eSailing: Weltmeisterschaft im Computersegeln – Ab 10. Mai kann jedermann teilnehmen

Haare raufen

Zwei Tage nach der Ankündigung der Kieler Woche, in diesem Jahr einen Sieger im eSailing küren zu wollen, hat der Weltseglerverband die erste Segel-WM am Bildschirm angekündigt. Aber die Sache hat einen Haken.

World Sailing setzt bei der ersten eSailing Weltmeisterschaft auf dieselbe Online-Plattform wie die Kieler Woche. Das Virtual Regatta’s in-shore game ist frisch überarbeitet auf dem Markt und frei auf dem Rechner wie auch per App auf dem Mobiltelefon zu spielen.

Für Topp-Leistungen allerdings muss man Credits kaufen. Das ist in der Pressemitteilungen des Weltseglerverbandes nicht zu lesen. Oder übernimmt das der Verband? Man kann sich die Zeit zur Startlinie anzeigen lassen, die Anliegelinien, automatisch den schnellsten Weg nach Lee und Luv (VMG) einstellen oder den Windschatten anzeigen lassen. Ab 2,29 Euro geht’s los. Das teuerste Paket kostet 99,99 Euro. Wie es genau funktioniert, wird noch nicht so richtig kommuniziert.

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Start beim Virtual Regatta Inshore Spiel. © virtualregatta

Aber es geht eben auch ohne. Man kann sich wunderbar die Haare raufen, fluchen und mächtig ärgern. Über sich selbst, diesen Mistkerl auf dem anderen Boot, der einen offenbar abschießen will, und besonders die vielen Penalties. Viele werden immer noch falsch vergeben. Es muss auch extrem schwierig sein, dass zu programmieren.

Windabdeckungen von anderen Booten sind eingebaut, wenn auch nicht so realistisch wie beim Porsche unter allen Segel-Computer-Spielen: Virtual Skipper, mit dem unsereins sich die Finger wund gespielt hat. Aber diese Entwickler haben es nicht geschafft, das Spiel auch wirtschaftlich erfolgreich zu machen.

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Beim Spielen ist der Wechsel in die Heli-Perspektive möglich. © virtualregatta

Das scheint bei Virtual Regatta nun besser zu funktionieren. Schlieolich macht der große Bruder Virtual Regatta “offshore” Mut, der längst erfolgreich eingeführt ist. Bei der Vendée Globe waren zuletzt 485.000 Spieler am Start. Und das virtuelle Volvo Ocean Race wird ähnlich frequentiert.

Inshore ist es aber deutlich schwieriger, die Kollisionsregeln zu adaptieren. Bei der Beta Version drehte man sich noch einen Wolf, um die automatisch verhängten Penalties loszuwerden und wurde bei der dritten Strafe vom Spiel ausgeschlossen. Inzwischen wird man automatisch verlangsamt,und segelt danach wieder weiter.

Das macht die Entscheidungen des eingebauten Schiedsrichters allerdings nicht richtiger. Man muss sich wohl daran gewöhnen, dass es nie funktionieren wird und kann und die kritischen Situationen wenn möglich weiträumig zu umfahren.

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Die Star Sailors League hat schon parallel zum realen Finale auf den Bahamas ein virtuelles Finale übertragen.© virtualregatta

Nichtsdestotrotz hält World Sailing das Spiel offenbar für ausgereift genug, um offizielle Wettkämpfe stattfinden zu lassen. Das ist spannend und sicher ein sehr interessanter Schritt für den Sport. Es gibt sogar schon Quellen, die von eSailing Olympischen Spielen fabulieren. 

Start im Mai

Die Virtual Regatta WM startet jedenfalls am 10. Mai um 21:30 UTC und ist für alle offen, die sich in das Spiel einloggen. Jeweils zehn Spieler gehen an die Startlinie. Die Wartezeit, bis sich genügend Skipper eingeloggt haben hält sich jeweils in Grenzen.

Die Spieler können bei einem Event so oft an den Start gehen, wie sie wollen. Es wird schließlich die Durchschnitt-Punktzahl aus den Platzierungen ermittelt. Das Finale findet am 30. Oktober 2018 mit den Finalisten der Rangliste statt.

Virtual Regatta hat festgestellt, dass bisher die Hälfte aller Spieler keine Segler sind. Deshalb glaubt der Weltsegler Verband, dass man auf diese Weise Werbung für den Sport machen kann bei einer jungen Zielgruppe, die bisher keinen Zugang zu dem Sport hatte.

Virtual Regatta “Inshore”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „eSailing: Weltmeisterschaft im Computersegeln – Ab 10. Mai kann jedermann teilnehmen“

  1. avatar Kym Erdmann sagt:

    Hab Virtual Regatta Inshore ausprobiert. Grafik ist mittel, Spaß ok. Aber es gibt einen Haken.

    Man kann das eigene Boot upgraden. Upwind, downwind und Manövrierfähigkeit. Jeweils in 10 Stufen. Müsste ja grundsätzlich nicht sein und dann wäre auch jeder auf gleichem Level – was natürlich viel besser wäre – aber es soll ja Geld verdient werden. Der erste Schritt ist also der Kauf von Credits. Das günstigste Angebot sind 21.600 Credits für 100 Euro. Dafür kann man dann Gold kaufen und mit diesem Gold dann die Upgrades bezahlen. Nach ein paar Upgrades stellt man fest, dass diese bei jedem Schritt doppelt soviel kosten. Dazu gibt es noch eine sich ebenfalls bei jedem Schritt verdoppelnde Wartezeit. – Beides habe ich ungefähr überschlagen: wenn man die Wartezeit nicht mit zusätzlichen Credits verkürzt dauert das dreißigste Upgrade 2000 Jahre und kostet rund 50.000 Euro. Klasse.

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    • avatar Kym Erdmann sagt:

      Ich kann es kaum glauben. Die Zahlen sind nur das dreißigste Upgrade allein. Alle Upgrades zusammengerechnet dauern fast 6000 Jahre und kosten zirka 6.000.000 Euro. – Ich würde mich über eine Aufklärung des Herstellers freuen.

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      • avatar Kym Erdmann sagt:

        Tatsächlich habe ich mich etwas übersehen und damit falsch gerechnet. Das Upgraden der Boote ist auf je 15 Stufen limitiert. Dennoch ein wirklich teurer Spaß. – Und wie zu erwarten ist es fast unmöglich ein stärkeres Boot zu schlagen. Das ist vielleicht realistisch, aber bewirkt in den Matches ein schlechtes Spielgefühl.

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  2. avatar W sagt:

    Danke für den Artikel. Ich habe das Spiel ausprobiert: nicht schlecht. Es würde mich freuen wenn SR weiter über das Thema eSailing berichten würde.

    Ach ja zum Thema Kosten – ich habe mal 5EUR investiert für zwei J70 upgrades. Ob es mehr braucht um eine Regatta zu gewinnen kann ich nicht einschätzen.

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