Eiserne 2013: Über 1000 Segler bei der Kultregatta am Bodensee

Segel-Feier in Adventslaune

Impressionen von der Eisernen 2013:

Nasskalter geht’s nicht. 3 Grad plus, ergiebiger Schneeregen. Ein Wetter, bei dem man keinen Hund vors Haus schickt. Es ist Freitagnacht, in weniger als zwölf Stunden steht der Start zur „Regatta der Eisernen“ an. Aber wenn das Wetter so eklig bleibt, dann überlege ich mir zum ersten Mal nach 15 Jahren regelmäßiger Teilnahme ernsthaft, die Wettfahrt zu schwänzen. Brrrr, Igittigitt. Seufzend kuschele ich mich in die warme Bettdecke und schlummere ein.

Eiserne 2013

Das Feld der Eisernen 2013 bei Flaute. © kolibri-filmtechnik.de

Am Morgen weckt uns zur großen Überraschung die Sonne. Es ist ein schöner Frühwintertag, die Wolken verziehen sich zunehmend und verschwinden irgendwann ganz. Leider trifft das auch auf den Wind zu. Es herrscht mal wieder Vollglatze am Bodensee. Der Wetterbericht kündigt 0 bis 1 Windstärken an. Und immer dann, wenn man es nicht brauchen kann, haben die Wetterfritzen mit ihren Windprognosen recht.

Ballermann am Bodensee

Eiserne 2013

Selbst bei Flaute geht es eng zu auf der Bahn. © DSMC

223 Jollen, Yachten und Katamarane haben diesmal zur alljährlichen „Eisernen“ am ersten Adventssamstag gemeldet. Wettfahrtleiter Matthias Hagner wird später bei der Siegerehrung stolz verkünden, dass die mittlerweile 38. „Eiserne“ im Jahr 2013 eine der größten Regatten am Bodensee ist – und damit in ganz Süddeutschland.

Es sind rund tausend Segler, die hier in Konstanz einfallen, um erst am Weihnachtsmarkt Glühwein zu trinken, bei der Warm up-Party bis in die Puppen einen auf Ballermann machen, um dann am Samstagmorgen ein wenig verschlafen aus der Thermowäsche schauen. Das Erfolgsrezept der Eisernen ist nachhaltig: Feiern in Adventslaune und bei der einzigen Wettfahrt alles geben!

Eiserne 2013

Wie in Blei gegossen liegen sie da… © DSMC

Der Aufwand für die Teilnahme ist immens. Man muss sein Schiff aus dem Winterlager zerren oder es bei mittlerweile gefährlich niedrigem Wasserstand im Wasser lassen, um es dann gleich nach der Eisernen schleunigst auszukranen. Teilnehmer reisen aus ganz Deutschland an. Und das alles für eine einzige Wettfahrt, die in der Regel nicht länger als 60 bis 90 Minuten dauert. In der Regel, wohlgemerkt. Denn in diesem Jahr ging die Eiserne mangels Wind im Zeitlupentempo vonstatten. Der letzte Teilnehmer im Ziel sollte fast fünf Stunden für den etwa vier Seemeilen langen Parcours brauchen.

Das alte Schlachtross

Ponant Jolle

Markantes Heck der Ponant Jolle. Die Fock muss laut Klassenvorschriften rot sein. © Claude Welter

Wie gut, dass ich in diesem Jahr mein altes Schlachtross für die Eiserne reaktiviert hatte: Eine Zweimannjolle vom Typ Ponant, die bei Leichtwind eine ziemlich gute Performance hat. Anders als zum Beispiel der 49er. Mit dem war ich vor einigen Jahren bei ähnlich leichtem Wind gräßlich baden gegangen, zumindest was die Yardstickwertung anbetraf.

Der Ponant hingegen hat ein zwar einen hochbordigen Multiknickspantrumpf und sieht nicht gerade nach einer heißen Rennmaschine aus, aber schnell aussehen nutzt gerade bei Leichtwind nicht unbedingt…

Ponant Jolle

In Belgien kommt schon mal eine größere Flotte zusammen. © Claude Welter

Das Rigg des Ponant entspricht weitgehend dem des 505er, er wird ebenfalls mit Trapez und Spinnaker gesegelt. Nur ist er deutlich schwerer. Auffällig ist die Fock, die laut Klassenvorschrift leuchtend rot sein muss.

Konstruiert wurde der nach einem südfranzösischen Wind benannte Ponant 1956 vom Franzosen Deschamps. Die Klasse war in Frankreich in Belgien lange Zeit so breit vertreten wie 505er und 470er.

Die goldenen Zeiten sind vorbei

In Deutschland ist die Klasse nur im Südwesten beheimatet, insbesondere am Schluchsee im Hochschwarzwald. In den 70er und 80er Jahren kamen hier bis zu 85 Boote bei Ranglistenregatten zusammen.

Ponant Jolle

Optik wie eine Five. Aber die goldenen Zeiten der Ponant Klasse sind vorbei.© Claude Welter

Doch die goldenen Zeiten der Klasse sind längst vorbei, sie ist ein Exot. Schade eigentlich, denn das Boot kann nicht nur sportlich gesegelt werden, sondern erlaubt anders als eine Five auch entspanntes Wandersegeln.

Doch Entspannung ist heute nicht angesagt. Beim Hissen der Fock verklemmt sich das Drahtfall zwischen Rolle und Kasten. Wir müssen den Mast legen und rumbasteln. Hektik kommt auf, denn wir müssen ja noch den weiten Weg bis ins Startgebiet zurücklegen. Und das kann dauern bei dieser Flaute. Endlich, alle Segel sind da, wo sie hingehören. Uff!

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Christian Stock

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4 Kommentare zu „Eiserne 2013: Über 1000 Segler bei der Kultregatta am Bodensee“

  1. avatar Holger sagt:

    “optik wie eine Five” – also wirklich…..
    Meister Stock – auch für dich war wohl der Vorabend bei Glühwein und Warmup-Party etwas zu lang….
    Aber die wenigen letzten ex. Ponant Segler in Belgien z.B. die segeln jetzt tatsächlich auch 505er

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    • avatar Christian Stock sagt:

      Moin Holgi, die “Optik wie ne Five” hat Carsten in einer Bildnterschrift unterstellt, nicht ich… ich geb es gern zu: Die Five ist hübscher…
      Die Belgier, die in die Five umgestiegen sind, werden in der Ponant-Klasse übrigens schmerzlich vermisst.

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  2. avatar Jensinger sagt:

    Wo gibts denn die Bilder vom DSMC, die hier verlinkt sind?BZw. gibt es denn sonst wo Bilder von der Regatta?

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