Boris Herrmann im Interview

„Ich kann selbst die Besten schlagen“

Boris Herrmann auf seiner Class 40 "Beluga Racer" © beluga-racer.com

Deutschlands bester Einhandsegler Boris Herrmann sucht einen neuen Sponsor © beluga-racer.com

Boris Herrmann, zusammen mit Felix Öhme auf dem Class 40 „Beluga Racer“ Sieger beim letztjährigen Portimão Global Race, träumt von einer Teilnahme bei der härtesten Regatta der Welt, der Vendée Globe 2012. Wie er sich darauf vorbereitet, warum er derzeit in der Bretagne lebt und warum er einen neuen Sponsor sucht, erklärt er im Interview mit Segelreporter.com.

Boris, warum wohnst Du in der Bretagne?

Ich bin in die „Pole France“, die französiche Kader-Schmiede für Langstreckensegler aufgenommen worden. Hier in Port La Forêt-Fouesnant (kurz „Port Laf“), lerne ich eine Menge über Wetterkunde, Motoren, medizinische Versorgung, – einfach alles, was man als Einhand-Segler dringend wissen und können muss. Zudem trainieren wir hier auf Figaros. Das ist ein illustrer Haufen hier. Von Bernhard Stamm über Vincent Riou bis hin zu Michel Desjoyeaux geben sich die Größen des Segelsports hier die Klinke in die Hand – und ich sitze mitten unter ihnen. Neben dem Training und dem Unterricht versuche ich, neue Segelprojekt anzuschieben.

Wie bist Du in diesen Kader hinein gekommen?

Felix Oehme gewann mit Boris Herrmann auf dessen "Beluga Racer" das Portimão Global Race 2009 © beluga-racer.com

Ich habe einen Antrag gestellt und wurde angenommen. Anscheinend dachten sie dort, dass ich mich aufgrund meiner bisherigen Leistungen qualifiziert habe. Die Akademie wird übrigens vom französischen Staat finanziell unterstützt.

Was ist mit Beluga, der Firma, die Dich zwei Jahre lang unterstützt hat?

Beluga hat mir mitgeteilt, dass Ihr Engagement in diesem Monat endet. Das kam für mich sehr überraschend, schließlich haben wir eine sehr erfolgreiche Zeit zusammen gehabt. Aber über die genauen Gründe ihres Rückzuges bin ich nicht informiert.

Was ist Dein großes Ziel?

Das ist nach wie vor die Vendée Globe. Allerdings muss ich dazu erst einmal einen neuen Sponsor finden. Eine Vendée-Kampagne kostet eine Menge Geld.

Wie viel?

Ich denke zwischen 6 und 8 Millionen Euro für eine vier Jahre dauernde Kampagne. Ungefähr 3 Millionen würden für ein gebrauchtes Schiff der Open-60-Klasse anfallen, den Rest würden ein rund 10-köpfiges Team, Technik, Fahrtkosten u.s.w. vereinnahmen.

Wie könnte ein möglicher neuer Sponsor aussehen?

Zum einen könnte es ein Hersteller von Konsumgütern sein. Jemand, der über meine Kampagne eine Alleinstellung sucht. Es hat bisher ja noch nie einen deutschen Segler gegeben, der die Vendée Globe gesegelt ist. Zudem bin ich mit 29 Jahren noch sehr jung. Somit könnten eventuelle Sponsoren vielleicht auch speziell junge Endkunden über ihr Engagement bei meiner Kampagne ansprechen. Zum anderen könnte es ein großer Konzern sein, der mit seinem Engagement Image-Kampagnen fahren würde, Geschäftskunden oder Mitarbeiter mit dem Segelsport begeistern möchte. So hat zum Beispiel Sebastien Josh mit Britisch Telecom so einen Sponsor gefunden.

Wo suchst Du Deine Sponsoren?

Hauptsächlich suche ich im deutschsprachigen Raum, dort habe ich derzeit noch die meisten Kontakte. Auch ein französisches Unternehmen oder eine amerikanische Firma kämen in Frage – zumindest bewege ich mich sprachlich in allen diesen Bereichen sehr sicher.

Hilft Dir Deine Ausbildung zum Diplom-Ökonom bei der Sponsoren-Suche?

Ich denke schon. Eine solche Kampagne muss man sehr genau und gut planen. Mann muss den Unternehmen klar machen können, welche Investitionen sie tätigen, welche Kosten auf sie zukommen, aber auch welchen Return of Investment sie erhalten. Als Profi-Segler muss man heute vielleicht auch ein wenig Manager sein, so findet man mit Sponsoren eine bessere Kommunikationsebene. In Nordfrankreich haben zum Beispiel die Hälfte der guten Segler keinen Sponsor. Sie trainieren den ganzen Tag und tüfteln, aber das hilft eben in der Finanzierungsfrage nicht unbedingt weiter.

Ist Dein Alter ein Vor- oder ein Nachteil bei der Suche?

Je jünger, desto länger kann man eine solche Zusammenarbeit miteinander gestalten und ausbauen. Das Sponsoring von Franck Cammas und Groupama existiert schon seit 20 Jahren. Und derzeit ist er mit seinen Projekten in aller Munde (Franck Cammas ersegelt gerade den Jules-Verne-Rekord für die schnellste Weltumsegelung, ohne das Schiff und Team Regeln auferlegt werden). Auch Roland Jourdain und Veolia arbeiten schon 13 Jahre lang zusammen.

Siehst Du Dich selbst als Ausnahmetalent?

Ausnahmetalent würde ich jetzt so nicht sagen. Aber ein wenig Pioniergefühl macht sich schon breit. Wir sind beim Portimão Global Race 2009 die erste Um-die-Welt-Regatta mit Class-40-Yachten gesegelt. Alle haben vorher gesagt, das sei zu gefährlich. Aber wir waren mutig genug und haben es mit dem Sieg optimal hinbekommen. So eine Entscheidung hat nicht viel mit Talent zu tun, eher schon mit Entschlossenheit. In Deutschland zumindest sehe ich derzeit außer den Jungs, welche die Mini-Transat segeln keinen Segler wie mich.

Die Vendée Globe gilt als die härteste Regatta der Welt. Was bedeutet sie für Dich?

Sie auf jeden Fall ein großes Abenteuer. Und sie ist sehr faszinierend, denn das Interesse in der Öffentlichkeit und bei den Medien ist enorm. Was mich jedoch besonders fesselt ist die Tatsache, dass man als Skipper sein Schiff voll im Griff haben muss. Das heißt nicht nur, dass man es seglerisch beherrscht, sondern dass man auch Schäden reparieren kann. Sei es im elektrischen Bereich, in der Hydraulik, bei den Segeln, beim Motor – man muss alles können! Wenn im America’s Cup ein Teil zu Bruch geht, wird es noch am Abend ausgetauscht. Während der Vendée gibt es jedoch weder eine Shore-Crew, die für den Skipper Reparaturen durchführt, noch ein begleitendes Ersatzteillager. Auch die gesamte Kommunikation rund um das Rennen empfinde ich als große Herausforderung. Man muss den Zuschauern vermitteln was an Bord passiert.

Wochenlang ganz allein auf dem Meer. Wird Dir eine solche Weltumsegelung Sorgen machen?

Ich glaube, das Schwerste ist es, überhaupt loszukommen. Wenn man dann erst einmal unterwegs ist, die Biskaya und die Kanarischen Inseln hinter sich hat, dann fällt einem das Allein-Segeln nicht mehr schwer. Zudem ist der Southern Ocean für Einhandsegler ein super Revier. Es herrscht wenig Verkehr und die Wettersysteme sind sehr gut vorhersehbar. Es ist doch so, dass man sich an Bord richtig gehend eingewöhnt, und es dann sogar genau so schwer fällt, wieder mit dem Segeln aufzuhören und an Land zu gehen, wie es zuvor schwer fiel, loszusegeln. Beim Portimão Global Race war das auch so. Kaum hatten wir mit Kap Hoorn den Gipfel des Segeln erlebt, bogen wir schon nach Norden ab und begannen mit dem Aufstieg durch den Atlantik. Da wurden wir schon richtig wehmütig, als das Kap gerade achteraus außer Sicht war. Wir wussten, dass es jetzt bald vorbei sein würde.

Wenn Du derzeit in der Bretagne mit den Größen des Einhandsegelns auf Figaros segelst, kannst Du dann mit ihnen mithalten?

Ja natürlich, auf jeden Fall. Auch die besten der Szene kann ich im Training überholen oder auch bei einem Figaro-Rennen schlagen. Aber einen guten Skipper machen ja nicht nur seine Segelfähigkeiten aus.
Ein Mensch wie Michel Desjoyeaux (Vendée-Globe-Sieger 200/2001 und 2008/2009) leistet viel mehr, als nur ein Rennen zu segeln. Zusammen mit seinem Bruder, in dessen Werft er seine Schiffe baut, trägt er einen Großteil des gesamten Sports. Er versteht es, Schiffe zu entwickeln und diese dann auch schnell zu segeln. Es ist fast so wie in der Formel-1 mit Michael Schumacher. Der kann nicht nur schnell fahren, sondern er weiß auch wie man ein Auto weiterentwickelt, es schneller macht. Von jemandem wie Michel Desjoyeaux kann ich mir extrem viel abgucken. Und so ist es auch mein Wunsch und Ziel, ein Schiff von ihm zu kaufen, und dann von ihm zu lernen, wie man es am besten segelt.

Was sind die Ziele, die Du auf dem Weg hin zur Vendée Globe bestreiten möchtest?

Die Vendée ist sozusagen in einen festen Vier-Jahres-Zyklus eingebunden. Im Herbst 2011 würde das Transat Jacques Vabre von Le Havre nach Brasilien stattfinden. Dann folgt im Mai 2012 die Artemis Transat (Plymouth – Boston). Nach der Vendée 2012 folgt 2013 die Route du Rum (Saint Malo – Pointe-à-Pitre/Guadeloupe). Je nach Sponsor können dazwischen noch Rennen rund um Europa, England oder Irland gesegelt werden.

Boris, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Mathias Müller
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