Einhandsegeln: Ralph Villigers Abenteuer beim OSTAR und vor Grönland

Ein Schweizer im Nordlicht

Älteres Video, das Ralph Villiger bei ähnlich rauen Bedingungen wie bei der OSTAR aufnahm:

Mit eigenwilligem Autopilot bei Sturm und Nebel während der OSTAR einhand auf dem Nordatlantik, später auf Expeditionstour vor und auf Grönlands Küsten – Ralph Villigers Saison 2013 war alles andere als langweilig!  Teil 1 seiner Abenteuer

In diesem ersten Teil berichtet Ralph Villiger von seinen Abenteuern bei der Einhand-Regatta OSTAR 2013:

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Es geht rau zu, bei der OSTAR © villiger

Einhand, wörtlich genommen

Als ich das Boot im April von Cowes auf der Isle of Wight zum Starthafen Plymouth segelte, wurde mir schnell klar, dass es nicht vollends für die OSTAR bereit war –  der Autopilot stieg von Zeit zu Zeit einfach aus.

Ein Elektriker änderte gleich nach der Ankunft die Einstellungen und meinte, jetzt sollte eigentlich alles in Ordnung sein. Mal sehen…

Ich lebe und arbeite in der Schweiz und brauche jeweils mindestens fünf Stunden, bis ich auf der „Ntombifuti“ in England bin. Deshalb konnte ich nicht einfach mal schnell einen Probetörn segeln, sondern reiste erst eine Woche vor dem Rennen nach Plymouth, um das Boot startklar zu machen. Dabei wurde klar, dass das OSTAR für mich noch mehr als für meine Mitstreiter ein Solo-Abenteuer ist.

Während auf allen Booten Freunde und Verwandte Hand anlegten, Segel anschlugen und Proviant bunkerten, ging ich, weit weg von zu Hause,  alleine zu Werke. Die letzten beruflichen Pendenzen, die via Computer erledigt wurden, verhinderten dann auch noch einen letzten ausgiebigen Seetest.

Wie schon beim AZAB (Ralphs letzte einhand-Regatta, „Azoren und zurück”, die schon Uwe Röttgering bestritten hatte; Anm. d. Red.) musste sich auch dieses Mal der austragende Club erstmal eine Schweizer Fahne besorgen, da ich seit langer Zeit der erste Teilnehmer aus der Schweiz war. Die letzten Tage vor dem Start pflegte man bei diversen Empfängen im Royal Western Yacht Club die ehrwürdige Geschichte des Rennens, die Kameradschaft und den Respekt unter ehemaligen und aktuellen Teilnehmern. In Anbetracht der bevorstehenden Aufgabe war allerdings keiner der Teilnehmer so richtig gelöst. Der Wetterbericht für die ersten Tage war dann mit 7 Windstärken gegenan auch nicht berauschend.

Villiger, OSTAR

Villigers Abenteuer auf einer Karte: Zunächst per OSTAR “rüber” und dann “oben rum” wieder zurück © googlemaps

Ohne Autopilot? Unmöglich!

Zum Start wurde eigens die HMS “Somerset”, eine Fregatte der Royal Navy, aufgeboten. Zuerst galt es, den Wellenbrecher der Bucht von Plymouth zu passieren und dann den Leuchtturm Eddystone Rock Steuerbord zu lassen. Einige Teilnehmer hatten diese zweite Wegmarke nicht sofort bedacht und mussten wieder zurücksegeln. So fand sich das schnellste Boot, eine Open 50, am Ende der Flotte wieder. Die Boote segelten nun gegen den vorhergesagten Wind stark gerefft aus dem Ärmelkanal. Dabei machten sich auf „Ntombifuti“ die ersten Probleme bemerkbar. Zum einen fiel eine Latte aus dem Großssegel, was zwar nicht ideal, aber auch nicht so schlimm war.

Viel gravierender waren die erneuten Aussetzer des Autopiloten. So wendete das Boot selbstständig und wurde zum sprichwörtlichen „Spielball der Wellen“. An Schlafen war nicht zu denken. Allerdings passierte dies offensichtlich nur bei starker Belastung – wenn sich also das Wetter wieder beruhigt, sollte auch das Problem verschwinden, so die Hoffnung.

Am zweiten Tag zeigte sich dann unerfreulich viel Wasser in der Bilge. Die Bilgepumpe funktionierte leider auch nicht, wie sie sollte. So musste eben selbst Wasser schöpfen. Merke: Unter Seemännern gilt ein Mann mit Pütz ohnehin als beste Pumpe.

Gegen Abend, während des Ladens der Batterien, fiel mir ein Schleifgeräusch des Motors auf. Nach dem Entfernen der Motorabdeckung war klar, dass das Antriebsrad der Kühlpumpe Spiel hatte und eierte. Während die anderen Probleme noch einigermaßen lösbar waren, so erschien die Aussicht auf eine Motorpanne mitten im Atlantik dann doch als „der eine Tropfen zu viel“. Klar, es gibt auch zwei Solarpanels und ein Windgenerator an Bord, aber die liefern nicht genügend Energie, um den Autopiloten zu speisen. Also war der Fall klar: In den nächsten Hafen ablaufen.

Villiger, OSTAR

Die “Ntombifuti” kann auch anders! © Uwe Röttgering

Eine bittere Entscheidung nach zwei Jahren Vorbereitung. Aber das Boot war eindeutig nicht so seetüchtig, wie es sein sollte. Der nächste Hafen war Brest, wo ich dann 3 Tage nach dem Start ankam. Kurz vor dem Hafen verabschiedete sich der Motor dann endgültig und nach einem wohl ziemlich verdächtig wirkenden Versuch, den Hafen unter Segeln anzusteuern, hatte die französische Marine Erbarmen lund schleppte mich um drei Uhr nachts an den Steg. Die Moral war am Boden. Alles verlässlich zu reparieren würde wohl zwei Wochen dauern. Aus der Traum? Erstmal schlafen…

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4 Kommentare zu „Einhandsegeln: Ralph Villigers Abenteuer beim OSTAR und vor Grönland“

  1. avatar stefan sagt:

    “Fischereiflotten” gibt es allerdings vor Neufundland schon lange nicht mehr, nachdem 1992 und endgültige 2002 die Fischerei dort verboten wurde.

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    • avatar Uwe sagt:

      Hallo Stefan,

      ich glaube Du irrst. Ich war dort 2003 und 2009 unterwegs und habe einige Fischer gesehen. Die waren meines Wissens nach auf Heilbuttfang. Das von Dir angesprochene Fangverbot galt meines Wissens nur für Kabeljau.

      Gruß Uwe

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar stefan sagt:

        Hallo Uwe, das kann natürlich gut sein. Ich hatte mich auf die Fischereiflotten bezogen, die bis Ende der 70er in Massen und danach bis ’92, als die Kanadier alle int. Fangflotten aus ihren Gewässern vertrieben haben. Ab ’92 war das dann endgültig auch für die Kanadier vorbei und 500.000 Leute arbeitslos.

        Ich bin 1996 dort unterwegs gewesen. Erst eine Überführung von Newport nach Quebec und dann Quebec – St. Malo wo wir auf den Banks nicht ein Fangschiff gesehen haben. Mein Skipper, der in den 15 Jahren zuvor schon häufiger dort unterwegs war, sprach davon dass dort früher soviel los war, das der Horizont ständig voller Positionslichter war.
        Einzelne regionale Fischer unter der Küste habe ich auch damals natürlich gesehen.

        Was mich viel mehr beunruhigt hat damals war das segeln mit 15-18kn unter Spinnaker, während man bedingt durch den Nebel weder Bug noch Dpi sehen konnte.

        Grüße
        Stefan

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  2. avatar x-claim sagt:

    Ich denke der Bericht zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist elektrisch unabhängige System für die Navigation und eben auch für die Steuerung zumindest als Backup zu haben! Mit einer Selbststeueranlage hätte er sich eine Menge Ärger erspart.

    Vielen Dank für den Bericht – ich bin mal gespannt auf den zweiten Teil!

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