Open 60 im Nordatlantik

Boris Herrmann schreibt: "Es heult, zittert und rüttelt."

Spritzwasser kracht über den Bug des Open 60s mit dem Code-Namen "V1". Die Brecher reichen bis zur Höhe des Luvschwerts. Der Flügelmast ist angestellt. Die Outrigger... © borisherrmannracing.com

... halten den Mast. Die stabilen Quer-Bäume, an deren Enden die Wanten befestigt sind, verringern den nötigen Stauchdruck auf den Mast. Dafür sind diese so genannten Decks-Salinge schwer und sie erhöhen den Windwiderstand. Deshalb sind sie aus der Mode. Der gerade fertig gestellte Open 60 von Jean-Pierre Dick hat einen konventionellen Mast mit zwei Salingspaaren. © borisherrmannracing.com

Der Kieler aus Oldenburg absolviert den ersten Trainingstörn mit seinem neuen Partner Ryan Breymaier im Nordatlantik. Er segelt erstmals mit seinem neuen Open 60 einen längere Etappe zu den Azoren und wieder zurück. Sein erster Stimmungsbericht von Bord:

“Heute nacht hat es gut gefeuert. Mein erstes Open 60-Etmal über 400 Seemeilen. Genau 414,48. Der Durchschnittsspeed über Grund betrug 17,27 Knoten. Maximal 25,69 Knoten.

In 7 Monaten soll es wieder losgehen um die Welt. Diesmal nonstop. Deshalb sind wir heute hier, mitten im Nordatlantik an Bord unseres Open 60 unterwegs mit Sturmspinnaker und gerefftem Grosssegel in einer stattlichen Dühnung, die dem Southern Ocean alle Ehre machen würde.Vor 24 Stunden noch waren wir von einer öligen, spiegeligen, friedlich wabernden See umgeben. Eine kurze Verschnaufpause während unserer zehntägigen Trasiningsfahrt, die uns im Uhrzeigersinn um ein riesiges Hochdruckgebiet nahe der Azoren herumführt.

In der Nacht frischte der Wind langsam auf. Ein hell leuchtender Fluoroszenzstreifen zieht sich hinter unserem Boot heer. Mond und Sterne machen sich rar. Grauer Dunst lässt die mondlose Nacht noch dunkler erscheinen. Eine große Ozeandühungh rollt von Westen heran. Um Mitternacht wechseln wir auf den kleinen Spinnaker. Seitdem haben wir 190 Seemeilen in 11 Stunden zurückgelegt.

Die Stimmung ist gut. Aber sie spannt und entspannt sich im Rythmus der Dünung. Jedesmal, wenn das Schiff mit 30 Grad Schräglage eine der seitlich unter uns durchlaufenden Seeberge abreitet, auf 25 Knoten beschleunigt und dabei heult, zittert und rüttelt, spannt sich der Körper automatisch in einer Art Habachtstellung mit Blick auf die Instrumente zusammen.

Heute ist der 6. Tag und meine erste Bilanz der Erfahrungen mit neuer Mannschaft und neuem Boot ist perfekt. Wir könnten theoretisch morgen starten, wenn wir etwas Proviant bunkern würden, haben abr noch dieses kompfortable Zeitpolster für Training und Optimierung.

Das können wir gut gebrauchen. So ein Schiff schnell zu machen und unter allen Windbedingungen heil über die Meere zu schippern ist keine triviale Aufgabe. Gestern beispieksweise haben wir in dem langsam zunehmenden Wind 10 Halsen nacheinander gefahren, um mit verschiedenen Abläufen zu experimentieren.

Zum Schluss hat es ganz gut geklappt, zweimal ist die Halse aber auch daneben gegangen und der Spinnaker hatte anschließend eine Eieruhr. Man darf während des Manövers nichts vergessen: Wasserballsat, Mastrotation, Schwerter, Ruder, Schwenkkiel usw. Während dieses Trainings bei relativ ruhigen Bedingungen komme ich mir vor, wie in einem schwimmenden open air Fitnessstudio. Die meiste Zeit ist man am “Grinden”, mit hohem Puls.

Beim Barcelona World Race heißt es: Vollgas. 80 Tage, 24 Stunden, bei jedem Wetter. Um dafür fit zu sein warden wir in den nächsten Wochen so weitermachen.

Grüße von Bord. Boris”

Boris Herrmann online: www.borisherrmannracing.com
Boris Herrmann startet beim Barcelona World Race. Interview mit SEGELreporter

Carsten Kemmling
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