IRC und ORC Vertreter arbeiten an einer allgemein gültigen Vergütung

Handicap-Gegner suchen gemeinsame Formel

ORC WM in Flensburg. Handicap Vergleich verschiedenster Schiffe auf hohem Niveau. © Christian Beeck/Fotographie CB

Es ist sicher eine gute Nachricht. In absehbarer Zeit wollen der Royal Ocean Racing (RORC) Club, der zusammen mit der französischen Organisation UNCL über die IRC Regel wacht und der Offshore Racing Congress , der für die ORC Vergütung steht, zusammen an einer einzigen Formel arbeiten.

ORC-Vizepräsident Wolfgang Schäfer sagt gegenüber SR:  „Dieses ist nach meinem Vorstoß in Korea vor einem Jahr das erste Resultat. Es wird sich zeigen, wie es weiter geht. In jedem Falle konnten wir eine gute Basis für weitere Verhandlungen schaffen. Sollte am Ende ein brauchbares Ergebnis stehen, wäre das einer der größten Schritte nach Gründung des ORC Ende der 60iger Jahre.“

In der Pressemitteilung äußern sich ORC Präsident Bruno Finzi und Wolfgang Schäfer „enthusiastisch“. “Wir begrüßen die Arbeit und Freundschaft mit dem RORC und glauben, dass es endlich Zeit ist zur IOR Ära und dem Spirit der ORC Gründung zurückzufinden.“ Demnach solle es nur eine internationale Vergütungsregel im Hochseesegeln geben.

Im Einklang lassen sich auch die bisherige Gegner, RORC Admiral Chris Little, Admiral und Kommodore Andrew McIrvine zitieren. Es sei an der Zeit, die Entwicklung der Vergütungsregel unter ein Dach zu bringen.

Politisch ist das wohl ein ungeheuerer Schritt. Den ehrwürdigen Regelhütern scheinen mächtige Sprünge über ihre Schatten gelungen zu sein. Respekt! Ein wichtiger Impuls, wenn er dem Segeln denn hilft.

Andererseits geht mir das Gezerre um Vergütungsformeln auf die Nerven. Dabei ist die Handicap-Segelei nicht ganz so schlimm, wie ich dachte. Bei meinem Erstkontakt mit dem Rating Segeln bei der Deutschen Meisterschaft in Kiel waren die Rennen durchaus auf einem hohen Niveau, auch wenn wir mit der neuen Dehler 35 scheinbar mühelos den Titel holen konnten.

Aber danach ging die Diskussion los. Was ist der Sieg wert?  Wie gut sind wir wirklich gesegelt? War das Handicap für den wenigen Wind überdurchschnittlich gut? Später bei der WM in Flensburg hat eine dänische Crew die “Hochwürden” bei starkem Wind nur auf Platz zwölf gebracht. Zwei DQs waren sicher nicht hilfreich. Aber sind sie auch schlechter gesegelt? Oder hat das Schiff berechnet bei Starkwind keine Chance?

Bei dem chancenlosen Dehler 32 Ausflug danach in Holland habe ich das Limit der Handicap-Segelei deutlich verspürt. Trotz einiger Aliegerkurse waren zu viele Yachten deutlich schneller, obwohl wir ihnen nach Handicap Zeit vergüten müssten. Das macht kein Spaß.

Natürlich kann man das Segeln nach Vergütung auch als Herausforderung ansehen. Wer sein Schiff so modifizieren, dass es optimal in die Formel passt, liegt vorne. Das ist wohl auch eine Kunst. Aber wenn man echten Wettbewerb will ohne Ausreden, dann bleibt nur das One Design.

Handicap macht Sinn, um Boote zu vergleichen, die man eh schon hat. Zum Beispiel bei der Mittwochsregatta, oder der Alsterglocke. Aber bei einer ernsthaften Regatta? Wie auch immer. Je weniger Formeln umso besser. Wenn sich dann die Regelhüter irgendwann auf nur eine Berechnung einigen sollten, dann ist das umso besser.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „IRC und ORC Vertreter arbeiten an einer allgemein gültigen Vergütung“

  1. avatar ottomol sagt:

    Nein, bitte nicht!
    Analog zu Godwins Law ist es ja nun mal Tatsache dass jedes gesellige Beisammensein von Seebahn-Seglern früher oder später(!) in einer Vermessungs-Diskussion endet.
    Wollen sie uns das nehmen?
    Woran erkennen wir dann dass es Zeit ist für die Koje?

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