Hyères World Cup: Philipp Buhl tankt mit seinem Sieg Selbstbewusstsein zur richtigen Zeit

Dramatisches Finale

Philipp Buhl gewinnt Weltcup-Titel in Hyères. Rechtzeitig vor der WM in Mexiko ist der Bayer in Form gekommen. Wie Buhl im spannenden Medalrace die Nerven behielt.

Hyeres Philipp Buhl

Buhl bei Starkwind in Hyères. © Pedro Martinez/Sailing Energy/World Sailing

Der zurzeit beste deutsche Segler Philipp Buhl hat rechtzeitig zum Start in das Olympiajahr gezeigt, dass er bei der Vorbereitung für Rio nicht locker lässt und zu Recht zum größten DSV-Hoffnungsträger auf eine Medaille zählt. Nach seinen Ansprüchen zufolge zuletzt eher durchwachsenen Wettkampf-Leistungen mit neunten Plätzen in Rio und Abu Dhabi so der enttäuschenden Europameisterschaft mit Rang 13 hat er nun wieder einen großen Sieg eingefahren.

Der Beginn des Weltcups in Hyères, bei dem nur die 40 besten Segler der Welt pro Klasse zugelassen sind, segelte Buhl bei harten Bedingungen stark und zeigte dann seine Variabilität, indem er auch bei schwächerem Wind Top-Ergbnisse einbrachte.

Hyeres Philipp Buhl

Philipp Buhl freut sich über seien insgesamt vierten Weltcup-Sieg. © Pedro Martinez/Sailing Energy/World Sailing

Aber dann folgte ein schwacher Tag, nach dem Buhl mit den Plätzen 32/15 auf Rang fünf zurück fiel. Auch zur EM war die Serie des Vize-Weltmeisters zur Hälfte eingebrochen. Aber diesmal bekam er wieder die Kurve, schob sich mit 1/4 vor dem Medalrace auf den Silber-Platz.

Das Finale verlief dramatisch. Vater Friedel beschreibt das doppelt zählende Rennen der Top Ten auf Buhls Website so:

“Philipp Buhls gefährlichste Konkurrenten: Tom Burton, AUS (-5 Punkte ), Matthew Wearn, AUS (±0 P.), Sam Meech, NZL (+1 P.) und Nick Thompson, GBR (+7 P.) und Andy Maloney, (NZL (+9 P.).

Buhl segelt zunächst in die mittige Beobachterposition des sich nach links und rechts aufsplittenden Zehner-Feldes. Er liegt nach ca. drei Segelminuten an siebter Stelle, holt sich zum Ende des ersten Kursabschnittes (Startkreuz) noch Vorteile links seiner Konkurrenten und rundet die erste Bahnmarke als Fünfter. Meech führt vor Burton – er weiterhin auf Goldkurs.

Hyeres Philipp Buhl

Ein Bild, an das man sich gewöhnen kann. Buhl obenauf im Olympia-Jahr. © Pedro Martinez/Sailing Energy/World Sailing

Doch dann gelingt es dem Allgäuer, auf dem Vorwindkurs kräftig auf die „Tube“ zu drücken. Er spürt offensichtlich etwas günstigere Bedingungen deutlich links vom Feld – geht damit auch mehr taktisches Risiko ein. Noch segelt er auf Silberkurs. Sein Windriecher täuscht ihn nicht. Der Bayer schließt auf, überholt und rundet im Leegate (zur Halbzeit) an zweiter Position. Nun hat er den Australier vom Goldpfad verdrängt. Seine Gefahr bleibt.

Buhl handelt cool

Und Buhl handelt cool. Mit dem immer mehr nachlassenden und nach rechts tendierenden Wind setzt er zusammen mit Meech und Maloney entschlossen auf die zu vorhin gegensätzlich rechte Seite. Burton und Co segeln dagegen links raus. Die drei Rechtsausreißer – Meech knapp vor Buhl – setzen sich vom Feld immer mehr ab. Buhl – zwar schon auf Overall-Goldposition – geht auch vor der zweiten Luvmarkenrundung gegen Meech in die Madelrace-Führung. Jetzt noch der Vorwind.

Buhl segelt bei nur mehr 6-8 Knoten Wind an der Feldspitze. Der Australier im gelben Trikot, Burton, ist mit über 150 m im Hintertreffen und faktisch besiegt. Doch Meech und Maloney sind nach Buhls Gold in Griffweite. Der Wind, im schieren Sturzflug von gut 6 nach nurmehr magerem 1 Beauffort, führte eine seltene Kapriole vor und ließ vor totalem Einschlafen bangen. Etwa 400 m noch zum Ziel. Maloney, weiter links segelnd, genießt einen Hauch mehr Wind und zieht schleichend an Buhl vorbei. Der lässt den Neuseeländer unbeeindruckt ziehen. Der Deutsche muss sich auf den zweiten Neuseeländer Meech konzentrieren. Er ist zwischenzeitlich Gegner Nr. 1 und  sitzt ihm nicht ungefährlich im Nacken.

Doch Buhl lässt nichts mehr anbrennen. Er passiert nach Neuseelands Maloney das Ziel und greift für Deutschland nach der erste Weltcup-Goldmedaille dieser Saison.”

In Top-Form zur WM

Mit dem Sieg hat sich der deutsche Lasersegler neues Selbstvertrauen für die Olympia-Saison geholt und besonders vor der in eineinhalb Wochen beginnenden WM in Mexiko.

Das spannende Finale hat einen starken Buhl gezeigt, allerdings auch, wie wenig planbar eine deutsche Laser-Olympia-Medaille in Rio ist. In dieser Klasse liegt das Feld so dicht beisammen wie in keiner anderen. Für einen Erfolg ist Glück und Nervenstärke gefragt. Beides hatte der Bayer besonders auch beim WM Finale der vergangenen WM, als er noch Silber holte.

Für Rio muss er noch das Strömungsrevier in Rio in den Griff bekommen. Da hat er noch Probleme. Aber nach der WM beginnt die direkte Vorbereitung, und Buhl wird durch Erfolge wie in Frankreich immer besser und selbstbewusster. Er hat das gewisse Etwas, das nötig ist, um auch bei Olympia zu bestehen. Aber genauso leicht ist es, in dieser Klasse die Top Ten zu verpassen.

Ergebnis Hyères World Cup

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Hyères World Cup: Philipp Buhl tankt mit seinem Sieg Selbstbewusstsein zur richtigen Zeit“

  1. avatar Marina sagt:

    Super-mega-klasse, Philipp! Ich gratuliere herzlichst!
    (Hab ich’s Dir nach dem einen “Fauxpas” nicht gesagt ;-))))))
    Mast- und Schotbruch weiterhin!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Alexander sagt:

    Was bedeutet denn das Nacra 17 – Ergebnis für Olympia?

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