Laser SB3 WM Blog 3. Tag + Video

Etwas Voltaren und weiter geht´s...

Team Kemmling + Jung bei der Amwind-Arbeit. Man beachte die Oberarme unseres Vordeckers Andreas und das angezogene Bein von Kai für das Gewicht auf der Kante. Kein Wunder, dass wir ordentlich schnell unterwegs sind © Stefano Grosso/Volvo

„Halt´s Maul!!“ Oops, das war deutlich. Irgendwo aus dem Vorschiff, unter dem gelben Gennakertuch, wo braunweiße Arme versuchen, das flatternde Textil zu greifen, wird dieser Ruf laut. Eigentlich nur ein wohlgemeinter Wunsch unter Brüdern. Aber in dieser Heftigkeit erschreckt er schon.

Nun ja, es ist vermutlich eine angemessene Reaktion auf meine Schrei-Attacken. Spi rein! Fall los! Tack-Line auf! Pole in!…Und und und. Auch das sind ja nur gut gemeinte Bitten. Nun ja, etwas intensiv vorgetragen, als Tipp formuliert, aber vermutlich kontraproduktiv.

Glitschen zwischen den Gardasee-Wänden bei 6 Bft und strahlender Sonne. Das ist es! © Stefano Grosso/Volvo

Denn die beiden Jungs im Vorschiff wissen offenbar sehr genau, was sie tun. Es ist wohl meine fehlende Erfahrung mit dem Boot, und Angst vor dem Fuck-Up-Potenzial beim Bergen und Setzen dieses riesigen Gennakers die ein wenig meine Entspanntheit beeinträchtigt.

Gestern hatten wir ihn schon einmal im Wasser. Wir wollen ein gaaaaanz sicheres Bergemanöver machen. Schließlich lagen wir auf Platz fünf und der sechste weit, weit entfernt. Aber irgendwie landet das Tuch im Wasser, füllt sich mit demselben und funktioniert sensationell als Treibanker.

Ian Ainslie, dem ex Strategen beim südafrikanischen Shosholoza AC Team, stehen die Haare zu Berge. Er liegt noch auf Platz fünf ist aber heißer Titel-Anwärter © Stefano Grossi/Volvo

Nach einer gefühlten Unendlichkeit reißen wir das Tuch wieder an Bord. Wir hören die Geier auf der Zielgeraden schon von hinten heranrauschen. Sie hoffen auf ein Opfer. Aber wie in der besten Spielfilm-Schnulze nehmen wir in dem Moment wieder Fahrt auf, als sich die Fänge gerade um uns schließen wollen.

Dieser Fuck Up wäre gut gewesen für den Verlust von zehn Plätzen. Aber wir hatten so gut in dem Rennen vorgearbeitet, dass wir den Fünften halten konnten.

Diese Angst spielt also mit, wenn wir mit dem großen gelben Tuch hantieren. Denn gemeinsam haben wir mit diesem Boot vielleicht gerade ein Dutzend solcher Manöver absolviert. Umso erstaunlicher ist es, dass es überhaupt klappt bei Überdruck im sechs Beaufort Bereich. Dieses Boot ist auf Anhieb sehr kontrolliert zu segeln.

Das geht ab! Beim SB3 muss man unter Gennaker bei Starkwind maximal nach hinten rutschen. © Stefano Grosso/Volvo

Und es klappt gut. Nach der Qualifikation liegen wir auf Platz zehn im 105 Boote Feld. Und dabei haben wir uns heute im letzten Lauf ziemlich blöd angestellt. Als Dritter gehen wir um das letzte Luvfass. Die ersten beiden halsen wie bei jedem der drei Rennen an diesem zweiten Tag auf Kus Alpha vor Torbole nach links und wir auch. Aber der Rest der Truppe folgte uns nicht wie üblich.

Ein Italiener mit dem herrlichen Namen Luigi Ravioli, den ich noch aus dem Laser kenne, dackelt aber nicht brav hinterher sondern rauscht auf die andere Seite des Felsen, wo es plötzlich noch stärker weht und nimmt einen Großteil der Verfolger mit. Wir bekommen das nicht so richtig mit. Es kostet sechs Plätze.

Aber egal. Der Tag ist herrlich. Gute Starts, guter Speed, überwiegend die richtige Seite, Pasta Party und Freibier. Was will man mehr. Und dem brüderlichen Rat folgte ein kurzes „Tschuldigung“.

Dabei habe ich ihn danach ordentlich traktiert. Zweimal den Ellenbogen ins Gesicht. Beim Schot dichtholen. Natürlich ohne Absicht. Hallo? Und für den Blutflecken auf der Stirn kann ich nichts. Und auch das Hämatom am Unterarm hat er sich selbst zugefügt. Aber ein wenig Voltaren hier, Arnika-Kapseln dort und dann sollte es morgen wird auf in den Kampf gehen.

Carsten Kemmling

Ergebnisse nach der Qualifikation (6 Rennen)

Eventseite

Video vom ersten Wettfahrttag der Laser SB3 WM in Torbole am Gardasee

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Laser SB3 WM Blog 3. Tag + Video“

  1. avatar Kai Kemmling sagt:

    Aua! Das Haematom schmerzt immer noch!Ist das schön, wenn der Schmerz nachlässt!
    So langsam verheilen die Wunden. Werde mich jetzt nach dieser Attacke auf meinen Körper erst einmal pflegen im familiären Urlaub am Waginger See!

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