Eissegeln: Warum die Masten so extrem biegen – Jablonski bei der EM geschlagen

Krumme Dinger

Krummer Mast ist schnell beim Eissegeln. © Pavlína Soukupová

Krummer Mast ist schnell beim Eissegeln. © Pavlína Soukupová

Zur Eissegelzeit flimmern immer wieder die Bilder von den gebogenen Masten bei den DN Schlitten über den Schirm. Was hat es damit auf sich? SR erklärt.

Karol Jablonski hat kurz nach seinem zehnten WM Titel im Eissegeln eine Niederlage bei der direkt im Anschluss folgenden EM erlitten. Überraschend verpasste er punktgleich mit dem Letten Madars Alvikis das Podium auf Rang vier. Der Amerikaner Ron Sherry siegte bei der offenen EM vor dem polnischen Vize-Weltmeister Michal Burczinski.

Beim Bewundern der Bilder stellt sich dem Normalo-Segler immer mal wieder die Frage, warum die DN Piloten mit so krummen Dingern segeln. Die extreme Querbiegung der Masten ohne Salinge scheint anders als bei Segelbooten Vorteile bringen. In einem älteren SegelReporter Artikel hat Urgestein Manfred Schreiber das Prinzip erklärt:

„Es geht um zweierlei. Wenn man die Schlitten mit den gebogenen Masten direkt von vorne sehen würde, wären Mast und Segel ein schmaler Strich. Der Widerstand ist extrem gering. Und darum geht es. It is all about drag!

Bei den hohen Geschwindigkeiten hat man an der Kreuz schnell mal 80 km/h Wind an Deck. Da will man sich gerne ein bisschen sehr klein machen um den Widerstand zu verringern.

Von vorne gesehen bleibt das Profil durch den gebogenen Mast schmal, und der Widerstand gering. © Ralf Linow

Von vorne gesehen bleibt das Profil durch den gebogenen Mast schmal, und der Widerstand gering. © Ralf Linow

Wenn man die Segel auf herkömmliche Weise im Achterliek auftwisten würde, um überflüssigen Druck abzulassen, würde das Profil von vorne gesehen in seiner Gesamtheit viel breiter. Und dadurch ergibt sich ein größerer Widerstand.

Außerdem ist der DN ist nur mit einer Schot ohne sonstige Trimmleinen ausgestatteten. Der Kohlefaser-Mast hilft mit der speziellen Biegung, das Profil an der breiten Stelle aus dem “altmodischen” dreieckigen Segel (60 Jahre alte Konstruktionsklasse, Boxrule) raus  zu ziehen. Dadurch erreicht man ebenfalls ein der Geschwindigkeit angepasstes, flaches Profil mit einem geringen Widerstand.

Ein tiefes, bauchiges Profil wird nur bei der langsameren Geschwindigkeit beim Anfahren aus dem Start benötigt. Und wenn der Untergrund schwer ist, also Schnee, sehr weiches Eis oder Harsch.

Kranke Mastbiegung? Beim Eissegeln ist es schnell. © Ake Luks

Kranke Mastbiegung? Beim Eissegeln ist es schnell. © Ake Luks

Zusätzlich ist der flexible Mast bei böigem Wind hilfreich. Die Böe wird zunächst von der Biegung des Mastes aufgefangen. Es kommt dadurch nicht zu den unangenehmen “Steigern” der Luv-Kufe wie früher mit den Alumasten. Man möchte immer mit allen drei Kufen auf dem Eis bleiben. Die Böe wird dann direkt  in Vortrieb umgesetzt. Gleichzeitig verringert sich mit zunehmender Geschwindigkeit auch wieder der Frontwiderstand.”

Ergebnisse DN EM 2016

DN Schlitten in Aktion. Bilder von der EM 2014:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Eissegeln: Warum die Masten so extrem biegen – Jablonski bei der EM geschlagen“

  1. avatar ralph linow sagt:

    wenn ihr schon ohne zu fragen bilder von mir für eure berichte benutzt, dann schreibt wenigstens meinen namen richtig!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 25 Daumen runter 5

  2. avatar wet rabbit sagt:

    Die Masten sind aus Kohle und Glas

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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