Herausgeber Herbert Grabufke startet ein Jugendprojekt

„Ichmachdichmesser“ vs „Großdeutschland“

SR-Herausgeber Herbert Grabufke

Moin, Moin, neulich saßen wir in einer Redaktionskonferenz, als der Kollege Kemmling unvermittelt einwarf: „Leute, wisst ihr eigentlich, wie gut es uns geht?!“. Ja, recht hat er. Wir bei Segelreporter.com sind uns bewusst, dass wir über das Hobby einer privilegierten Schicht unserer Gesellschaft berichten. Aus diesem Grund sehen wir uns auch in der Verantwortung für jene, die das Leben in den Schatten gestellt hat.

Im Licht der jüngsten öffentlichen Diskussionen ist uns die Idee gekommen, etwas für die Integration von Randgruppen in diese Gesellschaft zu tun. Insbesondere wollten wir uns junger Männer annehmen, deren Lebensweg absehbar in die falsche Richtung führt.

Mein Vorschlag, dass sich die Jungs in einer Strafdivision beim Minenräumen in Afghanistan bewähren sollten, wurde von den Redaktionskollegen als nicht mehr zeitgemäß verworfen. Nun gut, tempora mutantur. Aber was tun?  Wir haben uns auf unsere Kernkompetenzen besonnen und ein Segelprojekt für diese Jugendlichen ins Leben gerufen.

Als Vorbereitung darauf habe ich auf dringendes Anraten der Kollegen ein Intensivseminar beim „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ Institut von Claudia Roth besucht. Auch wenn meine Wortbeitrage dort regelmäßig mit dem Straftatbestand der Volksverhetzung  in Verbindung gebracht wurden, konnte ich viel dazu lernen.

Leute, die ich bis vor kurzem einfach nur als „Asoziale“ bezeichnet hätte, sehe ich nun als Opfer der von der Mehrheitsgesellschaft ausgehenden strukturellen Gewalt. Mit diesem weltanschaulichen Rüstzeug konnte ich dann unser Jugendprojekt starten.

Wir haben zwei ältere Regattaboote erworben, die wir mit zwei Mannschaften, deren Mitglieder aus problematischen Verhältnissen stammten, besetzten.

Das eine Boot, die „Ichmachdichmesser“, wurde mit den Neuköllner Jugendlichen Ahmed, Tarek, Ozan und Mehmet besetzt. Ursprünglich hatten wir als einziges weibliches Crewmitglied noch die 14 jährige Aishe an Bord. Leider verletzte sich das Mädchen schon am ersten Trainingstag schwer am Großbaum. Sie musste von ihrem Ehemann ins Krankenhaus gebracht werden.

Das andere Boot wurde von den Jugendlichen auf den Namen „Großdeutschland“ getauft. Hier bestand die Mannschaft aus den Mecklenburger Jungs Ronny D., Ronny K, Ronny E. und Ronny S..

Um den Jugendlichen den Zugang zum Segelsport zu erleichtern, haben wie die traditionellen Fachbegriffe modifiziert und an den Sprachhorizont unserer Schützlinge angepasst. Dies sei an folgenden Beispielen verdeutlicht:

Raum! = Verpiss Dich!

Wende!= vorne rum!

Halse! = hinten rum!

Schot! = scheiß Leine!

Hol dicht! =  Zieh scheiß Leine!

Fieren! = Mach los scheiß Leine!

Natürlich hatte auch ein so innovatives Projekt wie unseres mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. So haben wir eine ehemalige 470er Weltmeisterin als Trainerin engagiert, um den Jugendlichen die Gelegenheit zu geben, ihr tradiertes Frauenbild zu überdenken.

Die Dame bewies allerdings eine nur gering ausgeprägte interkulturelle Kompetenz. Schon nach einem Tag schmiss die Dame mit der  Begründung hin, dass sie es nicht nötig habe, sich von den Jungs mit den nahöstlichen Wurzeln ständig als „Tittenkartoffel“ bezeichnen zu lassen.

Diese Lücke wurde selbstlos vom Kollegen Kemmling geschlossen, der sich mit ein paar Kopfnüssen umgehend den nötigen Respekt zu verschaffen wusste. Schon nach kurzer Zeit erhielt er von unseren Schützlingen die in diesen Kreisen übliche Ehrenbezeichnung „Hurensohn“ .

Nach einem Einführungslehrgang konnten wir die ersten Trainingsfahrten durchführen. Dass genau die beabsichtigte Zielgruppe von unserer Maßnahme erreicht wurde, beweist der Umstand, dass das die erste Proberegatta abgebrochen werden musste, weil die Jugendlichen versucht haben, mit unkonventionellen Mitteln das Rennen zu beeinflussen.

Von der „Ichmachdichmesser“ flogen Wurfsterne ins Großsegel der „Großdeutschland“, was mit Handgranatenwürfen beantwortet wurde. Letztere erwiesen sich zum Glück allesamt als Blindgänger, weswegen es zu keinen größeren Schäden kam.

Am letzten Tag unserer Veranstaltung konnten wir eine Reihe spannender Wettfahrten durchführen. Der Crew der „Großdeutschland“ machten dabei allerdings alkoholbedingte Ausfallerscheinungen zu schaffen. Nachdem sie einen Ausflugsdampfer und ein Boot des Verfassungsschutzes gerammt hatte, mussten sie sich der „Ichmachdichmesser“ geschlagen geben.

Was bleibt, ist ein für alle Beteiligte unvergessliches Erlebnis. Das können Sie mir glauben.

Ihr Herbert Grabufke (Herausgeber)

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

10 Kommentare zu „Herausgeber Herbert Grabufke startet ein Jugendprojekt“

  1. avatar B. Sorgt sagt:

    Ach du liebe Güte!

    Welcher Praktikant durfte sich denn hier mal versuchen? Unterirdisch ist wohl arg geschmeichelt. Wenn ihr euch einen Gefallen tun wollt löscht den Beitrag, bevor ihn noch mehr lesen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 5

  2. avatar Peter Pan sagt:

    Ich finds lustig… passend zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=dDnhthI27Fg

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  3. avatar MC sagt:

    ich habe das erste Mal seit Wochen Tränen gelacht. Einfach wunderbar. Danke,danke,danke

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  4. avatar Caiman sagt:

    Ich find´s gut. Man kann sicher nicht immer jedermanns Geschmack treffen. Wer´s nicht mag, muss es ja nicht lesen.
    Grundsätzlich habt ihr hier eine tolle, spannende und abwechslungsreiche Seite ins Leben gerufen, die ich seit einiger Zeit fast täglich nutze und nicht mehr missen möchte.
    Vielen Dank dafür und weiter so!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  5. avatar Klaus sagt:

    Gutmenschen und Moslemversteher
    werden es wohl nicht verstehen…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  6. avatar Carsten Sauerberg sagt:

    Toll, fein, lobenswert.
    Weitermachen. Schmiddl möge Euch ne VAR.44 (C-Ware reicht, A-Ware ist selten, B-Ware kost 100tsd) sponsern, dann alle 8 auf ein Boot. Wenn ihr das hinkriegt, dann könnt ihr nen Integrationskindergarten gründen und kriegt die goldene Birkenstocksandale des Deutschen Vereins für Sozialpädagogik. Carsten

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  7. avatar gonzo sagt:

    Alder, von “Du Opfer” zu “Hurensohn” in so kurze Zeit?
    Respekt Digger!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  8. avatar Sven sagt:

    Hiach, politisch so herrlich unkonrekt 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  9. avatar Olli sagt:

    Lieber Herr Grabufke, lassen sie uns doch bitte auch in Zukunft desöfteren ihre Texte lesen! Die Jugend braucht Vorbilder wie sie in unserer verwahrlosten Zeit.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  10. avatar Alex sagt:

    Nee, was wunderbar. Gar nix für uns “deutsche”, nämlich mal lachen. Köstlich. Mehr !!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *