Kiwis siegen beim letzten Cupper-Duell 2:0 gegen BMW Oracle

Bye bye, Bleitransporter. Muss man sie vermissen?

BMW Oracle (r) hat seinen Penalty absolviert, aber die Kiwis rutschen an der Luvtonne noch in die Lee-Überlappung. In den Finalrennen holen die beiden besten Segelteams der Welt noch einmal alles aus den alten Cuppern raus, was in ihnen steckt. © Paul Todd/outsideimages.com/Louis Vuitton Trophy

Das war´s. Der Sargdeckel ist zu. Team New Zealand hat  gegen BMW Oracle das letzte Finale der alten Cupper mit 2:0 gewonnen. Der 2007 AC-Finalist triumphiert bei der Louis Vuitton Trophy vor Dubai über den aktuellen America´s Cup Sieger.

In den Finalrennen zeigten die 25 Tonnen schweren Bleitransporter noch einmal, warum sie 20 Jahre lang das Maß aller Dinge als Sportgerät im Segelsport darstellten. Sie ermöglichen ein hochklassiges Schachspiel auf dem Wasser, das weniger durch Highspeed brilliert als durch taktische Finessen und exzellente Crewarbeit der 17-Köpfigen Mannschaft.

James Spithill (l) beglückwünscht Sieger Dean Barker nach dessen 2:0 Sieg im Finale. © Paul Todd/outsideimages.com/Louis Vuitton Trophy

Team New Zealand hatte schon die beiden Halbfinale-Matches gegen Mascalzone Latino nach Rückständen noch gewonnen. Das gleiche Kunststück gelang ihnen gegen das bis dahin dominierende Team der Louis Vuitton Trophy BMW Oracle. Das erste Rennen drehten sie wenige Meter vor dem Ziel, das zweite am Ende des ersten Vorwindkurses.

Sieger mit Scheichs. Die Araber zelebrierten das den letzten Auftritt der alten Cupper angemessen. © Paul Todd/outsideimages.com/Louis Vuitton Trophy

Nun werden die Yachten eingemottet. Muss man sie vermissen? 100 Schiffe dieses Types wurden von Syndikaten in 14 Ländern gebaut. Sie veränderten sich mit zunehmendem Wissen der Konstrukteure über das effektive Ausnutzen der Box Rule von breiten Flugzeugträgern zu schmalen Am-Wind-Maschinen.

(ck) Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, ob mir die alten Cupper fehlen werden. Der America´s Cup 2007 ist mir immer noch als absoluter Höhepunkt präsent. Vermutlich war er die absolute Sternstunde für das Segeln überhaupt. Nie zuvor haben sich so viele Menschen außerhalb der Szene für unseren Sport interessiert. Es ist immer noch unglaublich, wie die Verantwortlichen diese Veranstaltung mit Vollgas vor die Wand fuhren.

Als Match Racer kann ich mir die hochklassigen Taktik-Duelle Stunden lang ansehen. Feinheiten bestimmen den Ausgang der Rennen. Aber mir ist auch bewusst, dass sich für nicht Eingeweihte die Welt der Dial Ups und der Zeitlupen-Duelle nicht erschließt.

Die letzten Bilder aus Dubai zeigen auch nicht gerade die Faszination des Sports. Bei wenig Wind brauchten die Fotografen schon einen schönen Sonnenuntergang, um noch etwas Hübsches auf die Speicherkarte bannen zu können.

Deshalb hielt ich die Idee, mit heißen Multihulls um den Cup zu rasen für einen Schritt, der den Sport möglicherweise weiter bringt. Aber inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt.

Denn bisher hat es Russel Coutts nicht geschafft, sein Konzept genügend anderen Teams nahe zu bringen. Ohne gleichwertige Herausforderer fehlt die sportliche Spannung. Wenn nur eine Handvoll Teams am Star sind – zurzeit drei – und der Gewinner mit dem erfahrenen BMW Oracle Team quasi feststeht, ist die Luft raus.

So bewegt sich der Premium-Profi-Sport im Segeln zurzeit im luftleeren Raum. Eine Orientierung ist schwierig. Der America´s Cup ist momentan definitiv nicht die Liga, wo alle dabei sein wollen oder können.

Wo segeln nun die besten Segler? Die Extreme 40 Serie entwickelt sich gut, der Audi MedCup wird von den Teams bestritten, die sich den AC nicht leisten können. Die Match Race World Tour scheint noch gut in Schuss. Das Volvo Ocean Race schwächelt mangels Teilnehmern und die Einhand-Szene ist so sehr französisch geprägt, dass ein globaler Vergleich schwerfällt.

Insofern werde ich die Cupper vermissen. Mit ihnen geht ein Stück Orientierung verloren.

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Im ersten Finalrennen liegt BMW Oracle mit großem Abstand in Führung hat aber noch einen Penalty offen zu sehen am gelbroten Flaggensymbol.

Nachdem die Amerikaner den Strafkreis absolviert haben rutschen die Kiwis überlappt in den Zweilängenkreis. Sie haben Vorfahrt an der Luvmarke aber die Amis rutschen noch am gegnerischen Bug vorbei.

Kurz vor dem Leegate rutschen die Kiwis dann doch vor BMW Oracle vorbei als sie in einer Halse den Spi zerreißen..

Im zweiten Rennen ist das Ziel schon in Sicht BMW Oracle die linke Seite verteidigt.

Die Kiwis erwischen rechts eine Böe und rutschen auf der Ziellinie noch vorbei.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Kiwis siegen beim letzten Cupper-Duell 2:0 gegen BMW Oracle“

  1. avatar gonzo sagt:

    Ich werde die Bleitransporter auch vermissen, gerade die taktischen Spielereien, die Manöver mit Booten in der Grössenordnung die wir gerade in Dubai gesehen haben werden wir mit Larrys Flügeltrampolinen nicht erleben. Und die F36 vom Monsoon Cup ist nun mal nicht so beeindruckend wie eine IACC. Das gut 100 dieser Boote gebaut wurden, lässt ja hoffen hier und da noch mal ein paar hochklassige Rennen zu sehen.

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    • avatar Carsten sagt:

      Das Beste: Die letzte Segelnummer 101 wurde an Deutschland vergeben. Eine Investition in eine Zukunft, die keine war. Tja, da standen wir einmal in vorderster Reihe. Schnief…

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