Leser-Stimmen zur “Revolution” im America´s Cup

„Die haben nicht mal einen Auspuffsound...“

Die neuen Entwicklungen im America´s Cup werden von den SR-Lesern sehr unterschiedlich aufgenommen. Das deckt sich mit den Reaktionen in den internationalen Medien. Es gibt Zweifler und Befürworter. Hier einige Auszüge:

Kleiner und großer Bruder. ACC45 und ACC72 © americascup.com

Heiko Kröger:

Der AC ist schon lange keine Veranstaltung mehr für den sach- und fachkundigen Segelfan, der noch dazu die Regeln beherrscht und taktische Schachzüge sofort erkennt. Die Sponsoren zahlen für ein medial verwertbares Ereignis. Matchrace verstehen nicht mal 0,0001% alles Zuschauer. Schnelle Kats, die sich auch mal überholen, sind zumindest was fürs Augeund bestimmt interessanter als die Bleitransporter, die in einem von 10 Rennen mal eine Showeinlage bieten.

Viel spannender , als die Frage, ob der AC jetzt besser oder schlecher wir, sind die indirekten Folgen des neuen Formats:
Was passiert mit dem TP52 Med-Cup – wenn die dort geparkten AC-Teams jetzt auf Multihulls umsteigen, bleiben höchstens 5 Boote im Rennen!
Wird die ISAF die Entscheidung, Multihull aus dem olympischen Programm zu nehmen, für 2016 rückgängig machen müssen?
Die Zukunft wird es zeigen.

W.B.

Wenn es überhaupt ein Format gibt, bei dem Deutschland (= deutsche Unternehmen) einen Vorteil hat, dann sicherlich bei diesem. Das Flügelrigg ist doch quasi eine Steilvorlage für Audi, BMW, Mercedes & Co, aber auch für Airbus, Siemens und die Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen, sich langfristig dem Yachtsport zuzuwenden. Nirgendwo sonst findet man so anspruchsvolle, zukunftsweisende Technologien wie hier. Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob es ein deutsches Team geben wird, sondern wie viele?

T.K.

Hmmmm, zunächstmal sieht AC72 aus wie eine Kopie von Alinghi 5, Ausnahme natürlich das Rigg. Man könnte es so verstehen, dass BOR90 wohl nur wegen des Riggs gewonnen hat, Alinghi 5 aber das bessere Rumpfkonzept war. So habe ich es auch immer gesehen. Der Tri von BOR war ja nur ein Hilfmittel um die LWL zu verlängern. man brauchte ja den Mittelrumpf als Auftriebskörper um die Amas aus dem Wasser zu heben……

Insofern ist das Ergebnis eine schlichte Fortschreibung der Analyse des letzen Cups. Alingi 5 + BOR90 * 0,8 = AC72

Neue Ideen = 0 / nada / zero

Ob es überhaupt ein Fortschritt ist muss man sehen, da der Reiz des letzten Cups (wenn es denn diesen Reiz überhaupt gab) schlicht im Technologiewettbewerb zweier unterschiedlicher Konzepte und den rechtlichen Scharmüzeln lag.

Übrigens schön in der Animation der AC72 zu sehen ist der Balkon mit Reling am hinteren Beam, statt des Motors bei Alinghi. Hier ist wohl ein Lehnstuhl für Brad Butterworth oder Russel Couts vorgesehen. Beide mit Plauze , selbstverständlich

J.P.

Ist das jetzt etwa interessant? Warum schaut sich eigentlich keiner Boxen in der Fliegengewichtsklasse an? Die sind auch schneller als Schwergewichtsboxer!!!

Wilfried:

Na ja, ganz so negativ sollte man die alten Bleitransporter nicht behandeln. Gerade der vorletzte Cup hat doch gezeigt wie interessant die Rennen mit Vorstartduellen und Wendeduellen sind. Mit rasenden Flügelkisten wirst du meiner Meinung nach auch keine Segellaien 2 oder mehr Stunden vor einem Fernseher fesseln. (Die haben ja nicht mal einen Auspuffsound  )

Auf der anderen Seite will ich mal nicht zu schwarz sehen und hoffen, dass die hohen Speedänderungen bei Windböen tatsächlich mehr Spannung aufkommen lassen und Angriffe auf den Vorwind-Gängen ermöglichen. Für uns alle bleibt nur zu hoffen, dass in den beiden Entwicklungsjahren die Ingenieure so gleichschnelle Katamarane entwickeln, dass es spannend werden kann.

jan:

so, die haben jetzt einen Fan weniger!  das haben die jetzt davon ;-P

T.K.

Wenn die Kats denn auf Flügeln (foils, allerdings wirkliche Foils zum raushebeln des gesamten Rumpfes) daher kämen, dann würde es bestimmt spannend. Wenden und Halsen quasi im Flugmodus. Ich finde im Moment kaum etwas spannender als kleine Motten auf Foils segeln zu sehen. Bin gespannt ob das auch bei den Kats möglich ist. Rolf Vrolijk hatte das mal angedeutet während der Entwicklung von Alinghi 5, aber die Zeit reichte wohl nicht mehr.

Roland Gäbler:

– Die Segelwelt muss akzeptieren, dsas die technischen Entwicklungen weiter gehen. Man sollte den Fortschritt nicht aufhalten. Wir stehen vor einem neuen Zeitalter in unserem Sport. Schnelle und spektakuläre Boote müssen her. Unser Sport braucht mehr action und die neuen Boote werden ihr bestes tun um dies zu liefern.

– Unser Sport braucht in einigen Bereichen eine General-Überholung. Nur so können wir die Jugend begeistern.
– Ich war erstaunt wie gut man Matchracing auf Multihulls machen kann. Der Extreme40 Event in Kiel mit den vielen spannenden Matches hat gezeigt, wie spektakulär und spannend das sein kann. Wir selber haben das schon mal mit den alten Tornados gemacht. Doch die Multihulls jetzt mit Gennacker/CodeZ sind beschleunigen so schnell, das es so zu vielen Positionswechseln kommt. Es ist viel einfacher zu erkennen was ein Team gut oder schlecht macht.

– Der Segelsport braucht eine Serie wie die GP Serie des Motorsports. Das ist das beste Event Format welches im Sport gibt.
– Es wird sehr sehr aufregent. ENDLICH MAL WAS NEUES!!! Segelspass Pur. Ich wünsche jedem mal auf fliegenden Multihulls zu segeln.

– Mit den Wings wird man hoffendlich zwischen 1 und 35 Knoten segeln können. Es MUSS pünktlich gestartet werden. Das ist wichtig für die Programmmacher.
– Jetzt bin ich mal gespannt, welche teams letztendlich dabei sind.

Sportbootjo:

RC denkt offenbar in langen Zeiträumen. Hatte er nicht mal mit Paul Cayard vor Jahr & Tag einen Multirenncirus mit, was für eine Überraschung: 70 ft Kats geplant?

Und das ihm, LE und BMW-O ein Cup auf Multis entgegen kommt, ist ja wohl auch keine große Überraschung. Wer wie LE einen fetten 3stelligen Mill. Dollarbetrag in die Entwicklung und Optimierung von Dogzilla gesteckt hat, der hat wohl gegenüber allen anderen AC-Teams (mit Ausnahme von Alinghi)einen solch großen Know-How Vorsprung, dass man sich den Ausgang des 34. AC fast an einem Finger ausrechnen kann, nicht wahr? Was daran fair ist, wird LE aber gestimmt erklären können. Enttäuschend auch die Nichtexistenz von Latino Mascalzone als CoR – Wenn die ihre Aufgabe ernst nehmen würden, dann müssten sie, um das Knowhow der übrigen AC Team nicht vollkommen wertlos zu machen, mit einem Heideneifer für den Mono Werbung und Druck machen. Aber offenkundig begnügen sich die Italiener damit, LE Liebling und Marionette zu sein.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Leser-Stimmen zur “Revolution” im America´s Cup“

  1. avatar Wilfried B. sagt:

    Meist wird ja einfach behauptet, Match-Races mit Monohulls seien viel anspruchsvoller als mit Multihulls. Nach meiner Erinnerung waren allerdings nur wenige Monohull-Starts in 2003 und 2007 für die normal-sterblichen Zuschauer so spektakulär wie die beiden Multihull-Starts in 2010. Das Halbfinale 2007 gehörte sicherlich dazu, als James Spithill mit dem Prada-Team ein paarmal Chris Dickson am Steuer von Oracle vorgeführt hat und ihn durch die Zuschauerboote scheuchte. Bekanntlich war dann 2010 Spithill am Ruder von BMW-Oracle als sich Alinghi in beiden Starts ein Penalty eingefangen hat. Vielleicht liegt also doch mehr Einfluss bei den Seglern, als ihnen hier zugeschrieben wird. Was wollen wir mehr?

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  2. avatar Wilfried sagt:

    Ich kann bei allem Verständnis der Begeisterung des Katamaranfreaks für dieses Format seine Argumentation nicht wirklich nachvollziehen.
    Es werden immer Beispiele angeführt die völlig hinken. Der Einsatz von baugleichen Katamaranen im Matchrace vor Kiel hat doch mit dem neuen AC-Format nun wirklich bis auf die zwei Rümpfe pro Boot nichts gemeinsam. Eine Konstruktionsklasse bei der sich auch noch nach jedem Cup die Grundregeln komplett ändern wird nie die engen Kämpfe einer Einheitsklasse bringen.
    Das zitierte erfolgreiche Motorsportkonzept der GP-Serien lebt doch genau von diesem Prinzip der engen Leistungsdichte des Materials damit die Klasse des Fahrers/Mannschaft noch was mit am Rennausgang eintscheiden. Und genau das ist ja auch der Reiz von Matchrace mit selbem Material mit Taktik und seglerischem Können den Gegner zu schlagen.
    Das der Americas Cup in diesem Sinne traditionell sowieso kein Matchrace war ist richtig sollte aber nicht davon abhalten zukünftig eines zu sein.
    Als letzten sei noch zum Nachdenken hinzugefügt ob Herr Gäbler aller Ernstes meint, dass eine GP-Serie ein Erfolg wäre wenn nur alle 4 Jahre nach großem juristischem Streit ein Rennen gestartet würde. Vielleicht sollte man die Szene und Sponsoren dazu ermutigen endlich den AC-Cup in die Mottenkiste zu stecken, eine GP-Serie mit transportablen Booten jedes Jahr an verschiedenen Locations segeln zu lassen und dann mit Regeln die von JAhr zu Jahr nur sanft angepasst werden. Dann könnten die Segler als “Helden” aufgebaut werden, die in der Öffentlichkeit bekannt sind und dadurch Identitfikationswert bei den Zuschauern bekommen.

    Gruß Wilfried

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