

  1. avatar indubioproastrapils sagt:

    “Womper?” “Ja, den Womper! Hör einmal im Leben auf mich!” “Ääh, Jungs, zieht den, ääh, Wimper..” “Womper!” “..den Womper hoch…!”

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

  2. avatar Alex sagt:

    Die Segel ändern sich, die Probleme bleiben.

    Ich rüste ein Kutterstagsegel nach. Nein, nicht für Sturm. Nur als Gegenlast für den Drehmoment der vom Code-0 erzeugt wird.

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    • avatar Olli Schmidt-Rybandt sagt:

      Welches Drehmoment wird denn vom Code0 erzeugt?

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      • avatar Alex sagt:

        Schot nach luv bei zunehmendem Wind.
        Bei 2 Bft. wirst Du das aber sicher noch nicht merken.
        Hängt auch davon ab, wie lange der Bugsprit ist. Bei einem langen Rüssel ist das wegen den 55% nicht so aufregend. Da lässt man aber auch unter Gennaker, bei zunehmendem Druck, gerne die Fock zum Stützen stehen.
        Nur bei einer festen Nase ist der Abstand zur Fock einfach zu gering. Da kommt dann das Kutter in’s Spiel.

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