Jörg Riechers Wochenbilanz. “Für Hugo Boss sieht es finster aus”

Genialer Haudegen Le Cam

Der Franzose Jean Le Cam am Steuer und der Spanier Bruno Garcia am Grinder machen mit der "President" (ex "Ecover 3") viele Meilen gut.© J. Vapillon

Eine Woche nach dem Start kristallisiert sich heraus wer vorne mitmischen kann und für wen das Rennen schon so gut wie gelaufen ist. Nicht allzu überraschend haben sich die beiden Top Favoriten „Virbac Paprec“ und „Foncia“ an der Spitze des Feldes etabliert. In den nächsten Tagen werden diese beiden ihren Vorsprung noch weiter ausbauen, da sie als erste die Passatwinde erreichen.

Die beiden Verfolger „Mirabaud“ und „Estrella Damm“ haben sich solide hinter den Führenden platziert und werden sich noch weiter vom Mittelfeld absetzten können. Die eigentliche Überraschung hier ist für mich „Mirabaud“. Nach einem nicht sehr überzeugenden Vendée Globe präsentiert sich Dominique Wavre mit seinem überarbeiteten Owen Clarke Design sehr stark und konstant schnell.

"President" glänzt vor den Kanaren mit einer taktisch guten Entscheidung. © B. Stichelbaut

Sehr interessant finde ich das Mittelfeld, in dem sich auch der deutsche Boris Herrmann befindet. Nach dem Topfschlagen im Mittelmeer hat sich diese fünf Boote umfassende Gruppe fast zeitgleich in den Atlantik gekämpft, und hier begann das eigentliche Rennen.

Endlich ging es nicht mehr um Glück sondern um Speed und taktisches Geschick. Und sofort glänzte der alte Haudegen Jean Le Cam mit einem genialen Timing seiner Wende nach Süden. Danach segelte er etwas tiefer als die anderen (TWA 52°) und machte so viel Weg nach Süden gut, dass er sich jetzt in einer taktisch günstigen Angriffsposition zu seinen Kontrahenten befindet. Wie es scheint geht sein Kalkül auf, und er festigt seinen 5. Platz.

Die 49er Goldmedaillengewinner auf „Mapfre“ haben den Winddreher der gestrigen Kaltfront auch sehr gut erwischt. Sie sind danach allerdings meiner Meinung nach zu hoch gesegelt. Sie segelten so zwar den besten VMG, aber eben nicht den Speed mit dem Le Cam Richtung Süden hält. Und Speed ist nun mal der Erfolgsgarant bei Offshore Regatten. Gut 5° tiefer zu segeln mit  1,5kn mehr Speed zahlt sich eben aus.

"President" kann sich mit guter Taktik von der Mittelgruppe absetzen. © B. Stichelbaut

„Groupe Bel“ – „Neutrogena“ und „Gaes“ liefern sich ein sehr enges Rennen um den 7. Platz, bei dem „Groupe Bel“ seinen besseren Bootsspeed ausspielt und somit „Neutrogena“ auf den 8. Platz verdrängte.

Hinter dem Mittelfeld klafft ein großes Loch zum Ende des Feldes, welches sich in den nächsten Tagen noch vergrößern wird, da diese Gruppe weniger Wind mit einer starken südlichen Komponente hat. Die Folge sind gut drei Knoten weniger Speed im Vergleich zu den Booten voraus. Erst am Samstag Nachmittag ist Besserung in Sicht. Bis dahin dürften jedoch weitere 50 Meilen auf die restlichen Boote futsch sein.

Sehr finster sieht es nach wie vor für „Hugo Boss“ aus. Selbst bei den beständigen Bedingungen mit über 20kn gestern konnte Alex Thompsons Boot keine Meile auf die voraussegelnde uralte ex „Kingsfisher“ gut machen – kein gutes Zeichen.

Langsam zeichnet sich ab das Hugo Boss kaum Chancen haben wird, bei dieser Regatta noch eine Rolle zu spielen.

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Der Hamburger Einhand-Offshore-Segler Jörg Riechers hat zuletzt bei seiner Class40 Premiere mit “Mare.de” eine hervorragende Leistung mit Platz sechs bei der Route du Rhum abgeliefert. Davor segelte er in der Mini-Klasse sensationell stark. Mit Platz zwei beim Einhand-Rennen Les Sables – Azoren – Les Sables bestätigte er seine internationale Spitzenposition in dieser Klasse.

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2 Kommentare zu „Jörg Riechers Wochenbilanz. “Für Hugo Boss sieht es finster aus”“

  1. avatar enzo früh sagt:

    Fantastische Kommentare, weiter so! Der Einblick in die taktischen Überlegungen und hinter die Kulissen der Szene ist immer wieder spannend.
    Es grüsst, enzo

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  2. avatar andreas sagt:

    klasse Bericht von Joerg “olli” riechers. keep going,joerg, das vendee globe wartet!!

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