SegelReporter John probiert aus

"Einfach irre!" Die ersten Flugversuche auf der Motte.

Andreas John bei den ersten Flugstunden im spanischen Mar Menor © A. John

SEGELreporter Andreas John (49) hat in seinem Seglerleben schon vieles ausprobiert. Der Vize-Weltmeister im Laser segelte auf höchstem Niveau 505er, Flying Dutchman, 49er und Tornado. Er besaß einen RS 600 und war zweitbester Deutscher bei der Formula 18 Kat WM, 2009 Dritter bei der Meisterschaft der Meister, kaufte im Winter einen DN Eisschlitten und nimmt in diesem Jahr zum wiederholten Mal beim 300 Meilen Doublehanded Watski Race in Norwegen teil. Schlagzeilen machte er als einer der Gründerväter und Sportchef des deutschen America´s Cup Teams. Nun hat er eine neue Herausforderung: Eine international Moth. Mit Flügeln. Er berichtet von seinen ersten Gehversuchen bei der Pro Vela Segelschule von Alan Hillman in Spanien.

Sr: Flügel-Motten machen einem normalen Segler Angst. Sind die Teile so unbeherrschbar wie sie aussehen?

Andreas John: Wenn man bei Null anfängt, und sich das Gerät selber zusammenbauen muss, wird es bestimmt schwierig. Aber nach der Anleitung von Alan waren die Erfolgserlebnisse viel schneller da als ich erwartet hatte. Mottensegler sind generell eher älter. Von deren Erfahrung kann man viel profitieren.

Warum kann man die Boote nicht einfach ausprobieren und gut ist?

Kann man. Aber das dauert dann einfach länger. Alan selber hat eineinhalb Saisons gebraucht, um eine Halse durchzufoilen. Bei mir klappte es nach drei Tagen. Der Flügel muss richtig eingestellt sein, und viele Tipps hefen dabei am Anfang Kardinalfehler zu vermeiden?

Was ist so anders beim Motten-Segeln?

Ich empfand es sehr ungewohnt, die Fliehkräfte richtig einzuschätzen. Und es ist komisch, am Wind mit so viel Luvkrängung zu fahren. Ich bin anfangs häufig nach Lee abgestürzt, bis es bei mir klick gemacht hatte mit dem Tipp “Bring den Körper unter das Rigg”. Also lasse es viel weiter nach Luv kippen.

Wie kann es sein, dass du nach drei Tagen schon die Halse stehst?

Das Kreuzen auf dem Flügel ist ja echt nicht schwer. Man beugt sich etwas nach hinten, dann kommt das Boot raus, und man rutscht wieder nach vorne. Das ist auch nicht so kippelig wie man denkt. Denn unter dem Schwert hängt ja noch der breite T-Flügel. Der macht das Schiff sehr stabil. Aber das Halsen war wirklich kniffelig.

Was macht den Unterschied aus?

Man muss viel früher nach Lee gehen als auf einer normalen Jolle. Noch bevor der Baum herüber kommt, dann reißt man aktiv das Segel herüber…

…stürzt spektakulär auf das Kohlefasergerüst und erhält einen Haufen Karbon-Schrott.

Kann passieren. Die Teile sind schon ziemlich filigran. Aber das ist auch so eine neue Regel: Beim Absturz nicht nahe am Boot bleiben sonder so weit wegspringen wie möglich.

Macht es Spaß?

Es ist einfach irre! Am Anfang bekommt man die totale Reizüberflutung. Aber je besser es funktioniert, umso größer wird der Genuss. Ich mag besonders das Vorwind-Fliegen. Das ist so erhaben. Dann wird alles so leise, weil Wind und Fahrtwind sich fast aufheben. Amwind sind die Luftgeräusche oft laut, aber das Boot segelt stabiler. Total cool!

Wie lässt man dieses Teil zu Wasser? Das Schwert wird schließlich von unten in den Rumpf gesteckt.

Ja, man muss das Boot an Land oder im flachen Wasser kentern und dann Schwert und Ruder von unten hereinstecken und den Fühler mit dem Schwert verbinden. Dann trägt man es bis zum brusttiefen Wasser. Es wiegt segelfertig ja nur 30 Kilo. Dann richtet man es wie eine Jolle auf und segelt los. Es ist nicht dramatisch. Etwa wie beim Surfen.

Was kostet eine Motte?

Ich habe meinen gebrauchten Bladerider komplett für knapp 10000 Euro gekauft. Die neuen Mach II Motten kosten rund 18000 Euro. Das Training in Spanien hat mich rund 150 Euro am Tag gekostet. Ich bin gestern noch mal auf der Schlei nach dem Training gesegelt. Uns siehe da, ich konnte die Halse noch. Nach sechs Segeltagen.

Bist du so ein Talent, oder können das alle?

Ich denke mal, dass es einem Jugendlichen noch leichter fallen müsste, die neuen Bewegungsabläufe zu erlernen. Aber mit mir war auch Manfred Schreiber in Spanien und der kommt super mit dem Gerät klar. Der gleitet schon fast die Wenden durch. Und er ist 62 Jahre.

Wer kann sich also auf eine Motte wagen?

Mit einer soliden Jollenausbildung auf Laser oder 420er ist das überhaupt kein Problem

Pro Vela Segelschule, einziger Anbieter für Motten Training. Alan Hilman arbeitet unter anderem als professionelle Wettfahrtleiter unter anderem beim iShares Cup der Extreme 40 Katamarane:
www.pro-vela.com/en

Klassenvereinigung: http://mottenfieber.de
Händler Christian Brandt Onsail: www.onsail.de

Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „SegelReporter John probiert aus“

  1. avatar C. Schramm sagt:

    Kleine journalistische Anmerkung: Das Portraitfoto macht sich in der Fotostrecke eher als Peinlichkeit heraus. Kann man besser machen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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