Extreme Sailing Series: Neue Teams, junge Gesichter – Alinghi greift an

Altes Spiel, neues Glück

Heute startet die Extreme Sailing Series im Oman. Nur noch sieben Teams bestreiten die Saison 2013 aber Neuzugänge können für Spannung sorgen. Auch Ernesto Bertarelli rüstet sein Alinghi Team auf.

Extreme Sailing Series

Überschläge vorprogrammiert. Die Extreme Sailing Series nimmt wieder Fahrt auf. © Lloyd Images

Eigentlich ist es ein Wunder, dass es die Extreme Sailing Series noch gibt. Die Rennserie, die zu Beginn enorm von den potenziellen America’s Cup Teams profitierte, war ins Abseits geraten, nachdem die America’s Cup World Series Fahrt aufgenommen hatte. Gegen die AC45 Flügel Katamarane sehen die X40 Multihulls ziemlich alt aus.

Aber die internationale Rennserie wird finanziell hartnäckig von Ernesto Bertarelli und dem Oman  am Leben gehalten. Multihull Enthusiast Bertarelli mag am Anfang nur Larry Ellison geärgert haben wollen. Aber inzwischen scheint es dem Schweizer Ernst damit, einen verlässlichen Gegenpol zur AC-Serie zu befeuern.

Bertarelli mit neuem Taktiker

Jedenfalls scheint er sich auch sportlich neue Ziele gesetzt zu haben. So verpflichtete er für 2013 den Amerikaner Morgan Larson, der in der vergangenen Saison Oman Air auf Rang zwei steuerte. Aber Bertarelli wird weiterhin als Steuermann geführt. Larson soll als Taktiker fungieren. 2012 wurde Alinghi Vorletzter.

2013 schien ein sehr schwieriges Jahr für die Extreme Sailing Series zu werden. Gleich zwei Spitzenteams sind abgetreten. Der Oman hat seine zweite Mannschaft Oman Air abberufen und auch die langjährigen französischen Top-Scorer Groupe Edmond de Rothschild wollten nicht verlängern.

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Die Extreme Sailing Series steht für enge Bord an Bord Kämpfe mit hohem Speed. © Lloyd Images

Dazu warft das chancenlose französische Zoulou Team, bei dem hin und wieder Loick Peyron als Steuermann auftrat, das Handtuch. Auch der vierfache Match Race Weltmeister Ian Williams, der mit GAC Pindar nie die Erwartung im Katamaran erfüllen konnte, kündigte seinen Abgang an.

Als 2012 auch noch Act 6 in Trappani wegen Geldproblemen ausfiel, schien es sehr eng zu werden für die spektakuläre Rennserie, bei der 2011 Roland Gäbler mit einem Mini-Budget an den Start gehen durfte und Opfer des bisher spektakulärsten Crashes in der Geschichte der Regatta wurde.

Karten neu gemischt

Aber 2013 geht es dennoch weiter. Unter anderem setzt der deutsche Ausrüster Marinepool auf die Serie und verlängerte seinen Vertrag. Und tatsächlich könnte nicht nur der zugespitzte Alinghi Auftritt der Veranstaltung neue Spannung bringen.

Denn mit dem Zugang von frischen Teams werden die Karten neu gemischt. Das Feld ist zwar von acht auf sieben reguläre Mannschaften geschrumpft und wird pro Etappen-Stopp jeweils um ein – bisher meist chancenloses – lokales Team aufgepeppt, aber es könnte enger zusammen rücken.

So steigt der Druck für das Red Bull Team. Die Österreicher um die Tornado Doppelolympiasieger Hagara/Steinacher vielleicht wollen es endlich unter die Top drei schaffen. Auch für das dänische SAP Team um Steuermann Jes Gram Hansen wird es nach der Übungssaison mit einer soliden Verbesserungskurve Ernst. Nach Platz sechs ist jetzt das Podium angepeilt.

Jugend gegen alte Hasen

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Die X40 Katamarane haben die aktuelle Entwicklung der High Tech Katamarane verpasst. Aber die OneDesigns garantieren dennoch spektakulären Sport© Lloyd Images

Dabei müssen sich die alten Hasen besonders mit der aufstrebenden Jugend auseinandersetzen. Besonders der Auftritt des neuseeländischen Jungstars Peter Burling (23), der den AC45 vom Emirates Team New Zealand bei der World Series in Neapel steuern soll und auch das Kiwi Jugend Team beim Youth America’s Cup führt, wird mit Spannung erwartet. Der Olympia-Silbemedaillen-Gewinner im 49er geht bei der Extreme Sailing Series für die Koreaner an den Start, die ihn auch schon ihren AC45 haben steuern lassen.

Aber auch Match Racer William Tiller (22) aus Australien, der bei der Jugend Qualifikation vom STG/NRV Team punktgleich geschlagen wurde, bekommt seine Chance. Er übernimmt mit seiner Mannschaft das GAC Pindar Boot.

Schwer einzuschätzen ist das neue schweizer Team, das aus dem Umfeld von Ernesto Bertarelli und der schweizer Rennserie mit Décision 35 Katamaranen stammt. Jérôme Clerc gewann die Saiosonwertung 2012 und ist mit jeder Menge Multihullerfahrung ausgestattet.

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Seetüchtig auch bei hoher Welle. Rennabsagen gibt es bei den X40 nicht. Oman Air ist allerdings nicht mehr dabei. © Lloyd Images

Vom 6. bis 8. März werden die Regatten auch live jeweils ab 13 Uhr im Internet gezeigt. Die Veranstalter woll erneut zeigen, dass sich die Kurzregatten durchaus für die Live überbtragung eignen.

Pressemitteilung

Drei neue Skipper und zwei komplett neue Mannschaften verstärken mit ihrem großen Talent die Flotte der Extreme 40s in der Saison 2013. Angesichts ihrer Erfolge ist es so schwierig wie noch nie, den Ausgang des ersten Acts und der gesamten Series vorherzusagen. Acht Mannschaften, zehn Nationalitäten, 40 der besten Segler der Welt stehen im Blickpunkt, wenn am 5. März in The Wave, Muscat (Maskat/Oman) die Extreme Sailing Series 2013 beginnt.

In ihrer siebten Saison wird die einzigartige, globale Hochleistungs-Segelserie mit ihren zuschauerfreundlichen Stadion-Rennen von frischen Kräften aufgemischt. Die neuen und die schon etablierten Segler können zusammen auf eine eindrucksvolle Bilanz zurückblicken: 18 Olympia-Kampagnen, 30 America’s-Cup-Kampagnen, 33 Weltmeister-Titel und sechs olympische Medaillen. In einer Woche werden sie in Maskat aufeinandertreffen, und die Segel-Fans in der ganzen Welt können online wieder live dabei sein.

Oman Sail wird zwei Teams an den Start bringen. Titelverteidiger Leigh McMillan wird die gesamte Erfahrung seines siegreichen Teams The Wave, Muscat, in die Waagschale werfen können. Musab Al Hadi, ein einheimischer F18-Segler, ergänzt als neues Mitglied die Crew. Das zweite Team aus dem Oman wird am 4. März bekanntgegeben, so dass insgesamt acht Extreme 40s an den Start gehen werden.

Der 23 Jahre alte Will Tiller aus Neuseeland übernimmt das Kommando auf GAC Pindar, unterstützt von zwei Seglern des Full-Metal-Jacket-Match-Race-Teams, das sich mit einem Sieg bei den Ausscheidungsregatten gerade erst als Vertreter Neuseelands für den Red Bull Youth America’s Cup qualifiziert hat. Tiller wird unterstützt von Matt Steven, Stewart Dodson, Harry Thurston und Shaun Mason – jeder von ihnen ein hungriger Nachwuchssegler. GAC Pindar unterstreicht damit sein Engagement für die Förderung junger Talente.

Team Korea ist eines von zwei ganz neuen Teams in 2013. Steuermann ist Peter Burling, mit 22 Jahren jüngster Skipper im Feld. Er wird unterstützt von Blair Tuke, der in der 49er-Klasse eine olympische Silbermedaille gewonnen hat, sowie vom koreanischen Match-Race-Meister Sungwok Kim. Die Förderung koreanischer Segel-Talente gehört zu den obersten Zielen des Teams.

Die Mannschaft wird von der Erfahrung der Extreme-40-Veteranen Mark Bulkeley und Matt Cornell profitieren. Ginge es nach der Papierform, könnte dieses Team der ernsthafteste Herausforderer des Titelverteidigers sein. Wie gut die Mannschaft in der Praxis mit dem Extreme-40-Segeln im Stadionmodus zurecht kommt, wird sich aber erst noch erweisen müssen.

Das zweite neue Team kommt aus der Schweiz und ist alles andere als ein Neuling in der Welt der Mehrrumpfboote. Realteam mit Skipper Jerome Clerc gewann 2012 die D35-Meisterschaft und setzte sich dabei gegen den Schweizer Rivalen Alinghi durch. Das Team mit Bryan Mettraux, Arnaud Psarofaghis, Cédric Schmidt und Thierry Wasem profitiert von seiner großen Erfahrung bei Regatten und dürfte in Maskat sofort startklar sein und einen Platz auf dem Sieger-Podest anpeilen.

Den spektakulärsten Transfer der neuen Saison kann Alinghi vermelden. Das Schweizer Team hat den überaus talentierten Amerikaner Morgan Larson rekrutiert, der 2012 auf den zweiten Platz gesegelt war. Larson wird gemeinsam mit Skipper und Steuermann Ernesto Bertarelli die Taktik verantworten. Sie werden unterstützt von den erfahrenen Alinghi-Seglern Pierre Yves Jorand, Nils Frei und Yves Detrey.

Bertarelli sagte: “Ich freue mich sehr darauf, in dieser Saison gemeinsam mit Morgan zu segeln. Er hat in der vergangenen Saison bewiesen, dass er ein großartiger Segel-Profi und begnadeter Taktiker ist, und ich hoffe, dass er seine große Erfahrung in unsere Extreme-40-Manschaft einbringt und zu einer erfolgreichen Saison für Alinghi beiträgt.“

Die Co-Skipper des SAP Extreme Sailing Teams, Jes Gram-Hansen und Rasmus Køstner, haben das junge dänische Segel-Talent Nicolai Sehested als Bugmann neu verpflichtet. Ansonsten bleibt das Team unverändert und dürfte bei dem Versuch, in seiner zweiten Extreme-40-Saison auf das Siegertreppchen zu segeln, von seiner Beständigkeit und Erfahrung profitieren.

Der äußerst erfahrene Großsegeltrimmer Pete Cummings, der die Extreme Sailing Series 2009 als Skipper von Oman Sail Masirah gewann, hat das Vorbereitungs- und Trainingsprogramm des Teams geleitet.

Er sagte: “Es wird entscheidend sein, dass wir Nicolai so schnell wie möglich integrieren, denn Teamwork ist der Schlüssel zu erfolgreichen Rennen. Natürlich müssen wir auch ein schnelles Boot haben. Mit unserem neuen Set-up scheinen wir aber am Wind ebenso schnell zu sein wie vor dem Wind. Da sind wir schon ganz zufrieden, aber wir arbeiten weiter an unserem Set-up und an unserer Segel-Technik. Wir wissen, dass ein schnelles Boot allein in dieser Flotte nicht für einen entscheidenden Vorsprung reicht.“

Als einer der berühmtesten österreichischen Sport-Exporte gilt der zweifache Olympia-Sieger Roman Hagara. Er setzt für sein Red Bull Sailing Team auf die selbe Mannschaft wie im Vorjahr. “Herausragendes Teamwork führt zu herausragenden Erfolgen. Unsere Erwartungen für 2013 sind sehr hoch. Wir haben uns entschieden, in Oman mit demselben Team anzutreten wie in 2012, weil Peter und ich überzeugt sind, dass wir uns auf einem Niveau bewegen, auf dem wir die Series gewinnen können. Dafür kommen wir hierher.“ Hagara ist einer der erfahrensten Skipper im Feld, galt zuletzt aber auch als einer der frustriertesten, denn als Vierter des Vorjahres verpasste er knapp den Sprung auf das Sieger-Podest.

Die Segel-Action in Maskat wird vom 6. bis 8. März live übertragen. Nicht verpassen!

Eventseite Extreme Sailing Series

Wichtige Statistiken:

18 Olympia-Kampagnen

vier olympische Gold-Medaillen, zwei Silber-Medaillen

30 America’s-Cup-Kampagnen

33 Weltmeister-Titel

37 Europameisterschaften

154 nationale Titel fünf Weltrekorde

15 Trans-Atlantik-Rennen

Extreme Sailing Series, Act 1 Maskat, Mannschaftsaufstellungen

Alinghi (SUI)

Skipper/Steuermann: Ernesto Bertarelli (SUI) / Taktiker: Morgan Larson (USA) / Großsegel-Trimmer: Pierre-Yves Jorand (SUI) / Vorsegel-Trimmer: Nils Frei (SUI) / Bugmann: Yves Detrey (SUI)

GAC Pindar (NZL)

Skipper/ Steuermann: William Tiller (NZL) / Taktiker: Matt Steven (NZL) / Großsegel-Trimmer: Stewart Dodson (NZL) / Vorsegel-Trimmer: Harry Thurston (NZL) / Bugmann: Shaun Mason (GBR)

Realteam (SUI)

Skipper/ Steuermann: Jérome Clerc (SUI) / Taktiker: Bryan Mettraux (SUI) / Großsegel-Trimmer: Arnaud Psarofaghis (SUI) / Vorsegel-Trimmer: Cédric Schmidt (SUI) / Bugmann: Thierry Wasem (SUI)

Red Bull Sailing Team (AUT)

Skipper/ Steuermann: Roman Hagara (AUT) / Taktiker: Hans Peter Steinacher (AUT) / Großsegel-Trimmer: Matthew Adams (GBR) / Vorsegel-Trimmer: Pierre Le Clainche (FRA) / Bugmann: Graeme Spencer (AUS)

SAP Extreme Sailing Team (DEN)

Co-Skipper/ Steuermann: Jes Gram-Hansen (DEN) / Co-Skipper/ Taktiker: Rasmus Køstner (DEN) / Großsegel-Trimmer: Peter Cumming (GBR) / Vorsegel-Trimmer: Mikkel Røssberg (DEN) / Bugmann: Nicolai Sehested (DEN)

Team Korea (KOR)

Skipper/ Steuermann: Peter Burling (NLZ) / Taktiker: Blair Tuke (NZL) / Großsegel-Trimmer: Mark Bulkeley (GBR) / Vorsegel-Trimmer: Sungwok Kim (KOR) / Bugmann: Matt Cornwell (GBR)

The Wave, Muscat (OMA)

Skipper/ Steuermann: Leigh McMillan (GBR) / Taktiker: Ed Smyth (NZL) / Großsegel-Trimmer: Pete Greenhalgh (GBR) / Headsail Trimmer: Musab Al Hadi (OMA) / Bugmann: Hashim Al Rashdi (OMA)

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Carsten Kemmling

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