Eiserne 2012: 215 Boote bei der Kultregatta am Bodensee

Was für ein Schwachsinn - wie geil

Die Bandbreite der gestarten Klassen ist enorm bei 215 - von der Europe bis zum Seefahrtskreuzer © Andreas Müller

Die Bandbreite der gestarten Klassen ist enorm bei 215 – von der Europe bis zum Seefahrtskreuzer © Andreas Müller

Schneeketten! Verdammt, es sind keine Schneeketten im Auto. Und das bei dieser Wettervorhersage mit Schneewarnung und knackigen Minusgraden. Da kann die Fahrt quer durch den verschneiten Schwarzwald ja heiter werden… ich sehe mich schon im Straßengraben, verkeilt zwischen irgendwelchen LKWs, die ebenfalls ins Rutschen kamen.

Normalerweise hat man solche Probleme mit der mangelnden Wintertauglichkeit seines fahrbaren Untersatzes, wenn man zum Skifahren in die Alpen fährt. Oder aber zur Regatta der Eisernen. Die findet seit 37 Jahren alljährlich am ersten Adventssamstag in Konstanz am Bodensee statt. Und damit nicht selten, wenn der erste Wintereinbruch auch dem angefressensten Segler in aller Deutlichkeit klar macht: Die Segelsaison ist vorbei. Verstanden? Vorbei! Finito!

Rund achthundert Segler auf  215  gestarteten Booten lassen es sich aber auch diesmal nicht nehmen, an einem der verrücktesten Segelevents Deutschlands zu starten. Man muss schon reichlich durchgeknallt sein, um sich bei Lufttemperaturen von minus zwei bis null Grad und Wassertemperaturen von 7 Grad auf ein Segelboot zu setzen.

Die meisten Clubkollegen schauen einen nur mitleidig an, wenn man versucht, sie für Konstanz zu mobilisieren. Sie fachsimpeln schon seit Wochen über die neusten Skitrends oder planen das Sylvesterfest. Aber Segeln? „Du spinnst wohl!“ Ok, ganz so hart formulieren sie es nicht, aber ihre Mimik spricht Bände, wenn sie irgendwas murmeln von wegen „das Boot ist schon im Winterlager“.

Fanclub auf der Fähre

Immerhin bringen wir diesmal zwei Teams vom heimatlichen Segelverein am Schluchsee an die Startlinie. Sebastian und Patrick starten zum ersten Mal bei der Eisernen, altersgemäß mit einem heißen Tornado-Katamaran. Alexander, Felix und ich versuchen unser Glück mit einem Streamline-Kielboot, wie schon 2010 und 2011 in den Jahren zuvor.

Ein Novum auch für uns ist der kleine Fanclub, der uns von der Zuschauerfähre aus auf dem Wasser anfeuern will. Das steigert die Motivation. Blamieren wollen wir uns jedenfalls nicht vor den lieben Clubkollegen – und vor allem den Kolleginnen.

Bevor aber an Segeln zu denken ist, steht am Vorabend der Regatta erst einmal ein zünftiger Bummel über den Weihnachtsmarkt an. Die Konstanzer Altstadt ist ohnehin einen Besuch wert, und der Weihnachtsmarkt gehört definitiv zu den schöneren in Süddeutschland. Nicht umsonst ist überall Schweizerdeutsch zu hören. Wie übrigens auch bei der Regatta, zu der neben Deutschen, Schweizern und Österreichern diesmal sogar zwei polnische Teams mit ihren Nautica 450-Jollen angereist sind.

Samstag mittag, Punkt 12. Es ist lausig kalt. Die hohe Luftfeuchtigkeit sowie der Wind um zwei bis vier Windstärken tragen ihr übriges zum Frieren bei. Die beiden Vorschoter fordern mich in der lang andauernden Vorstartphase unmissverständlich auf: „Jetzt nimm halt mal ein den Druck raus! Wir haben keinen Bock, jetzt schon nass zu werden.“

Gut, dann drehen wir halt mit backstehender Fock bei, bevor es hier zur Meuterei kommt. Nachdem die Wettfahrtleitung trotz der drehenden Winde einen halbwegs passenden Kurs ausgelegt hat, geht es endlich los. Der Blaue Peter wird gesetzt.

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Christian Stock

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4 Kommentare zu „Eiserne 2012: 215 Boote bei der Kultregatta am Bodensee“

  1. avatar Alex sagt:

    War wirklich eine geile Möglichkeit die Wartezeit zur nächsten Saison zu verkürzen.

    Man beachte, mittlerweile sind 36 Sportboote am Start gewesen. 8 blu26 hatten es zu einer eigenen Wertungsgruppe geschafft.

    Großen Respekt an die Jungs vom Tornado. Einen M2 zu verblasen, DAS ist schon eine ordentliche Ansage.

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  2. avatar Drahtzieher sagt:

    Gratulation! Ich hab mich auch sehr gefreut, dass euer Tornado gewonnen hat und keine “Rennziege”. Klar sind Rennziegen geil, aber es ist doch immer wieder schön wenn deren Crews daran erinnert werden, dass man auch Segeln können muss.
    Die Eiserne dieses Jahr war mal wieder super und es ist definitiv eins der Saisonhighlights. Selten leben Spass, Geselligkeit und Wettkampf so friedlich nebeneinander.
    Ich hab mich die letzten Tage schon mehrfach gefragt wo eigentlich der Bericht zur Eisernen auf SR bleibt. Jetzt bin ich zufrieden 🙂

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  3. avatar Andreas Ju sagt:

    Am 15. Dezember findet in Kiel Schilksee die erste Laser-WM statt (Winter-Masters). Start 11:30 Uhr. Startbedingung: Mindestens 35 Jahre alt, 10 Euro Startgeld, ein Laser (Radial oder Standard).

    Anmeldungen hier: http://doodle.com/yt5nrdstuyigaa6t

    Ach ja: Aktuell minus 4 Grad in Kiel, 30 cm Neuschnee

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  4. avatar ac sagt:

    Sehr schoener Bericht.

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