Finn Gold Cup: “The German” Phillip Kasüske dominiert – Ein neues “Wunderkind”?

"Ich genieße jeden Moment"

Die deutschen Finn-Dinghy-Segler waren weit von einer Olympia-Qualifikation entfernt. Die Plätze in Rio sind vergeben. Nun führt Phillip Kasüske plötzlich nach vier Rennen das WM-Feld an.

Phillip Kasüske

Kasüske segelt die beste Regatta seines Lebens. © Robert Deaves

Der Berliner Phillip Kasüske liegt auf Rang 37 der Weltrangliste und segelte bei den vergangenen Finn Dinghy Weltmeisterschaften auf die Plätze 39 und 41. Er musste lernen, sich in Geduld zu üben. Schließlich ist er erst 21 Jahre jung und in der Klasse der schweren Männer dauert es oft zehn Jahre, bis sich große internationale Erfolge einstellen.

2014 ließ er schon einmal aufhorchen als er den Oranje-Star Pieter-Jan Postma bei der Delta Lloyd Regatta vor heimischem Publikum im Duell besiegte. Aber seitdem ging es nur zäh voran. Doch die junge fünfköpfige deutsche Trainingsgruppe mit dem dänischen Coach Per Baagøe blieb fleißig, und nun zeigen sich die Fortschritte.

Max Kohlhoff

Max Kohlhoff. So sehen deutsche Finn-Segler aus. © Robert Deaves

Sensationell liegt nun der für den VSaW startende Kasüske nach vier Rennen beim Gold Cup im italienischen Gaeta in Führung. Bei leichtem Wind brachte er die Serie 18/9/1/2 zusammen und liegt gleich 16 Punkte vor dem zweitplazierten britischen Superstar Giles Scott.

Spitzenleute kratzen sich am Kopf

Nun ist längst noch nicht aller Tage Abend. Denn wenn nach dem heutigen Tag ein Streichergebnis möglich wird, rückt die Spitze sehr eng zusammen. Die Spitzenleute kratzen sich am Kopf angesichts der überraschenden Führungsposition von Kasüske.

Per Baagøe

Der stolze Coach Per Baagøe beim Zieleinlauf seines Schützlings. © Per Baagøe

Sie scheinen nicht einmal seinen Namen zu kennen. Scott bezeichnet den in Kiel wohnenden Student der Offshore-Anlagentechnik im Interview nur als “The German”, zollt ihm aber Respekt für die bisher konstante Serie.

Und Olympia-Silber-Gewinner Jonas Høgh-Christensen wundert sich über “The German”, der eine “sehr gute Kreuz” gesegelt sei und ihn überholt habe. Er glaubt aber auch, dass die Leichtgewichte um 90 Kilogramm vorne seien. “Wenn es mehr Wind gibt, wird es wahrscheinlich härter für sie.”

100 Kilo Körpergewicht

Kasüske weist allerdings durchaus das notwendige 100 Kilo Körpergewicht der Finn-Dinghy-Schwerathleten auf. Es wäre allerdings ein weiteres Wunder, wenn sich sein Leistungsvermögen in der Weltspitze auch bei Starkwind plötzlich so sehr verbessert hat, dass er vorne mithalten kann.

Phillip Kasüske

Phillip Kasüske mit tollem Leichtwind-Speed in Gaeta. © Robert Deaves

Er selbst erklärt seinen überragenden Leichtwind-Speed mit dem Wechsel zu einem anderen Segelmacher. Seit einem Monat vertraut er auf die finnische Marke WB, mit der schon der Franzose Jonathan Lobert Olympia-Bronze in Weymouth gewann.

Mit seiner Führungsposition geht er locker um. “Das fühlt sich ziemlich gut an. Ich war noch nie so gut, und bis jetzt ist das die beste Regatta meines Lebens. Deshalb genieße ich jeden Moment. Ich schaue mir die Vorhersage nicht so genau an. Auch für den vierten Tag war eigentlich Starkwind angesagt. Ich werde einfach sehen, was morgen passiert. Ich werde das System nicht verändern, es funktioniert ja. Deshalb werde ich versuchen, so weiter zu machen.

Die deutschen Finn-Segler stolz gemacht

Was auch immer noch passiert. Kasüske hat die deutschen Finn-Dinghy-Segler stolz gemacht mit seinem Auftauchen an der Spitze des 78 Boote-Feldes beim Gold Cup. So eine Leistung ist der schwarz-rot-goldenen Finn-Elite seit Urzeiten nicht mehr geglückt.

Phillip Kasüske

“The German” © Robert Deaves

Damit hat sich schon jetzt eine Initiative ausgezahlt, die ihren Ursprung 2006 nahm. Als die nationale Finn-Klasse einmal mehr den Olympia-Startplatz verpasst hatte und im internationalen Vergleich immer weiter hinterher hinkte und auch national die Förderung verlor, gründeten aktive Finnsegler den Verein zur Förderung des Nachwuchssportes in der Finn Dinghy Klasse e.V. Er wird überwiegend aus Spendengeldern finanziert.

In ihrer Zielbeschreibung heißt es: “Das Ziel des Vereins war von Anbeginn nicht die Schaffung einer baldigen Olympiateilnahme aus eigener Kraft, sondern langfristig das Image der Finnklasse in Deutschland zu fördern und Nachwuchssegler zu begeistern und sie an die internationale Regattaszene heranzuführen. Der Förderverein hat zusammen mit der Klassenvereinigung bewirkt, dass das Finn wieder wahrgenommen wird.

Das Audi Sailing Team Germany hat sich etabliert und eine Nationalmannschaft definiert. Auch das Finn gehört als Olympische Klasse dazu. Die Zusammenarbeit mit DSV und ASTG hat zur Einrichtung eines FINN-Trainers geführt. Damit ist es nun deutlicher unsere Aufgabe, Nachwuchsförderung zu betreiben und die Unterstützung des Spitzensports dem DSV und ASTG zu überlassen.

Konsequenterweise wurde der Förderverein Ende 2015 mit der Klassenvereinigung verschmolzen. Inzwischen hat sich der Begriff Finn Team Germany zum Namen der ganzen deutschen Finngemeinschaft entwickelt und wird von der Klassenvereinigung übernommen. Um die Ziele und, die Aktivitäten und die Segler weiterhin öffentlich zu machen, wurde beschlossen, die Webseite finnteamgermany.de weiter zu betreiben.”

Finn Team Germany 2016

Simon Gorgels
Lars Haverland
Phillip Kasüske
Max Kohlhoff
Eike Martens

Ergebnisse Finn Gold Cup Gaeta

Eventseite Finn Gold Cup

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Finn Gold Cup: “The German” Phillip Kasüske dominiert – Ein neues “Wunderkind”?“

  1. avatar Fakt sagt:

    Der Phillip macht nicht nur auf dem Wasser sondern auch an Land eine gute Figur.

    Race 5 wurde gerade bei etwas stärkerem Wind beendet. Ergebnisse ?

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  2. avatar Marina sagt:

    Kann man Phillip nicht “einfach” jetzt noch zu dem Olymp. Spielen nominieren? Verdient hätte er’s – gleichgültig, ob er nun 1. / 2. oder 3. wird – siehe die “großen” Namen, die er bisher hinter sich gelassen hat…. ;-)))))

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    • avatar Afterguard sagt:

      Leider hat GER gar keinen Startplatz bei den olympischen Spielen ersegelt. Er könnte damit nicht einmal theoretisch nominiert werden.
      Es gibt 23 Startplätze für Finn in Rio, leider hat es kein deutscher Segler geschafft bei einem der Events, bei denen diese Satrtplätze vergeben wurden, soweit vorne zu landen, dass es gereicht hätte.

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  3. avatar Fakt sagt:

    Phillip Kasüske ist aufgrund irgendwelcher proteste doch noch 10. geworden und morgen beim Medal-race dabei.

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  4. avatar Marina sagt:

    @Afterguard: Ja logisch – das war mir schon klar – ich hätte es dem sympathischen Kerl einfach nur gewünscht…
    Das wollte ich damit ausdrücken 🙂
    Außerdem war’s klasse, daß er seine Leichtwind-Stärke so richtig zeigen konnte!
    Naja – wenigstens hat er es ja mit Glück auch noch ins Medalrace geschafft – Glück gehört eben auch immer ein
    bißchen dazu! 😉

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