Der BMW Faktor

Der deutsche Anteil am America´s Cup Sieg ist erheblich. Bleibt BMW dem Segeln treu?

Eine der großen Fragen aus deutscher Sicht ist die Zukunft des Sponsors BMW im America´s Cup. Die Münchener hatten einen langen Atem bewiesen und Larry Ellison trotz der zahlreichen Klagen zur Seite gestanden. BMW Sportmarketingleiter Ralf Hussmann sagt im Yacht online Interview zwar: „Wir haben irgendwann erkannt, dass der Rechtsstreit für eine bessere Zukunft des America’s Cup geführt werden muss.“

BMW ist sehr sichtbar bei Ellisons AC-Kampagne. Die nachträglich angeklebte Bugkonstruktion entstand im Kopf von BMW Ingenieur Thomas Hahn © BMWO.Gilles Martin-Raget

Aber so selbstverständlich und zweifelsfrei, wie es sich anhört, wurde in den BMW Chef-Etagen nicht über das AC-Engagement entschieden. Es stand immer wieder auf der Kippe. Am Ende wurde die Treue belohnt.

Durch den Cup-Sieg und durch die Entwicklung des 33. ACs zur absoluten High-Tech-Schlacht konnte sich der deutsche Konzern immer nachhaltiger einsetzen. 2003 war BMW in Auckland noch ein einfacher Geldgeber der seinen Namen auf dem vermeintlich siegreichen Boot platzieren wollte.

Für 2007 verstärkte der Sponsor den Einsatz mit Input von eigenem Know How in das Segelprojekt. BMW wollte seine Kernkompetenz zeigen und Technologie-Transfer leisten.

BMW Ingenieur Christoph Erbelding bei der Arbeit auf dem Trimaran © BMWO.Gilles Martin-Raget

Die beiden Luft- und Raumfahrtingenieure Ingenieure Thomas Hahn und Christoph Erbelding wurden zu hundert Prozent abgestellt. Hahn entwickelte vorher die Karosse des 5er BMWs und des Minis. Erbelding verantwortete die Crash-Sicherheit des Minis.

Hahn räumt im Interview mit SEGELreporter.com ein, am Anfang von den internationalen Segelprofis als Quoten-Deutscher angesehen worden zu sein. „Aber das hat sich schon am Ende der 2007-Kampagne geändert.“

Die Deutschen bauten eine Reputation auf, die zum entscheidenden Telefonanruf zu Beginn der neuen Herausforderung führte. Russell Coutts wollte sie haben. Mit dem extrem techniklastigen 33. Cup wuchs die Verantwortung für die BMW-Ingenieure.

Erbelding war schließlich maßgeblicher Designer des futuristischen Fügelriggs. Der FAZ Sonntagszeitung sagte er: „Am Anfang beschränkten wir uns auf Berechnungsmethoden und Strukturanalysen. Heute machen wir beide alles: vom ersten Strich des Entwurfs über die detaillierte Konstruktionszeichnung bis zur Baubetreuung. Wir stehen in der Werkstatt dabei, wenn die Teile gefertigt werden.“

Thomas Hahn verantwortete das Strukturteam. Einer seiner kompliziertesten Einsätze war der Austausch des Bugsegments der „USA“. Eine völlig neuer Bug wurde angeklebt, der die Lasten des längeren Bugspriets aushalten musste.

Historischer Moment. Thomas Hahn und Pressesprecherin Nicole Stempinski stoßen auf den Sieg an. Im Hintergrund passiert „USA“ die Ziellinie © Carsten Kemmling

Für BMW war es auch sympathisch, dass Alinghi relativ spät die Entscheidung zum Einsatz von Motorenkraft durchsetzten konnte. Es hätte die Schlüssel-Entscheidung zur Niederlage sein können. Denn das gesamte Trimaran-Konzept basierte auf dem Einsatz des Mittelrumpfes als Grinder-Plattform.

Nun musste man den Motor integrieren und der schwere Rumpf war geradezu überflüssig. Das Sparen von Gewicht hatte oberste Priorität. BMW konnte mit dem Einsatz einer sehr leichten Maschine dazu beitragen.

Das Problem: Durch ein anhängiges Gerichtsverfahren durfte dieser Technologie-Transfer nur ungenügend kommuniziert werden. Die BMW Oracle Anwälte übten Druck auf den Gegner aus, indem sie auf die Constructed-In-Country-Regel hinwiesen. Die Alinghi Segel sollten illegal sein, weil sie statt in der Schweiz im US-Staat Nevada konstruiert worden sind.

Hält das Boot? Thomas Hahn betrachtet beim zweiten Rennen nervös die Bildschirme trotzt großen Vorsprungs. Auf dem ersten, spitzen Raumschenkel ist der Flügel besonderen Belastungen ausgesetzt. © Carsten Kemmling

Alinghi wehrte sich, indem es diese Regel der Deed of Gift auch auf andere Teile, wie zum Beispiel den Motor anwendete. Die BMW-Diesel-Maschine komme schließlich auch aus Deutschland. Thomas Hahn sagt dazu: „Unsere Regelauslegung war so, dass eine einfache Maschine von der Stange regelkonform sein müsste.“

Niemand weiß, ob das Gericht es genauso gesehen hätte. Deshalb hielt man sich bei BMW bedeckt. Es ist nicht bekannt, ob der Motor besser als die Alinghi-Maschine funktionierte. Zumindest waren die Geräusche leiser.

Der America´s Cup hat den BMW-Verantwortlichen schließlich doch Spaß gemacht. So erklärte Ian Robertson, Vorstand der BMW AG für Vertrieb und Marketing, in einem Statement gegenüber SEGELreporter.com: “Gratulation an Larry Ellison und seine ganze Crew! Das Ziel, auf das wir alle seit über zweieinhalb Jahren hingearbeitet haben, ist nun erreicht.

Technologie Transfer. Zu Beginn seiner Arbeit für das Team versucht Thomas Hahn noch Journalisten den Zusammenhang zwischen Auto- und Bootsstrukturen zu erklären. Beim 33. Cup wurde der Zusammenhang offensichtlicher © BMWO Stefan Heigl

Auch wir haben als Technologie-Partner erfolgreich dazu beigetragen, die prestigeträchtigste Sportthrophäe der Welt zu gewinnen. Wir haben BMW als kompetenten Partner des Segel-Rennsports positioniert und im America´s Cup den Technologie-Transfer etabliert.

Im Bereich Konstruktion haben BMW Ingenieure neue Maßstäbe auf dem Gebiet des intelligenten Leichtbaus gesetzt. Die Marke BMW ist bei der relevanten Zielgruppe zudem die bekannteste Marke im Segelsport.“

Auf die Frage nach der Zukunft von BMW im America´s Cup sagt Robertson: „Das wird von der weiteren Entwicklung und Ausrichtung dieses Wettbewerbs abhängen. Über unser weiteres Engagement im America´s Cup entscheiden wir in den kommen den Wochen.“

Nach dem Ausstieg von BMW bei der Kieler Woche war vermutet worden, dass die Bayern ihre Segel-Aktivitäten generell beenden könnten. Aber das verneint Robertson: „Fest steht schon jetzt: BMW wird auch weiterhin aktiv im Yachtsport vertreten sein. Wir werden auch künftig dazu beitragen, das weltweite Interesse am Yachtsport zu steigern. Projekte wie den BMW Sailing Cup sowie regionale Events in den Märkten nutzen wir auch künftig als Bühne zur Kundenbindung und um die BMW Markenwerte weiter zu stärken.”

Thomas Hahn wird es gerne hören. Denn die Leidenschaft des Münchener Hobbyseglers für den Sport hat sich während der Arbeit für den America´s Cup verstärkt. Allerdings denkt er nicht daran, mit einem Flügelrigg über die bayerischen Seen zu glitschen. Er hat sich gerade am Ammersee für seine Familie einen 20er Holz-Jollenkreuzer zugelegt. „Das ist deutlich entspannter.“

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Carsten Kemmling

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