Jules Verne Trophy

Im kleinsten Gang zügig voran

Stéve Ravussin (r.) steuert "Groupama 3" Kap Hoorn entgegen © www.cammas-groupama.com

Zugegeben, der Vergleich hinkt – im Gegensatz zu einem Auto verfügt ein Segelschiff nicht über ein Getriebe, welches die Leistungen der einzelnen Gänge limitiert. Welches Auto könnte schon im ersten Gang 180 fahren? Keines, nicht mal bergab. Bei „Groupama 3“ ist das in diesen Tagen anders. Der Tri segelt, in kleinsten Gang, mit kleinem Vorsegel und drei Reffs im Großsegel, dem Kap Hoorn entgegen – mit fast 28 Knoten Geschwindigkeit.

„Es ist das erste Mal seit unserem Start, dass wir das dritte Reff im Groß segeln“, berichtet Skipper Franck Cammas. Zu bedrohlich sei der starke und ständig drehende Wind, mit dem die Crew bei der Annäherung an Kap Hoorn kämpfen muss. Sein Team sei sehr darauf bedacht, dass nichts an Bord Schaden nehme, so Cammas.

Nach dem Umweg in den Norden, mit dem die Crew einem Sturmtief ausgewichen war, segelt der Trimaran nun auf südöstlichem Kurs dem südlichsten der drei großen Kaps entgegen. Nun zeigt sich auch wie viel „Groupama 3“ bei seiner Flucht vor dem Tief von seinem Vorsprung gegenüber dem virtuellen Gegner und Rekordhalter „Orange II“ (2005) eingebüßt hat.

Von einst 550 Seemeilen sind nach drei Tagen auf nordöstlichem Kurs immerhin noch 250 Meilen übrig. Eigentlich gar nicht schlecht, war der Vorsprung doch am gestrigen Mittag sogar schon auf 184 Meilen zusammen geschrumpft. Derzeit segelt der 31,50 Meter lange Trimaran auf Position 53°05.22 Süd/88°35.88 West, und hat noch rund 800 Seemeilen bis Kap Hoorn zurückzulegen, welches die Crew am morgigen Nachmittag erreichen möchte.

„Gut möglich, dass wir das Kap nicht zu Gesicht bekommen werden, weil wir es aufgrund von dort schwach wehenden Winden, weit im Süden runden müssen“, sagt Skipper Franck Cammas. Eventuell, so Cammas, müsse er seinen Trimaran sogar weitere 24 Stunden lang nach Osten in den Südatlantik steuern, bevor er die Schwachwindzone umsegelt habe, und dann mit dem Aufstieg durch den Atlantik beginnen könne. Eine weitere Option sei es, ganz dicht unter Land an der Küste zu segeln, wo eventuell starke Winde von vorn auf das Team warten würden. Eine Entscheidung darüber, so der Skipper, treffe man im Lauf des heutigen Tages.

Das Rennen um die Jules Verne Trophy bleibt also weiterhin sehr spannend, zumal Rekordhalter Skipper Bruno Peyron im Jahr 2005 mit seinem 36,80 Meter langen Katamaran „Orange II“ mit sehr guten Etmalen um Kap Hoorn und im weiteren durch die erste Hälfte des Südatlantiks gesegelt war. Peyron und seine Crew hatten die Ziellinie bei der Ile de Ouessant nach 50 Tagen und 16 Stunden erreicht. Um diese Zeit zu schlagen, muss Franck Cammas mit „Groupama 3“ die Ziellinie bis zum 23 März um 6:14 Uhr erreicht haben.

Heutige Position von "Groupama 3" (grün): Das Sturmtief zieht nun südlich am Tri vorbei. © Groupama; www.cammas-groupama.com

Mathias Müller
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