Chile-Titel mit Clown-Vater. Till Krüger berichtet aus Südamerika.

Piraten-Tanz neben dem Vulkan

Es ist bekannt, dass Piratensegler gut aussehen. Dieses chilenische Exemplar bestätigt diese Erkenntnis eindrücklich. © Pablo Walper

„Das Abenteuer hätte durchaus besser starten können. Dauerregen nach 34 Stunden langem Flug, 18 Grad kühles Sommerwetter, vier Stunden Zeitverschiebung und unvollständiges Gepäck. Die Segel fehlen. Ohne segelt es sich nicht gut.

Was wollen wir überhaupt hier? In Chile leben eine Menge Menschen mit deutschen Wurzeln. Sie haben irgendwann auch einmal die Piratenklasse ins Land gebracht. Ein Chilene kaufte nun in Hamburg einen Piraten von einem Bekannten. Drauf folgte eine Anfrage, ob wir ein Paar Clown-Segel mitliefern könnten. Und schließlich sollten wir gleich selbst mitkommen.

Eine nette Idee. Und besonders als Frank mir eröffnete, mich mitnehmen zu wollen, als ich gerade in der Segelmacherei ein wenig aushelfe. Wir waren erst drei Regatten zusammen gesegelt. Aber immerhin beendeten wir die Meisterschaft der Meister als 12. nachdem wir einige Chancen blind vergeben hatten.

Danach gewannen wir die stark besetzte J24 Regatta „Vätcherchen Frost“ auf der Alster, auch wenn meine gut gemeinten Tipps von vorne nicht immer zu hundert Prozent umgesetzt wurden. Es schien also nicht abwegig unserer gemeinsame Segelkarriere fortzusetzen.

Und als in Chile wenigstens das Schiff ist rechtzeitig mit dem Container ankommt, war diese Chance dann doch gegeben. Pünktlich zur Segel-Premiere auf dem See, verwischt der erste Eindruck. Alles hat sich wieder eingefunden. Zwei bis drei Windstärken wehen über den See, der Westwind bringt gutes Wetter, der Blick auf den Vulkan ist frei, ein Traum.

Wir laufen frühzeitig zum Practice-Race aus. Zweieinhalb Stunden. Typisch deutsch. Und es dauert seine Zeit, bis sich jemand zu uns gesellt. Mehr als eine Stunde nach dem geplanten Beginn der vier Rennen (!) umfassenden Übungsserie kommen die Einheimischen aufs Wasser. Der Chilene hat irgendwie ein anderes Zeitgefühl. Hier geht alles “tranquillo”.

ONSAILCTM
Die Rennen sind schwierig. Und mit den Plätzen 3,2,1,6 ziehen wir uns im Feld der 21 Boote nur knapp einigermaßen aus der Affäre. Es hätte viel schlimmer kommen können. Wir sind gewarnt. Aber der Speed scheint in Ordnung zu sein, das Boot fährt gut und alle Laufsieger haben wie wir Clown Segel gesetzt.

Diese ganze Atmosphäre hier ist wahnsinnig. So eine Gastfreundschaft, so eine Landschaft… Wir haben schon viel erlebt, aber das schlägt alles. Villarica liegt 800 Meilen südlich von Santiago. Villa heißt Stadt und Rica, reich. Und genauso sieht es hier auch aus.

Der Yachthafen ist knapp 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt. Perfekter geht es nicht. Bei der Meisterschaft starten 21 Boote der unterschiedlichsten Bauarten. Das älteste Schiff ist 60 Jahre alt. Die Chilenen wollen viel von uns wissen über Trimm, Technik und Tricks. Wir helfen gerne und sind froh, ihnen etwas als Gegenleistung für die Gastfreundschaft geben zu können.

Der Sieg ist es nicht. Den holen wir uns nach der bedenklichen Practice-Serie dann doch mit der Serie 1/1/5/1/2/1/1/1/1. Aber das wurde wohl auch von uns erwartet. Neben dem Titel nehmen wir die Erinnerung an ein unvergessliches Erlebnis mit.“

Zum Thema: Das Sing-Comeback des Segelbarden. Hörprobe des neuen Schönfeldt-Lieds “Kader”

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